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Nicht zu fassen: : Der verhinderte Hauptgewinn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Altes Gymnasium gewinnt bei bundesweitem Wettbewerb eine Übungsküche– der Preis droht zu verfallen, weil das Geld zum Einbau fehlt

Manchmal reichen nicht einmal ein Hauptgewinn, ein Promi und die Glückwünsche eines Bundesministers dafür, dass alles gut wird. Mitte März zeichneten Tim Mälzer, Bundesernährungsminister Christian Schmidt und Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, in Hamburg die zehn Schulen aus, die Sieger im bundesweiten Wettbewerb „Klasse, kochen!“ wurden. Das Alte Gymnasium aus Flensburg gehörte zu den Gewinnern einer Übungsküche – 225 Schulen hatten sich beworben.

Die Wahrscheinlichkeit, sich als neusprachliches Gymnasium mit altsprachlichem Zweig bei einem Kochwettbewerb gegen beispielsweise berufsbildende Schulen aus ganz Deutschland durchzusetzen, haben die Flensburger Teilnehmer nicht als sehr hoch erachtet, räumt Schulleiter Christoph Kindl ein. Doch nahezu jede Fachschaft des Alten Gymnasiums habe sich engagiert. Die siegreichen „Kreativbeiträge“ reichten von kalligraphischen Kochbüchern bis zum Kalender. Besondere Betonung lag auf der Verwendung von Produkten aus der Region.

Das Problem: Der Einbau und die Herrichtung sprengen das Budget der Schule, und auch die Stadt als Trägerin des Gymnasiums kann nicht mehr helfen. Vorgesehen, sagt Kindl, sei ein Raum im Neubau des Alten Gyms, der seit nahezu zwei Jahren einer Baustelle gleicht. Ein fertiger Raum hätte zur Küche rückgebaut werden müssen – da wollte man lieber ein bislang brach liegendes Klassenzimmer peu à peu herrichten, erklären Kindl und sein Stellvertreter Bernd Henkel. Mit dem Bau des Physik-Raums und der Chemie, ergänzt Henkel, kam die Auflage, den gesamten Gebäude-Trakt mit Blick auf Brandschutz fertig zu machen. Mit derartigen Maßnahmen könne man normalerweise Mittel freisetzen. Jedoch geschieht das Gegenteil: Nachdem bekannt war, dass die Schule die Küche gewinnen würde, wurde eine Grobschätzung der Um- und Einbaukosten eingeholt, die bei 20  000 Euro lag. „Das schaffen wir“, war sich Kindl sicher. Doch Erfordernisse wie besondere Brandschutztür, Fettabscheider und Umsetzen der Heizung ließen die Kosten einschließlich für die Planung inzwischen auf mindestens das Dreifache hochschnellen. Kindl zählt aus einem Schreiben der Stadt auf: Elektro für 15  000 Euro, Hochbau 17  000 Euro, Sanitär- und Heizung 9000 Euro, Abluft 8000 Euro.

„Das ist bitter“, findet Kindl. Den mitfiebernden Eltern sei kaum zu vermitteln, dass die gefragte Schule zwar zum guten Haushalt der Stadt beitrage, aber in diesem Fall nichts zurückbekommt. Dabei könnten viele vom eingereichten Nutzungskonzept profitieren: Darin angedacht sei, erläutert der Schulleiter, mit Volkshochschule, Kindergärten und Seniorenheimen zusammenzuarbeiten und zu überlegen, wie man Flüchtlinge integrieren könnte.

Stadtsprecher Clemens Teschendorf betont, dass von Anfang an klar gemacht wurde, dass die Schule selbst Sorge tragen müsse, die Kosten für den Einbau zu stemmen. In Gesprächen über diese außerplanmäßige Investition sei man der Schule entgegengekommen, indem der Fachbereich Vermögen anbot, für ein Drittel der Kosten aufzukommen. „Man hätte andere Projekte in dieser Größenordnung zurückstellen müssen“, gibt Teschendorf zudem zu bedenken. Bernd Henkel sieht das etwas anders: „Wir stecken 40  000 Euro rein, um es dann der Stadt zu schenken“, die sei schließlich Trägerin.

Kurzum: Eine Lösung im Jahr des 450. Geburtstags des Gymnasiums ist nicht in Sicht. Ein Gespräch mit der Partnerfirma Nolte Küchen habe lediglich eine Fristverlängerung vom 12. August auf Oktober erwirkt. Wenn Geschirrspüler, Kühlschrank, Herdplatten bis dahin nicht abgerufen werden, verfällt der Gewinn.

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erstellt am 08.Jun.2016 | 16:41 Uhr

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