zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 22:40 Uhr

Flensburg : Der verlorene Ehering im Eierkarton

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach einer glücklichen Verkettung von Zufällen bringen zwei Mädchen einer 89-Jährigen ihr geliebtes Schmuckstück zurück. Inge Petersen hatte ihn wenige Tage vor Heiligabend verloren.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Flensburg | Der Tisch ist reich gedeckt. Selbst gebackene Kirschtörtchen mit Schlagsahne, Weingummi und Schokolade, Kaffee und Kakao. Mehrere Generationen haben sich in einem kleinen Häuschen auf der Westlichen Höhe eingefunden – Menschen, die in dieser Konstellation noch nie zusammengesessen haben: Da ist eine strahlende Inge Petersen, die in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feiert, ihre Enkelin Marie (20), zwei elfjährige Mädchen und ein Polizist. Die Hauptrolle aber spielt ein goldglänzender Ehering.

Die schier unglaubliche Geschichte beginnt wenige Tage vor Heiligabend. Inge Petersen schleppt zwei Pakete zur Hauptpost. Eile ist geboten. Schnell noch Mehl und Eier vom Supermarkt besorgen – für die Weihnachtsbäckerei. Als sie zu Hause ihren Einkauf auspackt, bemerkt sie zu ihrem Entsetzen, dass etwas fehlt. Ihr Ehering, die wichtigste Erinnerung an ihren verstorbenen Mann, den sie 1956 geheiratet hatte. Eines ihrer letzten Schmuckstücke überhaupt – vor zwei Jahren war sie ausgeraubt worden. Die Rentnerin kann sich den Verlust nicht erklären, sie ist todtraurig. Denn die Hoffnung, das geliebte Stück jemals wiederzusehen, ist gering. Es gibt keine Gravur, kein Monogramm, kein einziges Erkennungsmerkmal.

Etwa zur gleichen Zeit stromern Matilda Leibel und Femke Pleger, beide elf Jahre alt, durch den Supermarkt, durchstöbern die Regale. Plötzlich entdecken sie etwas Glitzerndes auf dem Boden eines leeren Eierkartons – einen goldenen Ring. Die Freundinnen zögern nicht und geben den Fund an der Kasse ab. „Das war für uns ganz selbstverständlich“, sagt Femke. Dort wird er erst einmal beiseite gelegt. Die Mädchen gehen davon, ohne ihre Personalien zu hinterlassen.

Wenig später spendet Enkelin Marie ihrer Großmutter Trost. „Du bekommst deinen Ring wieder“, verspricht sie, „die Menschen sind viel ehrlicher als du denkst.“ Doch Inge Petersen ist nach dem Einbruch skeptisch. „Ich bin dadurch misstrauisch geworden“, sagt sie, „und ich war der Überzeugung, die Menschen geben wertvolle Fundsachen nicht mehr zurück.“

Marie startet ihre Suchaktion über das Online-Netzwerk Facebook. Dort schildert sie die genauen Umstände des Verlustes. Und wie der Zufall es will, liest ein älterer Herr, der seinerzeit an der gleichen Kasse anstand wie die beiden Mädchen, diesen Eintrag. Er schreibt sofort zurück, schildert, was er gesehen hat. Marie informiert ihre Oma umgehend, beide eilen zum Supermarkt. „Jetzt war ich richtig aufgeregt“, gesteht die 89-Jährige. Tatsächlich handelt es sich um ihren verlorenen Ehering. „Ich konnte es kaum glauben.“ Inge Petersen fühlt große Dankbarkeit. Aber wem soll sie danken? Wer sind die ehrlichen Finder? Die Lösung hat einen Namen – Tante Maaß! Flugs ist ein Anruf getätigt, tags darauf steht ein Aufruf in der Zeitung. Jörg Salzer (51), Vater von Matilda, erfährt davon an seinem Arbeitsplatz in der Leitstelle Harrislee. Der Polizist nimmt Kontakt zu der alten Dame auf, die nun alle Beteiligten zu sich einlädt. „Kinder, ihr habt mich glücklich gemacht.“ Mit diesen Worten überreicht Inge Petersen, die den goldenen Ring stolz an ihrem Finger trägt, den Mädchen einen Umschlag mit dem verdienten Finderlohn. Und sie lobt: „Danke, dass ihr so ehrlich seid. Das habt ihr euren Eltern zu verdanken, die euch so gut erzogen haben.“ Da freut sich der Papa – Femke und Matilda grienen nur in sich hinein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen