Stadtteile in Flensburg : „Der Südermarkt ist vernachlässigt“

Das Bürgerforum Südermarkt: Yvonne Braasch (Wein- und Rumhaus Braasch), Anja Funk-Klebe (Kinder- und Jugendtherapeutische Praxis am Südermarkt), Nicolai Altmark (Diakonisches SuchtHilfeZentrum Flensburg), Cordelia Feuerhake (Verschönerungsverein Flensburg), Rudolf Ertmann, Dr. Volker Willandsen (Sprecher des Forums), Stefanie Strahl (Suppenlädchen), Dr. Marcus Friedrich (Pastor St. Nikolai) Walter Braasch (Wein- und Rumhaus Braasch), Philipp Tiegel.
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Das Bürgerforum Südermarkt: Yvonne Braasch (Wein- und Rumhaus Braasch), Anja Funk-Klebe (Kinder- und Jugendtherapeutische Praxis am Südermarkt), Nicolai Altmark (Diakonisches SuchtHilfeZentrum Flensburg), Cordelia Feuerhake (Verschönerungsverein Flensburg), Rudolf Ertmann, Dr. Volker Willandsen (Sprecher des Forums), Stefanie Strahl (Suppenlädchen), Dr. Marcus Friedrich (Pastor St. Nikolai) Walter Braasch (Wein- und Rumhaus Braasch), Philipp Tiegel.

Bürgerforum betont die soziale Bedeutung des Platzes und will städtebauliche Veränderungen durchsetzen

shz.de von
15. Januar 2018, 12:00 Uhr

Seit drei Jahren sind die Stadtteilforen in Flensburg politische Vertretungen der Quartiere. Grund genug für das Tageblatt, zum Jahresbeginn zu fragen, wo im Stadtteil der Schuh drückt. Heute: das Bürgerforum Südermarkt.

Auf den ersten Blick ist der Stadtteil Friesischer Berg recht intakt, es gibt eine gute Infrastruktur. „Was ich gerne weiter vorangebracht hätte, wäre das soziale Miteinander von Jung und Alt zu verbessern“, sagt Renate Thielsen vom inzwischen aufgelösten Forum Friesischer Berg und ergänzt: „Wir haben bewirkt, dass in der ansteigenden Mathildenstraße drei Sitzbänke in Richtung Discounter aufgestellt wurden und die Stadtwerke ihre Stromkästen mit lustigen Motiven bemalt haben.“ Die Fragen werden vom frisch aus der Taufe gehobenen Bürgerforum Südermarkt beantwortet.

Wie würden Sie das Besondere an Ihrem Stadtteil/Viertel beschreiben?
Der Südermarkt ist als größter Platz im Zentrum der Stadt einer seiner Mittelpunkte. Viele Flensburger und Flensburgerinnen betreten ihn und identifizieren Flensburg mit ihm. Das liegt zum einen an seiner Funktion als Umsteigepunkt für den Nahverkehr, das westliche Ende der langen Fußgängerzone, an den Geschäften vor Ort, an dem für die Stadt wichtigen Wochenmarkt, an der großen St. Nikolai-Kirche als christlichem Versammlungsort. Er dient zu jährlichen öffentlichen Veranstaltungen aller Art, zum Beispiel dem Weihnachtsmarkt, politischen oder bestimmten Sport-Events. Er ist durch belebte Straßencafés und die Anziehung der offenen St. Nikolai-Kirche zunehmend auch ein Ort der Entspannung und der touristischen Belebung. Seine Kulisse ist mit seiner historischen Fassade malerisch und besonders. Zudem gibt es am Südermarkt und darum herum auch Wohneinheiten mit Anwohnern. Auch in dieser „hyggeligen“ Mischung liegt sein besonderes Flair. Verwunderlich , dass er trotz seiner Bedeutung städtebaulich vernachlässigt ist. Die Plattform wird seit Jahrzehnten einhellige als „Bausünde“ gesehen. Das könnte sich endlich ändern.

Auf welchem Gebiet hat sich im Stadtteil im Jahr 2017 etwas bewegt?

Die Verwaltung und Politik anerkennt 2017 durch verschiedene Veranstaltungen und Gespräche erstmals die soziale Problematik des Platzes als kommunalpolitisches Handlungsfeld und setzt sich damit auseinander.

Was ist dagegen das größte Thema, das 2017 im Stadtteil liegengeblieben ist?

Nachhaltige Lösungen sind noch nicht sichtbar. Immerhin gibt es Ansätze durch das Schaffen von Sitzgelegenheiten auf der Plattform.

Wie soll es mit diesem Thema weitergehen und wie könnte es vorankommen?

Die vorläufige Umgestaltung des Treppenbereichs (möglichst mit einem umsetzbaren Brunnen) und eine zügige Neugestaltung des gesamten Südermarktes zu einem lebendigen Platz für alle auch außerhalb der Wochenmarkttage halten wir für erstrebenswert.

Welches weitere Thema wollen Sie 2018 anpacken?

Verstärkter Einsatz von Sozialarbeitern und Ordnungskräften, Sicherung der Nahversorgung durch den Wochenmarkt in der Nähe auch während der Adventszeit.

Wir zufrieden sind Sie mit dem Kontakt zwischen Forum und Rathaus?

Diskussionsrunden zwischen der Kirchengemeinde St. Nikolai und anderen Anliegern mit dem Sozial- und Ordnungsamt, der Polizei und Diakonie haben das Rathaus für die Südermarkt-Problematik sensibilisiert, aber noch keine durchgreifenden Ergebnisse gebracht. Immerhin lädt Herr Koll vom Sozialamt zu regelmäßigen Treffen und greift im Rahmen seiner Kompetenzen alle Anregungen auf.


Wie beurteilen Sie das erste Amtsjahr der Oberbürgermeisterin mit Blick auf den Einsatz für Ihren Stadtteil?

Frau Lange ist die erste Amtsinhaberin, die sich – nunmehr mit der zuständigen Dezernentin Frau Schlütter – persönlich der Südermarkt-Problematik stellt.


Was wünscht sich Ihr Stadtteilforum von der neuen Flensburger Ratsversammlung, die im Frühjahr gewählt wird?

Eine zügige und mutige Neugestaltung des Südermarktes, der den Platz mit einem Brunnen voller Bewegung auch außerhalb der Markttage mit Leben füllt und zum Raum aller werden lässt. Dabei muss eine Balance zwischen den Interessen der Bürgerschaft mit ihrer Kaufmannschaft, dem Tourismus und den Anwohnern gefunden werden. Exzessives Trinken und die damit verbundenen bedrohlichen Verhaltensweisen müssen sukzessive vom Platz verschwinden.

9. Welches Thema in Ihrem Stadtteil hätte mehr Aufmerksamkeit verdient?

Die Belästigung und das Unwohlsein der Bürger, Anlieger und Besucher, besonders der Kinder und Älteren, durch die ungelöste soziale Problematik.

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