zur Navigation springen

Sturm über Flensburg : Der Tag der schwierigen Bahnreisen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viel Wind, aber kein Orkan: Im Vergleich mit "Christian" bleibt "Xaver" zurück, sorgte aber trotzdem für Beeinträchtigungen. Vor allem Bus- und Bahnreisende mussten sich heute früh umorientieren. Die Sporthallen sind wieder frei.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 07:30 Uhr

Der Flensburger Hafen ist gestern nach fast 24 Stunden Weststurm leergelaufen. Die Wasserschutzpolizei registrierte einen Pegel  von 2,50 Meter unter dem gewohnten Niveau.   Kurz nach 17 Uhr hatte der Pegel mit 4,58 Metern bereits das normale Niveau fast wieder erreicht.

Am Tag nach Xaver stehen in Flensburg vor allem Bus- und Bahnfahrer auf dem Schlauch. An der Dr.-Todsen-Straße am Südermarkt hat "Xaver"  an einem Haus Teile des Backsteingiebels heruntergerissen, an einem andere zahlreiche Dachziegel abgedeckt. Am Morgen sperrten Feuerwehr und Polizei die Straße von beiden Seiten komplett. Damit fahren die Busse von Afag und Aktivbus die Haltestelle auch gar nicht mehr an. Erst seit dem Nachmittag ist die Straße für den Busverkehr wieder  frei.

Am Bahnhof heißt das Zauberwort Schienenersatzverkehr, wenn überhaput: Wer nach Neumünster oder Hamburg möchte, muss zunächst sehen, dass er in einen Bus vom Bahnhofsvorplatz nach Schleswig kommt. Eine Studentin wollte eigentlich den durchgehenden Zug um 10.24 Uhr nach Berlin nehmen. Fehlanzeige. Nun rätselte sie: Mit dem Bus nach Schleswig? Und welchen Anschlusszug dann nehmen? Oder erst Sonnabend nach Berlin und Sonntag zurück? Die Strecke sollte eigentlich in den Abendstunden wieder frei sein, teilte die Hamburger Bahnpressestelle kurz nach 16 Uhr mit. Danach sah es am frühen Abend indes noch nicht aus. Auch auf der Kiel-Strecke gibt es nach wie vor Ausfälle und Verspätungen. Auch das Bahnhofsgebäude hat auf der rechten Seite etwas abbekommen. Etliche Ziegel sind heruntergekommen.

Auch andere öffentliche Gebäude waren betroffen. An der Goetheschule kamen Ziegel herunter. Der Bereich wurde sicherheitshalber abgesperrt. Auch am St.-Jürgen-Platz/Ecke Bismarckstraße  sind Dachziegel herabgerutscht. Indessen wurde das Sporthallenverbot fürs Wochenende wieder aufgehoben. Mit Ausnahme der Schulturnhalle der AVS sind alle Turnhallen ab sofort wieder freigegeben.

Bei den Städtischen Museen hat es erneute Schäden an den Dächern gegeben, so dass eine Öffnung heute aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist. Nach schneller, fachgerechter Beseitigung der Sturmschäden können die Museen jedoch bereits ab morgen  wieder ihren regulären Betrieb aufnehmen.

Heute um 15 Uhr hat der Weihnachtsmarkt seine Pforten wieder geöffnet. Die meisten Buden sind wieder zugänglich. Der zweite Advent kann kommen.

Die Stadt war auf das Schlimmste vorbereitet - aber Orkantief „Xaver“ konnte dem ihm voraus eilenden schlechten Ruf nicht gerecht werden. Bis 18 Uhr gestern hielt sich der Schaden in Grenzen. Die Feuerwehren hatten zwölf, meist kleinere Einsätze zu verzeichnen. Zum Vergleich: Sein Vorgänger Christian hatte die Rettungs- und Einsatzkräfte mehr als 200 Mal ausrücken lassen – verbunden mit Millionenschäden und einem Todesopfer, das der Sturm in Klues gefordert hatte.

Im Katastrophenstab, der seit Mittag in der Regionalen Einsatzleitstelle Harrislee formiert wurde, gab es am frühen Abend erste Anzeichen der Erleichterung. Xaver hatte zwar auf der Nordsee in voller Orkanstärke mächtig gebrüllt, auf dem Weg nach Osten über dem Festland aber mächtig an Kraft eingebüßt. Nach Angaben von Stabssprecher Clemens Teschendorf wurden in Flensburg zwar Böen bis zu 100 Stundenkilometer (10 Beaufort/bft) gemessen – der Mittelwind aber lag überwiegend bei 7 bft. Zum Vergleich: Christian war mit Böen knapp unterhalb von 200 Kilometern in der Stunde unterwegs gewesen.

Aber auch so war es ungemütlich genug. Der kalte Wind und kräftige Regengüsse verleideten den Flensburgern den Innenstadt-Besuch gründlich. In Erwartung des Ausnahmesturms war der Weihnachtsmarkt abgesagt worden, der Einzelhandel hatte nachmittags seine Läden überwiegend geschlossen. Auf den Straßen der Stadt herrschte während der üblicherweise zähen Rush-Hour überall freie Fahrt. Wenn Wintersturm Xaver eines geschafft hat, dann das Weihnachtsgeschäft an diesem Nachmittag nahezu lahm zu legen.

Und nicht nur das. Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft verlor zwei weitere wichtige Werktage, weil das während des Oktober-Sturm abrasierte Dach der Produktionshalle sich unter der Wucht der Böen weiter auflöste und das Arbeiten lebensgefährlich machte. Die Werftleitung schickte ihre Leute im Verlauf des Vormittags nach Hause. Auch heute ruhen die Arbeiten an dem gerade auf Kiel gelegten zweiten Schwergut-Spezialschiff für den niederländischen Kunden Rolldock. Angesichts der knapp kalkulierten Ablaufpläne auf der Werft wird das Dach damit zu einem wirklichen Problem. Denn während der Reparatur, so FSG-Geschäftsführer Peter Sierk, kann nur mit großen Einschränkungen gearbeitet werden, weil die großen Kräne unter dem Hallendach nicht genutzt werden können. Morgen soll die Produktion wieder aufgenommen werden.

Das Technische Betriebszentrum (TBZ) hatte seine Müllabfuhr am Morgen mehr als eine Stunde früher in Gang gesetzt als üblich, um Xaver zuvorzukommen.
 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen