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Modellbau in XL : Der Traum von der großen Flensburg-Brigg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Museumswerft-Chef Uwe Kutzner will den Neubau des etwa 40 Meter langen Zweimasters „Forening“ an Land verwirklichen.

Flensburg | Für die Rubrik „Modellbau“ ist sie vielleicht ein bisschen groß geraten. Jedenfalls passt sie nicht in ein Standard-Bücherregal. Gut 10 Tonnen bringt die Schnaubrigg auf die Waage, mit der die Flensburger Museumswerft ihren Gründungszweck endlich verwirklichen will. Der Neubau im Maßstab 1:3,5 unter der Leitung von Bootsbaumeister Thomas Frömming steht kurz vor der Fertigstellung. Wenn nach gegenwärtigem Fahrplan der Nachbau eines Westindienfahrers von 1781 noch diesen Sommer ins Wasser kommt, steht die gemeinnützige Werft vor einer echten Herausforderung. Denn in der Tat hat Frömming gemeinsam mit seinem Gesellen Hugo Firmino an einem Modell gebaut. Es galt zu lernen für den Bau 1:1 – für die Flensburg-Brigg „Forening“.

Nichts anderes hatte Werft-Chef Uwe Kutzner im Sinn, als er 1996 die Museumswerft gründete und im „Hinterland“ des Museumshafens etablierte: Einen Segler aus der großen Zeit zu bauen, als Flensburg als Stadt des neutralen Dänemark zwischen den Krieg führenden Supermächten Frankreich und England mit den westindischen Inseln lebhaften und einträglichen Handel trieb. Schon 2011 hatte Kutzner seine Vision sichtbar gemacht. Er präsentierte den Ratsmitgliedern eine animierte Darstellung des großmaßstäblichen Plans: Ein nicht ganz 40 Meter langer Zweimaster, der an Land gebaut wird. Als Großmodell, als vollständiges Ausstellungsobjekt oder als seegehende Botschafterin. Diese Frage wird mit der Fertigstellung der Forening wieder aktuell. „Wir wollen direkt anschließend mit dem Bau beginnen“, sagt er. „Leider sind wir mit der Stadt Flensburg noch keinen Schritt weiter.“ Will heißen: Seine auch von Museumsdirektor Thomas Overdick getragenen Vorschläge von 2011 fanden bis heute kein Echo. Zu entscheiden ist, ob ein so großes Objekt wie ein 150-Tonnen-Schiff auf der Schiffbrücke entstehen darf. Und ob Kutzner dafür womöglich seinen Lieblingsplatz (vor dem Schifffahrtsmuseum) bekäme, ob sich eine neue Überlegung (Trockendock) in Flensburgs historischem Hafen realisieren ließe.

Kutzner möchte die „Forening“ ohne öffentliche Mittel bauen, das auf fünf bis zehn Jahre angelegte Projekt über Sponsoring und Eintrittseinnahmen finanzieren. Wobei das 1:3,5-Modell die erwünschten Lerneffekte lieferte. „Wir waren immer wieder überrascht, mit welchen Schwierigkeiten unsere Vorgänger damals zu kämpfen hatten. Es gab Planken, die mussten wir unglaublich scharf biegen.“

Bis jetzt hat alles geklappt. Das Modell ist nach traditioneller Art gebaut – nur Holzverbindungen halten die Struktur. Da war die Zuarbeit eines Flensburger Berufsfeuerwehrmannes mehr als bloß hilfreich. Gerd Zierberg durchwühlte Literatur aus zweieinhalb Jahrhunderten, lieferte vergessenes Wissen, nicht nur technischer, auch stadtgeschichtlicher Natur – hochinteressanter Beifang aus dem Alltag des 18. Jahrhunderts, der die Werft-Mannschaft Respekt lehrte: „Wir könnten auf Quellen zurückgreifen, die man damals nicht hatte“, sagt Kutzner. „Unterm Strich haben uns die Modellschiffbauer, die viel belächelten Fliegenbeinzähler, entscheidend geholfen.“

Fehlt nicht mehr viel. Die Masten noch, und, wenn sich ein Sponsor findet, 40 Quadratmeter Kupferplatten gegen den Bohrwurm. Dann kann „Forening“ ins Wasser, Anschauung und Anregung sein. Für Kutzner war sie in vielerlei Hinsicht Test mit gutem Ergebnis. Auch finanziell war diese 300 000 Euro teure Projekt zu stemmen. Er weiß, das nächste wird größer. Von der Stadt wünscht er sich eine baldige Entscheidung und verspricht, niemanden finanziell mit hineinzuziehen. „Alles, was wir brauchen, ist eine wohlwollende Begleitung.“

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