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Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 09:55 Uhr

Hundeprofi Martin Rütter : Der tut nix!

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Martin Rütter kommt mit seinem Programm am 6. Dezember nach Flensburg. Im Interview erkärt der Hundeprofi, warum Hundetraining in erster Linie Besitzertraining ist.

shz.de von
erstellt am 01.12.2013 | 18:00 Uhr

Herr Rütter, Hand aufs Herz: Wie oft werden Sie mit dem Spruch begrüßt „Der tut doch nix“?
Ich habe nicht mitgezählt, aber sehr oft. Es ist ja der Klassiker – und wahrscheinlich die älteste und unverschämteste Lüge aller Hundehalter, die in diesem Moment keinen Einfluss auf ihren Hund haben. Denn meistens heißt ja „Der tut nix“ nichts anderes als „Der tut nix von dem, was ich gerne hätte“.

Sie sind studierter Tierpsychologe – aber läuft das Problem nicht am Ende der (Hunde)-Leine auf zwei Beinen?
Definitiv ja. Deshalb lautet mein Leitspruch ja auch „ich trainiere Hunde, aber vor allem ihre Menschen“. Es ist fast nie DER Problemhund, sondern der Mensch, der seine Einstellungen und Verhaltensweisen überdenken und verändern muss.

Also ist Hundetraining in erster Linie Besitzertraining…
Klar. Deshalb fahre ich ja auch zu den Menschen nach Hause, um sie in ihrem alltäglichen Umfeld begutachten zu können. Du kannst einen problematischen Hund nicht wie eine kaputte Uhr bei mir abliefern und holst ihn nach drei Wochen „geheilt“ und „repariert“ wieder ab. Was soll das auch bringen? Der Hund muss ja nicht mit mir, sondern mit den jeweiligen Menschen zusammenleben. Ich beobachte die Situation, gebe eine Einschätzung ab und erkläre den Leuten, was sie ändern müssen, um den Hund und sich glücklich zu machen. Die Arbeit liegt aber bei den Menschen, sie müssen gewillt sein, den Schalter umzulegen. Das ist das Entscheidende.

Als „Der VIP-Hundeprofi“ helfen Sie bekannten Menschen beim Verstehen ihres besten Freundes. Wer waren so die schwierigsten Fälle?
Eine extreme, aber gleichzeitig auch unterhaltsame Erfahrung, im wahrsten Sinne des Wortes, war sicherlich mein Besuch bei den Jacob Sisters. Vorher hatte ich wirklich noch nie Menschen getroffen, die so viel quasseln und alles falsch machen – aber die machen wirklich alles falsch. Aber sie haben trotzdem sensationell tolle Hunde. Das ist aber typisch für den Pudel, denn das ist wirklich ein super Hund.

Für alle, bei denen Sie nicht selbst vorbeikommen können, gibt es Ihre DVD „Hundetraining“, von der jetzt Teil 2 erschienen ist. Was unterscheidet Ihre Methode von anderen?

Die von mir entwickelte Trainingsphilosophie D.O.G.S. (Dog Orientated Guiding System) ist ein System, das letztlich kein System ist. So impliziert schon der Name (am Hund orientiertes Führungssystem), dass sich das Training an den jeweiligen natürlichen Bedürfnissen des Hundes orientiert. Wir arbeiten also nicht nach starren Schablonen, sondern der Schwerpunkt von D.O.G.S. liegt darin, den Hund und die jeweilige Beziehung zu seinem Halter einschätzen zu können, um dann ein für den Menschen und seinen Hund ganz individuelles Trainingskonzept zu entwerfen. Ein weiteres Kern-Element von D.O.G.S ist die gewaltfreie Erziehung. Und: Schreierei wie auf dem Kasernenhof gibt es bei uns auch nicht. Denn die Sprache der Hunde ist eine leise Sprache.

Sie haben in Wolfsaufzuchtstationen gearbeitet und sich mit Dingos auseinandergesetzt. Wie viel Wildtier steckt denn heute noch im Hund?

Natürlich kann man das Verhalten unserer Haushunde nicht Eins zu Eins vom Wolf ableiten und übertragen. Dennoch ist der Wolf erwiesenermaßen der Stammvater des Hundes und so findet man immer noch einige „wölfische“ Verhaltensweisen. Nicht zuletzt hat jeder Hund Zähne, die er auch einsetzen kann. Im besten Fall, um Nahrung zu zerkleinern, im schlimmsten Fall um sie zur Verteidigung oder zum Angriff auf den Menschen einzusetzen. Und dieser Tatsache muss man sich als Mensch immer bewusst sein!

Gibt es für Sie einen idealen Hund – und von welchem Tier würden Sie abraten, wenn es darum geht sich zum ersten Mal einen Hund ins Haus zu holen?

Ja, den gibt es, aber nur bei „Toys R Us“, der hat einen Knopf im Ohr und eine Batterie im Hintern. Im Ernst: Den perfekten Familienhund oder den Anfängerhund schlechthin gibt es nicht, denn selbst innerhalb eines Wurfes können unterschiedliche Charaktereigenschaften auftreten. Ich muss also immer individuell schauen: Welche Bedürfnisse hat der jeweilige Hund, welche hat der Mensch? Generell eignen sich aber beispielsweise für Familien eher Hunde, die nicht sehr sensibel sind. Feinfühlige Hunde können nämlich insbesondere bei Familien mit Kindern zu einem Problem werden, denn Kinder sind im Umgang mit Hunden nicht gerade zimperlich.

Nach Kochsendungen und Wohn-Soaps boomen nun im Fernsehen Tiersendungen. Sehen Sie mit „Eine Couch für alle Felle“ und „Der Hundeprofi“ als Trendsetter?
„Eine Couch für alle Felle“ war ja damals in der Form das erste Coaching-Format im Fernsehen, so etwas gab es in der Art nicht. Ich denke, dass das Erfolgsrezept aus drei Zutaten besteht: Freude an der Arbeit, eine hohe Fachkompetenz und Authentizität. Unsere Fälle beim Hundeprofi sind alle absolut echt, da wird nichts inszeniert. Etwas zu faken oder zu scripten, käme für uns nie infrage. So transportieren wir eine hohe Glaubwürdigkeit, mit der sich der Zuschauer identifizieren kann.

Was erfahren denn nun Frauen und Herrchen über ihren Vierbeiner, was sie vorher noch nicht wussten?

Im meinem Live-Programm geht es wieder um die vielen kleinen und großen Missverständnisse, die in der Beziehung von Mensch und Hund entstehen können. Ich werde mich diesmal ausführlich dem Thema Verharmlosungsstrategien widmen. Wahnsinn, was sich die Leute alles ausdenken, um das Verhalten ihres Hundes schön zu reden. Da gibt’s die absurdesten Theorien. Über Kommunikationsmissverständnisse werde ich sprechen. Über die ausgeklügelten Manipulationspraktiken unserer Hunde. Über subtile Aggression, manisches Markierverhalten, Kastration und und und…

Und zum Schluss: Warum sollen sich Nicht-Hundebesitzer Ihr Programm anschauen…
Weil es nicht nur lehrreich, sondern vor allem auch überaus lustig wird. Inzwischen besitzen rund 40 Prozent meiner Zuschauer gar keinen Hund. Zum einen hat sich herumgesprochen, dass man beim Rütter einen schönen Abend verbringen kann, zum anderen hat ja selbst jeder Nicht-Hundebesitzer irgendwie mit dem Thema zu tun – und wenn es nur der Hund des Nachbarn ist, der mir gerade wieder den Garten verwüstet.

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