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Kein Platz für alten Sportverein : Der VfB Nordmark kämpft ums Überleben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wo jetzt gekickt wird, sollen 300 Wohnungen entstehen. Seit acht Monaten gibt es keine verbindliche Aussage der Stadt zur Zukunft des Vereins. Der VfB präsentiert jetzt einen eigenen Vorschlag.

Flensburg | Für die einen geht die Zitterpartie ins Ungewisse weiter, die anderen schauen mittlerweile entspannter in die Zukunft. Im Planungsgebiet Bahnhofsumfeld muss sich der VfB Nordmark weiter als Verlierer fühlen, das Kühlhaus hingegen rechnet sich gute Chancen aus, Teil des neuen Quartiers zu werden. Für die Sportler aber läuft die Uhr. Ihre Bestandsgarantie endet mit der Saison 2014/2015.

Als die Planung begann, war das Kühlhaus noch im Weg. Das scheint nicht mehr der Fall zu sein. Geschäftsführer Harald Smorra gibt sich gelassen. Seitdem klar ist, dass eine Verlagerung des kulturellen Angebotes in leer stehende Bahngebäude direkt an den Schienen keine Option mehr ist, beschäftigt sich die städtische Planung mit dem Status Quo. Planungs-Chef Peter Schroeders hatte sich selbst vor Ort ein Bild gemacht. Aus einem Gespräch nahm Smorra die Erkenntnis mit: „Die Stadt will das Kühlhaus am Ort belassen. Man prüft jetzt, wie sich das einrichten lässt.“ Vor diesem Hintergrund wurde ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben. Die Sachverständigen waren im Sommer vor Ort. Auch aus diesem Kontakt nahm Smorra eine interessante Informationen mit. „Nach Ansicht des Gutachters ist der Zustandsstörer finanziell für erforderliche Lärmschutzmaßnahmen verantwortlich. Es sieht also ganz gut für uns aus.“ Trotz der relativ sicheren Position tendiert am Mühlendamm niemand zum Übermut. Ende des Jahres läuft die Leistungsvereinbarung zwischen Stadt und Kühlhaus aus, die für das wirtschaftliche Überleben maßgeblich ist. „Spätestens dann wird man sehen, wohin der Hase läuft.“

Schräg gegenüber, beim VfB Nordmark, ist die Stimmung deutlich schlechter. „Sagen wir es mal so“, fasst Wili Leyßner die Bemühungen der letzten acht Monate zusammen: „Wir sind keinen Schritt weiter.“ Leyßner gehört wie Günter Henning und Hartmut Teucher zu einer Planungsgruppe, die gemeinsam mit der Verwaltung Wege aus einer den Verein tödlich bedrohlichen Situation finden sollte. Der traditionsreiche Eisenbahner-Sportverein ist überzählig. Auf seinem Platz soll gebaut werden. Eine Ersatzlösung zeichnet sich nicht mal in Umrissen ab. „Die Verwaltung hat uns ausgefragt, und wir haben alles geliefert“, sagt Henning. „Aber in der Sache gab es kein Signal und keine Entscheidung. Wir wissen nicht, in welche Richtung die denken. Bekommen wir eine neue Sportanlage oder nicht?“ In dieser Endlos-Warteschleife stirbt der Verein den Tod auf Raten. Die Sponsoren sind schon weg, neue Mitglieder melden sich lieber woanders an. Überall Zeichen des Verfalls, weil in dieser Lage niemand den inzwischen aufgelaufenen Investitionsstau bei den Gebäuden in Angriff nimmt.

Jetzt hofft die Planungsgruppe auf Christoph Meißner. Der ehemalige CDU-Ratsherr hilft, das Thema in die Politik zu tragen. CDU, SSW und SPD hatten den VfB bereits zu sich geladen. Die anderen Fraktionen sollen folgen. Es gibt nämlich etwas zu diskutieren. In Ermangelung städtischer Vorschläge hat der VfB eigene entwickelt. Verlagerung des Vereins auf den Campus, ans Peelwatt oder – Lieblingsvorschlag – Verschiebung der Sportanlagen entlang des Mühlendamms nach Süden. Das würde zwei Hektar Fläche für die Bebauung öffnen, und der VfB könnte den Sportbetrieb auf Flächen verlagern, die wegen Altlasten ohnehin nur sehr teuer für eine Wohnbebauung zu erschließen wären. „Vielleicht beschäftigt sich ja mal jemand damit“, hofft Leyßner. „Es muss doch irgendwann mal jemand entscheiden, wie es weitergeht!“

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erstellt am 19.Okt.2013 | 08:30 Uhr

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