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Flensburger Tageblatt

26. September 2017 | 14:54 Uhr

Der Titelverteidiger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) schreibt sich viele Erfolge auf die Fahnen und will mit Schwung in die nächste Amtsperiode starten

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2016 | 16:35 Uhr

Am 5. Juni wird gewählt. Für den Posten des Oberbürgermeisters stehen bereit: Jens Drews (parteilos), Simone Lange (SPD), Kay Richert (FDP) und der derzeitige Amtsinhaber Simon Faber (SSW). Wir stellen die vier Kandidaten in einer kleinen Reihe vor. Heute: Simon Faber.

Seinen Lieblingsplatz hat er sich erfahren. Mit dem Fahrrad. Der Lautrupsbach steht für ganz viele Lieblingsplätze, über die Flensburg abseits des immer wieder und oft vorschnell im Vordergrund stehenden historischen Hafens verfügt. Treppchen, Wiesen, Gänge – kleine Welten, die Simon Faber gerne als Flensburgs geheime Juwelen aufpolieren und in Szene setzen will, in seiner nächsten Amtszeit. Der Titelverteidiger, gerade von Weiche nach Kauslund-Osterfeld umgezogen und von hier aus auch im Lautrupsbachtal als Radfahrer aktiv, fände es nicht schlecht, noch einmal sechs Jahre zu gestalten.

Baustellen gab es einige, als der damals 42-jährige vom Beobachter zum Akteur wurde. Zuvor war er als Referent der dänischen Minderheit im Kopenhagener Parlament tätig gewesen, ab 15. Januar 2011 war der studierte Germanist und Musikwissenschaftler für die Verwaltung und Entwicklung des regionalen Oberzentrums Flensburg mit fast 90  000 Einwohnern verantwortlich – und stand gleich mitten im Sturm. Die Nospa wurde nach der Übernahme der überschuldeten Flensburger Sparkasse von schweren Nachbeben geschüttelt, die Stadtwerke hatten sich als zu klein geratener Global Player gefährlich übernommen, das in privat-öffentlicher Partnerschaft gebaute Campusbad drohte zum Millionengrab zu werden, und dann war da noch die letzte Amtshandlung des Vorgängers, diese Ansiedlung der Flugboote-Firma an der Harniskaispitze, mit der Flensburg bundesweit zur Lachnummer wurde.

Jetzt ist das brachliegende Grundstück am Harniskai die letzte noch unerledigte Baustelle aus jener Zeit. Sie ist eine jener Flächen, die Simon Faber zu den Schätzen künftiger Stadtentwicklung zählt, nicht nur am Ostufer ein Projekt, das unter die Prämisse eines ganzheitlichen Ansatzes gehört. „Entwicklung braucht Freiflächen. Wir müssen auch die Kraft haben zu sagen: da wird nichts gebaut!“

Die vergangenen fünf Jahre, räumt Faber ein, seien für ihn, den Seiteneinsteiger, nicht immer und in jeder Phase prickelnd gewesen. „Als Beobachter kannte ich das Geschäft schon, von außen“, sagt er. „Auf der Innenseite war es dann aber doch anders.“ Zum Glück sei Kommunalpolitik jenseits der Schaukämpfe meist Ansporn für alle Agierenden. „Es gibt ein weitaus größeres Miteinander, als viele Außenstehende glauben.“

Unter diesem Stern stand für Faber das Engagement der deutsch-dänischen Region für die Bewerbung Sonderburgs als europäische Kulturhaupstadt 2017. Auch wenn am Ende Aarhus den Zuschlag bekam: Für die Region gab es viele Erkenntnisse und auch jetzt, vier Jahre danach, interessante Effekte. Zu den Effekten zählt Faber ein stärkeres Zusammenrücken, eine gewachsene deutsch-dänische Normalität. Sichtbar in der Kooperation der Universitäten, sichtbar darin, dass sich die Sonderburger Bildungsministerin Trane Nørby in Kopenhagen für die kleine grenzüberschreitende Fördeschifffahrt einsetzt; dass Flensburg im dänischen Nahbereich nicht deutsch, nicht dänisch, sondern ganz pragmatisch als nah gelegene Großstadt wahrgenommen wird, dass ein dänisches Weltunternehmen wie Danfoss sich für die Flensburger Imagekampagne „Zwischen Himmel und Förde“ engagiert, dass eine Flensburger Agentur den Zuschlag für die dänische Tourismuswerbung bekommen hat. Faber ist sicher, dass sich die Wahrnehmung geändert hat in den letzten Jahren. „Für Wachstum und Entwicklung in der Region spielt Flensburg die entscheidende Rolle. Ohne die Stadt würde die Region die kritische Masse nicht erreichen.“ Diesen Position will er nutzen. „Wann hatten wir je so viel Schwung wie jetzt? Wir wollen mit unseren Akteuren am Arbeitsmarkt, mit Jobcenter, Bequa und mit den Arbeitgebern eine konzertierte Aktion starten.“

Und wenn alles nichts wird? Wenn der Wähler ihn straft? Er denkt nicht dran. Hat keinen Gedanken an einen Plan B verschwendet, sagt der Titelverteidiger. Und das Einzige, was er sicher sagen kann, klingt doch auch schon ganz gut: „Ich würde meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin keine Baustellen überlassen.“ Ende der vierteiligen Porträt-Reihe

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