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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 07:50 Uhr

SG Flensburg-Handewitt : Der Trompeter der SG

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Marquardt Petersen trompetet seit sechs Jahren die SG Flensburg-Handewitt in die Halle. Der 17-Jährige möchte mehr als ein Volksmusiker sein.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 07:13 Uhr

Flensburg | „Ich bin kein Kind mehr und auch kein Schlageronkel.“ Marquardt Petersen zeigt mit klaren Worten, dass das Bild, das viele von dem Talent an der Trompete haben, nicht stimmt. Der 17-Jährige, der vor den Heimspielen der SG Flensburg-Handewitt mit seiner Trompete und dem Triumphmarsch für Gänsehaut-Atmosphäre sorgt, ist kein niedlicher Bub mehr, der im dunkelblauen Anzug bei den Fernsehfesten der Volksmusik Mütter und Großmütter verzückt. Der junge Mann, der mit seiner Familie in Sörup wohnt, steht zur Volksmusik. „Ich habe ihr viel zu verdanken und durch sie viele besondere Künstler kennen gelernt.“ Doch sein musikalisches Ein und Alles sind vor allem die süddeutschen Volkslieder nicht. „Ich bin Schleswig-Holsteiner und liebe die Musik dieses Landes“, sagt Marquardt. Wie auch die Musik der 50er und 60er Jahre – Frank Sinatra, Elvis und die Beatles. Zu seinen Idolen zählt David Garrett, der die Grenze zwischen Klassik und Rock verwischt. Die oft mit langen Reisen verbundenen Auftritte, CD-Aufnahmen und natürlich das Experimentieren im eigenen Tonstudio im Gutshof der Familie machen Marquardt so viel Freude, dass er auf Schule an sich verzichten könnte. „Doch Abitur ist wichtig, deshalb ziehe ich das durch.“

Das Musiktalent blickt schon jetzt auf erfolgreiche CDs oder Auszeichnungen wie der erste Preis bei „Jugend musiziert“ oder der Sieg beim Musikantenstadl-Nachwuchswettbewerb.

„Den Auftritt beim Final Four werde ich nie vergessen“

Doch das für Marquardt bisher schönste Erlebnis fand im Mai 2011 in der O2-World in Hamburg statt. Vor dem Finale des DHB-Pokals, das in 75 Länder übertragen wurde, spielte der junge Flensburger die deutsche Nationalhymne. „Das war eine große Ehre – das werde ich nie vergessen“, sagt Marquardt – obwohl seine SG nicht den Pokal holte. Ein emotionaler Höhepunkt war auch das Abschiedsspiel der SG-Legende Lars Christiansen im Sommer 2010, zu dem der Solist auf Wunsch von Lars „Amazing Grace“ trompetete.

Um auch in Zukunft für die SG trompeten zu können, überlegt Marquardt, in Flensburg zu studieren. In der Nacht vor dem Kiel-Spiel ließ er sich nach einem Auftritt in Süddeutschland nach Flensburg fahren. „Gerade bei diesem Spiel konnte ich doch nicht fehlen“, sagt Marquardt, der die SG bei der Frage nach seinen Hobbys an erster Stelle nennt – vor Lesen, Radfahren, Skilaufen und Autos. Seinen Führerschein hat der Trompeter schon fast in der Tasche. Sobald er 18 ist, möchte er seine Eltern entlasten, die ihn von Sörup zur Schule, zu Auftritten, zu Fernsehhows und zu den Spielen der SG fahren. „So schön unser Zuhause ist, für einen Teenager ist es nicht immer toll, so weit weg von der Stadt zu wohnen“, sagt Marquardt.

Steht der junge Bruder Frederik nicht oft im Schatten des bekannten Trompeters? „Überhaupt nicht, er hat andere Talente, ist ein sehr guter Tennisspieler“, sagt Marquardt. Überhaupt, ohne seine Familie wäre sein musikalischer Erfolg nicht möglich gewesen. Es gibt nur einen Menschen, der für die Entwicklung von Marquardt Petersen noch wichtiger war – sein langjähriger Lehrer und Mentor Hans-Heinrich Lorenzen. Am 31. Mai 2012 starb Lorenzen unerwartet. Die anstehende Konzertreise widmete der Trompeter seinem dritten Großvater. „Ein Mensch lebt solange, wie man an ihn denkt, ich denke sehr oft an meinen Lehrer, der mir alles beigebracht hat, was ich für eine musikalische Karriere brauche“, sagt Marquardt.

Ernsthafte Gedanken über das Leben und den Tod begleiten das Leben des jungen Trompeters. Gleichzeitig aber auch eine Lebensfreude und eine Dankbarkeit, wie sie für einen 17-Jährigen außergewöhnlich ist. „Sterben gehört zum Leben, das dürfen wir nicht ausschließen.“ Kindern, die sterben müssen, widmet sich Marquardt mit dem Projekt „Tragt ein Licht in alle Welt“, das im Studio seines Freundes Andreas Fahnert aufgenommen wurde. Text und Musik stammen von Doris Müller. Bei der Eröffnung des Weihnachtsdorfes Wanderup war die Premiere des Liedes, das bundesweit zur Hymne der Kinderhospize werden könnte, und Marquardt auf Lebenszeit einer ihrer Botschafter. Seite an Seite mit so prominenten Künstlern wie Monrose oder Ann-Kathrin Kramer. „Ich bin dafür bereit“, sagt Marquardt.

Musik ist für ihn eine Sprache, die jeder versteht. Besonders instrumentelle Musik, die lasse einen freien Interpretationsspielraum, sagt der 17-Jährige, der sich als Mensch und Musiker nicht verbiegen lassen will. Seinen eigenen Weg sieht er als Geschenk: „Ich kann mit meiner Musik Menschen berühren.“
 

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