Stadtteile und ihre Foren in Flensburg : Der überlastete Stadtteil Weiche

Die Bahnstraße im Herzen von Weiche.
Die Bahnstraße im Herzen von Weiche.

Die Aktionsgemeinschaft Gesunder Stadtteil Weiche kämpft gegen die hohe Verkehrsbelastung und für mehr Lebensqualität

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10. Januar 2018, 12:59 Uhr

Seit drei Jahren sind die Stadtteilforen in Flensburg politische Vertretungen der Quartiere. Grund genug für das Tageblatt, zum Jahresbeginn zu fragen, wo im Stadtteil der Schuh drückt. Heute: Weiche mit der Aktionsgemeinschaft Gesunder Stadtteil Weiche.

Wie würden Sie das Besondere an Ihrem Stadtteil beschreiben?
1. Die räumliche „Einbettung“ des Stadtteils innerhalb Flensburgs ist einmalig. Umgeben von Gewerbegebieten und einigen Grünbereichen liegt der Stadtteil völlig isoliert zu den anderen Stadtteilen. Hingegen geht er in weiten Bereichen direkt in den Ortsteil Weding der Gemeinde Handewitt über. 2. In sich ist der Stadtteil Weiche durch die Bahn und den Ochsenweg in vier Quadranten gegliedert, die durch den starken Durchgangsverkehr auf dem Ochsenweg und einer einzigen Querungsmöglichkeit (Bahnunterführung) der Bahn zusätzlich besonders belastet ist. Gesteigert wird die Belastung durch die Verkehrsachsen Lilienthalstraße/Ochsenweg/Alter Husumer Weg sowie Husumer Straße. 3. Stiftungsland Schäferhaus Süd

Auf welchem Gebiet hat sich im Stadtteil im Jahr 2017 etwas bewegt?
1. Begonnener Wiederaufbau der Socceranlage. Allerdings dauert dies nun schon fünf Jahre, bis dies ursprünglich wohl einmal (2006!) gut gemeinte Projekt innerhalb des Stadtteils umgesiedelt werden konnte. Es ist insbesondere für die Kinder und Jugendlichen, die sich 2013 außerordentlich engagiert hatten, um die Anlage im Stadtteil zu erhalten, aber auch für die beteiligten Erwachsenen nicht akzeptabel und nachvollziehbar, warum es in diesem Fall so lange gedauert hat. Da stellt sich manchmal schon die Frage, ob die Sicht auf Projekte für Kinder und Jugendliche in Flensburg in allen Fällen die gleiche ist.
2. Kulturelle Aktivitäten sowohl kommerzieller Art als auch ganz besonders im nicht-kommerziellen Bereich.

Was ist dagegen das größte Thema, das 2017 im Stadtteil liegengeblieben ist?
Die Nahversorgung im östlichen Stadtteil, der Alte Husumer Weg mit dem Schwerlastverkehr, die leerstehende ehemalige katholische Kirche.


Wie soll es mit diesen Themen weitergehen und wie könnte es vorankommen?
1. Aktivierung von Politik und Verwaltung hinsichtlich ihrer Verantwortung für eine „gedeihliche“ Gesamtentwicklung von Wohnen – Arbeiten – Verkehr – Leben in Flensburg.
2. Nach nun über 30 Jahren ist hinsichtlich des Schwerlastverkehrs Resignation eingekehrt und der Glaube verloren gegangen, dass hier noch eine für die Anwohner zumutbare Situation gewollt und erreicht wird.
3. Aktivierung der zuständigen Stellen bei der katholischen Kirche hinsichtlich ihrer Verantwortung nicht nur finanzieller Art, sondern auch für die Allgemeinheit. Schließlich wurde die Kirche seinerzeit nicht nur von der Kirche finanziert, sondern auch durch Spenden und Steuergelder. Die zuständigen Stellen in Flensburger Politik und Verwaltung müssen erkennen, dass es für Stadtteile auch wichtig ist, dass sie ein „Gesicht“ haben. Wird die Kirche erhalten und die Ecke wieder hergerichtet, hat die Einfahrt in den Stadtteil über Lilienthalstraße oder Ochsenweg ein einmaliges und prägendes Aussehen.

Welches Thema wollen sie 2018 anpacken?
Das Projekt Stiftungsland / Jägerslust (80 Jahre Überfall auf Jägerslust 9.11.1938), die Nahversorgung, den Erhalt der katholischen Kirche sowie die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Weding


Wie zufrieden sind Sie mit dem Kontakt zwischen Forum und Rathaus?
Die Zusammenarbeit mit den für die Stadtteilforen zuständigen Rathausmitarbeitern ist gut. Manche Fachbereiche tun sich schwer, an die Foren zu denken.


Wie beurteilen Sie das erste Amtsjahr der Oberbürgermeisterin mit Blick auf den Einsatz für Ihren Stadtteil?
Gar nicht, da nicht erkennbar.

Was wünscht sich Ihr Stadtteilforum von der neuen Ratsversammlung, die im Frühjahr gewählt wird?
Bei allen Ratsmitgliedern eine größere Kenntnis und ein größeres Gespür für die Besonderheiten dieses Stadtteils, u.a. hinsichtlich der besonderen Verkehrssituation im gesamten Stadtteil. Diese wird ja nicht nur durch Entwicklungen im Stadtteil verursacht, sondern zu einem größeren Anteil durch Entwicklungen in anderen Stadtteilen bzw. in der Umlandgemeinde. Außerdem wünschen wir uns die Beachtung einer ausgewogenen Entwicklung, die sich nicht nur auf Bauen beschränkt, sondern alle Aspekte für das Leben vor Ort beachtet (z.B. Nahversorgung, ÖPNV, Naherholung, Barrierefreiheit).


Welches Thema in Ihrem Stadtteil hätte mehr Aufmerksamkeit verdient?
Der Erhalt und die Entwicklung der Landschaft in und um den Stadtteil herum sowie eine bessere und erkennbare Zusammenarbeit mit der Gemeinde Handewitt/Ortsteil Weding.

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