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Neues Gutachten in Flensburg : Der Traum von der besseren Bahn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Planungsausschuss in Flensburg beschäftigt sich erneut mit einem Fernbahnhof Weiche und einer Station am Zob. Gewünscht ist vor allem eine bessere Verbindung nach Hamburg.

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 08:05 Uhr

Flensburg | Die Sache wird neu aufgerollt. Es geht wieder um die Zukunft der Eisenbahn in Flensburg: Fernbahnhof Weiche? Schneller nach Hamburg und nach Aarhus? Reaktivierung des Bahngleises zum Hafen und eine City-Station am Zob? Das sind die drei zentralen Fragen, die die Stadt sich erneut stellt und zu deren Beantwortung ein Gutachten herangezogen wird.

Die Bahn ist ein Reizthema: Über eine Stunde diskutierte der Umwelt- und Planungsausschuss über den Antrag von SSW und WiF, ein neues Gutachten zur Bahninfrastruktur in Auftrag zu geben – das vor dem Hintergrund der vor weniger als einem Jahr beschlossenen kommunalen Leitziele zur Bahnstruktur in Flensburg, in dem zum Beispiel der Stadtbahnhof am Zob keine Rolle mehr spielte.

Dass das Thema ernst genommen wird, zeigt die Anwesenheit des Oberbürgermeisters in der Ausschuss-Sitzung am Dienstag: „Ich kann diesem Antrag einiges abgewinnen“, sagte Simon Faber. „Wir punkten nicht mit unserer Bahnanbindung“, stellte er fest. Ihn wurmt es, dass in Dänemark in kurzer Zeit zwei neue Studien zur Bahnreform erschienen sind, während auf deutscher Seite – zumindest im Raum Flensburg – nichts geschehe. „Ja, wir brauchen dieses Gutachten“, bekräftigte der Oberbürgermeister und sagte sofort zu, sich auf dänischer Seite um eine Kofinanzierung zu bemühen. Denn so viel ist klar: Es geht nicht in erster Linie um die Frage, ob man den Bahndamm zum Hafen reaktiviere oder nicht, sondern es geht darum, den Verkehr auf der Route Aarhus - Flensburg – Hamburg deutlich zu beschleunigen. Und dazu gehört die Frage, ob es hilfreich ist, wenn die Fernzüge nur in Weiche halten und sich den Abstecher zum Bahnhof und die Schleife durchs Gewerbegebiet Süd sparen.

Faber bezog sich auf die Studie des Verkehrsgutachters Atkins, die 17 dänische Kommunen zwischen Pattburg und Aarhus in Auftrag gegeben hatten. Die Ende 2013 erschienene Studie, die bisher nur auf Dänisch vorliegt, kommt zu aus Fabers Sicht „wegweisenden“ Aussagen die Fahrzeit zwischen Aarhus und Hamburg betreffend. Demnach lasse sich durch ein Bündel von Maßnahmen auch ohne große Investitionen die Fahrzeit um eine Stunde reduzieren. Zu den weiteren Maßnahmen, die mit Investitionen verbunden wären, gehört in dem Gutachten die Einrichtung eines Fernbahnhofs Flensburg-Weiche. Im Ausschuss sprach Faber die Möglichkeit an, Weiche als deutsch-dänischen Bahnhof zu gestalten. Bahnhöfe ausländischer Bahngesellschaften gibt es zum Beispiel in Basel (Badischer Bahnhof).

Im Planungsausschuss wurde das Thema durchaus kontrovers diskutiert. Ablehnung kam vor allem von der SPD. „Wir haben einen Bahnhof und wollen den stärken“, betonte Ausschussvorsitzender Axel Kohrt (SPD). „Wir lehnen den Antrag ab.“ Kurt Neumann (CDU) erinnerte daran, dass seine Fraktion im Jahr 2012 mit ganz ähnlichen Vorschlägen gekommen sei und damals keine Zustimmung fand. „Wir haben ein ganzes Jahr verloren“, ärgerte er sich. Die Grünen stimmten zwar zu, betonten aber, dass es vorrangiges Ziel sein müsse, schon jetzt mehr Menschen auf die Bahn zu bringen – zum Beispiel durch eine bessere Anbindung des Bahnhofs durch den ÖPNV. Peter Schroeders, Leiter der Stadtplanung, wunderte sich, dass trotz eines anderen Beschlusses von 2013 der Stadtbahnhof nun doch wieder ein Thema sei. Dass habe man den Bewohnern des Johannisviertels anders signalisiert, die von einer Stadtbahn massiv betroffen wären. Jörg Petersen (CDU) und Heinz-Werner Jezewski (Die Linke) monierten, dass man die Bahnreform schon vor Jahrzehnten hätte angehen müssen. „Warum hat man nicht vor 40 Jahren gleich ein Bahngleis mit auf die Rader Hochbrücke gelegt, so wie man das in Dänemark macht?!“, polterte Petersen. Mit knapper Mehrheit (7:5) stimmte der Ausschuss für das Gutachten; allerdings muss die Ratsversammlung auch noch zustimmen.
 

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