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Flensburger Tageblatt

16. Dezember 2017 | 14:16 Uhr

Aufräumen : Der Tag danach

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weit über 200 Einsätze leisteten die Rettungskräfte im Stadtgebiet. Nach den Sturm- folgten die Wasserschäden. Dachdecker sind im Dauerbetrieb.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 07:56 Uhr

Die Ruhe nach dem Sturm. Als Orkantief „Christian“ sich endlich ausgetobt hatte, legte sich am Abend eine fast gespenstische Ruhe über die Stadt. Nur die Kettensägen kreischten durch die Nacht, ab und zu Blaulicht und Martinshorn. Sternenklarer Himmel, der Sturm mit Windstärke 12, der Flensburg mächtig durchgerüttelt hatte, war zu einem fast lauen Lüftchen mutiert. In den frühen Morgenstunden dann der nächste Schlag – Gewitterregen flutete die vielen ungeschützten Dachböden.

Einen Tag nach dem verheerenden Unwetter ziehen Stadt und Feuerwehr Bilanz. Carsten Herzog, seit fünf Jahren Leiter der Flensburger Berufsfeuerwehr, spricht von einer der schwersten Herausforderungen seiner Amtszeit. Er zieht den Vergleich mit „Anatol“ – der am 3. Dezember 1999 über das Land hinweggefegt war. Seinerzeit hatte es 100 Einsätze im Stadtgebiet gegeben, bis gestern Nachmittag waren es bereits mehr als doppelt so viele.

„Natürlich waren wir vorgewarnt“, sagt Herzog, „doch dann ging es schlagartig los.“ Es war kurz nach 14 Uhr, als sich schon 400 Anrufer binnen einer halben Stunde gemeldet hatten. Viele landeten in der Warteschleife. In ihrer Sorge versuchten einige sogar, per E-Mail Kontakt aufzunehmen.

Leitstelle und Feuerwehr hatten alles verfügbare Personal akquiriert. THW, Rotes Kreuz und Technisches Betriebszentrum halfen. Nicht alle kamen durch. Aus dem Umland war es zeitweise unmöglich, in die Stadt zu gelangen. Und zwei der sieben alarmierten Freiwilligen Feuerwehren – Tarup und Klues – mussten sich den Zugang freischneiden, um ihre Fahrzeuge aus dem Gerätehaus zu befreien. Letztlich waren 170 Helfer für die Stadt im Einsatz. „Die weitläufige Flächenlage mit den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg erforderte eine besonders sorgfältige Koordination“, betont Herzog. 1200 Einsätze gab es insgesamt bis gestern Morgen. Die Schadenshöhe ist noch nicht abzusehen.

Drei sogenannte Erkunder beurteilten als Erste vor Ort, ob es sich um jeweils leichte oder schwere Fälle handelt. Bei Bagatelleinsätzen gab es Wartezeiten von bis zu sieben Stunden.

Krankentransporte wurden weitgehend eingestellt. Doch es gab auch die „normale“ Arbeit, die keinen Aufschub duldete. So mussten in der Schulze-Delitzsch-Straße eine im Auto eingeklemmte Person befreit, vier Brände gelöscht werden. „Zum Glück“, so Herzog, „sprengte die Zahl der Verletzten nicht den üblichen Rahmen.“

Wie berichtet, forderte „Christian“ ein Todesopfer. Ein 85-jähriger Anwohner wurde im Alten Kupfermühlenweg um 15.17 Uhr als Fußgänger von einem schweren Ast getroffen und vom Rettungsdienst medizinisch versorgt; er ist im Krankenhaus verstorben. Ein beteiligter Feuerwehrmann konnte das Geschehen nicht verarbeiten, er wurde von einem Notfallseelsorger betreut. „Einsatzkräfte“, sagt Herzog, „sind auch nur Menschen.“


Weiter auf den Seiten 20 bis 25



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