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Kuriosum in Flensburg : Der vielleicht dümmste Diebstahl der Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vom Werkstattgelände gestohlen, zweimal getankt ohne zu bezahlen – und dann noch falschen Sprit: Wie ein Fiat zum Sanierungsfall wird.

Darin sind sich die betroffene Autobesitzerin und der Werkstattchef einig: Hier müssen die dümmsten Diebe Deutschlands zugeschlagen haben, wenn nicht gar der Welt, sagen beide.

Anfang der vorigen Woche blieb ihr weißer Fiat Seicento in Streichmühle liegen, berichtet Kirsten Gniosdorz. Mit Hilfe der gelben Engel brachte die Rentnerin aus Flensburg ihren 16 Jahre alten Kleinwagen zu ihrer Werkstatt am Kielseng, bei der die ganze Familie seit Jahren Kunde ist. Als sich am Montag Mitarbeiter der Werkstatt des Wagens annehmen und ihn reparieren wollten, stand er nicht mehr auf seinem Parkplatz. Er war gestohlen worden. Die Mechaniker benachrichtigten Polizei und Versicherungen über den Diebstahl. Werkstatt-Inhaber Rudolf Asmussen ist seit 35 Jahren im Geschäft, doch das sei ihm noch nie passiert. Er und seine Leute seien „völlig benommen von so viel Dummheit“.

Noch kurioser nämlich ist, was zwischen dem Verschwinden und dem Wiederauffinden des Fahrzeugs geschehen ist. Nachdem die Täter den Fiat in Besitz genommen hatten, tankten sie nebenan – für 99 Cent. Sie wollten aber nicht bezahlen und verdrückten sich. Allerdings kamen sie wieder, um dieses Mal für fünf Euro zu tanken. Und wieder die Zeche zu prellen. Beim zweiten Mal aber verlangte die Tankstellen-Mitarbeiterin die Personalien der Betrüger. Zu allem Überfluss hatten sie auch noch statt Benzin Diesel getankt, erzählt Kirsten Gniosdorz. Und sind wohl deshalb nicht weit gekommen; der Wagen wurde in der Nähe gefunden.

Einige Details dieser unglaublichen Geschichte kennen sie und ihre Tochter Jenny, weil deren Freund die Idee hatte, nebenan bei der Tankstelle nachzufragen und auf die Videoüberwachung hinzuweisen. „Sagen Sie nicht, das ist ein weißer Fiat“ mit dem und dem Kennzeichen, erinnert sich Jenny an die Reaktion der Angestellten. Auf Anfrage gibt es von dort keine Presseauskünfte, der Chef der Tankstelle sei am Dienstag zu sprechen, heißt es. Auch die Pressestelle der Polizei war am Freitag nicht zu erreichen.

Als Kirsten Gniosdorz ihren Fiat wiedersah, erschrak sie regelrecht. „Die Täter haben darin Party gefeiert“, formuliert es ihre Tochter. Kippen lagen darin herum, gestohlene Mobiltelefone, ein Überbrückungskabel, Kleidung. Und das Auto ist „kaputter als es je war“, fasst Kirsten Gniosdorz zusammen. Vor einem Jahr hat sie es aus Hamburg bekommen, sagt die bescheidene Frau. Trotz ihrer Gehbehinderung bleibt sie so mobil, transportiert ihren Schäferhund und besucht die Enkel.

Umso enttäuschter sei sie von der Werkstatt, die sie „vor die Tür setzte“. Sie solle das Auto mitnehmen, habe man ihr gesagt und wunderte sich: „Wie denn? Der ist zwar klein, aber unter den Arm passt er nicht.“ Ihre Tochter kritisiert, dass die Werkstatt an einer schnellen Lösung nicht interessiert sei. Außerdem würde sie gern die Videoaufnahmen sehen: „Die beiden Täter haben wir“, sagt sie, mit dem Video könnten sie schnell überführt werden.

Werkstattchef Rudolf Asmussen erklärt, dass er das Auto sichere und über Nacht einschließe. Der Fall sei auch für ihn und sein Team „anstrengend“, fast lähmend. Die Rettung des Autos sei möglich und nur eine Frage des Geldes, sagt Asmussen und stellt die Kosten für die Reinigung des Tanks und des ursprünglichen Schadens dem geringen Materialwert gegenüber. Dass der Fiat für die Besitzerin von großem Wert sei, stellt er nicht in Frage. „Wir wollen gern helfen“ und den Schaden für alle Beteiligten begrenzen, betont er. Doch in ein „laufendes Verfahren greife ich nicht ein.“

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erstellt am 12.Aug.2017 | 07:30 Uhr

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