Salondampfer „Alexandra“ in Flensburg : Der Stolz der Förde-Flotte

Sonntagsausflug an Bord der „Alexandra“. Auf dem Dampfer ist kaum noch ein Platz frei.
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Sonntagsausflug an Bord der „Alexandra“. Auf dem Dampfer ist kaum noch ein Platz frei.

1908 kam der neue Salondampfer „Alexandra“ in den Passagierdienst. Taufpatin war Prinzessin Alexandra-Viktoria.

shz.de von
05. Mai 2015, 08:37 Uhr

Die Flensburger Fördeschifffahrt war ein Erfolgsschlager. 1897 waren die Flensburger und die konkurrierende Sonderburger Reederei zusammengeschlossen worden: Die „Vereinigte Flensburg-Ekensunder und Sonderburger Dampfschiffs-Gesellschaft“ – kurz, die „Vereinigte“ – nahm ihren Betrieb auf.

Der Boss der Flotte und Erfinder der Fördeschifffahrt, Friedrich Mommse Bruhn, will seinen Gästen, vor allem den vermögenderen, eine neue Qualität des Ausflugs bieten – er kreiert den Salondampfer. Die Idee: Das Achterdeck soll mit einem luxuriösen, großen Salon überbaut werden. Der kann den Passagieren den Blick auf die Förde bieten und Schutz vor dem Wind. „Ernst Günther“, in Betrieb seit 1895, ist das erste Exemplar dieser Salondampfer. Nach Beginn des 20. Jahrhunderts befördern die 25 Schiffe der Förde-Flotte etwa eine Million Menschen im Jahr. Das Spitzenjahr ist 1910 mit 50 Abfahrten pro Tag vom Dampfschiffspavillon. Jedes neue Schiff bringt die „Vereinigte“ voran.

Wieder ist aus Flensburg ein Auftrag an die Hamburger Werft Janssen & Schmilinski ergangen. Wieder soll es ein Salondampfer werden, zu konstruieren nach dem Vorbild der legendären „Feodoria“, dem schnellen und schnittigen Dampfer der Fördeflotte.

Im Winter 1907/08 entsteht in Hamburg der Rumpf des neuen Schiffes. Im April 1908 kommt die Taufpatin, Prinzessin Alexandra-Viktoria, auf die Werft und lässt die obligatorische Sektflasche zerschellen. In den Frühjahrsmonaten wurde der Rumpf ausgerüstet. Und im Juli war es soweit. An Bord der „Feodoria“ macht sich eine Flensburger Gesellschaft nach Hamburg auf, um den neuen Dampfer abzuholen – die „Alexandra“. Am 6. Juni 1908 läuft sie über die Toppen geflaggt in den Flensburger Hafen ein. Das Schiff fasst auf See 420, auf der Förde 598 Passagiere. Höchstgeschwindigkeit: 12 Knoten. Mit den herrlichen Linien der eleganten Konstruktion wird die schwimmende Schönheit zum Flaggschiff der Fördeflotte. 1912 kommt noch die neue „Albatros“ in den Bestand.

Mit der Mobilmachung 1914 ist es vorbei mit der Pracht. 20 der inzwischen 26 Schiffe machen sich als Hilfsfahrzeuge der kaiserlichen Marine auf den Weg nach Kiel. Mit den verbliebenen sechs Schiffen wird die „Vereinigte“ während der Kriegsjahre einen Notfahrplan aufrecht erhalten und sehr bescheiden im Mai 1916 ihr 50jähriges Jubiläum feiern. Die Alexandra ist nicht dabei – sie leistet Kriegsdienst. Vier Jahre lang fährt der Fördedampfer nun als Vorpostenschiff oder Scheibenschlepper zwischen Kiel und Apenrade. Dann ist der Krieg überstanden. Aber ein tiefer Riss geht durchs Land: Seit dem 15. Juni 1920 gibt es eine neue deutsch-dänische Grenze. Sie verläuft mitten durch die Flensburger Förde und beendet die Blütezeit der Fördeschifffahrt.

Dann schlägt die Wirtschaftskrise zu. Die gesamte Flotte liegt beschäftigungslos im Innenhafen auf, weitere Kredite werden der „Vereinigten“ nicht gewährt. Ihr Ende scheint unaufhaltsam näher zu kommen, als Geschäftsleute um den Prokuristen Waldemar Nissen die „Flensburger Förde Motorschiffahrtsgesellschaft“ gründen.

1935 ist die „Vereinigte“ nicht mehr zu retten. Flensburger Geschäftsleute sammeln Geld für eine neue Reederei, die am 1. Juni 1935 gegründet wird. Die „Förde-Reederei GmbH“ übernimmt von der „Vereinigten“ den Pavillon, die eigenen Anlegestellen, sowie die Dampfer „Alexandra“, „Albatros“ und „Habicht“. Mit der Fördeschifffahrt geht es wieder aufwärts. Gingen 1932 auf dem absoluten Tiefpunkt nur 1  500 Passagiere an Bord, waren es 1938 bereits wieder 800  000. 1936 wurde das Schiff als Olympia-Regatta-Begleitschiff abgeordnet.

Am 25. August 1938, einem diesigen, warmen Sommerabend, kehrt die „Alexandra“ von einer Sonderfahrt nach Höruphaff heim nach Flensburg – die letzte fröhliche Fördetour für Jahre. Sechs Tage später greift die deutsche Wehrmacht Polen an. Der Zweite Weltkrieg hat begonnen.

Die Schifffahrt auf der Förde kommt danach nur schleppend wieder in Gang. 1952 bringt einen deutlichen Aufschwung: Kollund darf wieder angelaufen werden. In Flensburg spricht sich schnell herum, dass jenseits der Grenze die Butter und andere Leckereien wesentlich billiger zu haben sind. Das Zeitalter der „Butterschifffahrt“ beginnt. 1958 wird aus dem einstigen Flaggschiff der Butterdampfer auf Kollund-Tour, der einst so edle Salon ist Einkaufsladen. 1972 wiederholt sich die Geschichte: Die Alex wird wiederum Regatta-Begleitschiff bei den olympischen Spielen. 1975 wird das Schiff stillgelegt und in einer Ecke des Hafens vertäut. Etwa 20 Dampferfreunde gründen die Aktionsgruppe „Rettet die Alexandra!“ Die Aktivisten haben den Dampfer besetzt und begannen ohne Zustimmung der Reederei mit Aufräumarbeiten. Immer wieder gelingt es, das Schiff vor der Abwrackwerft zu retten. Im September 1982 erkennt das Landesamt für Denkmalpflege das Schiff als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung an, 1986 übergibt die Förde-Reederei das Schiff an den Förderverein. Im Dezember kehrt die Alex aus der Werft nach Flensburg zurück. Tausende erleben das Schauspiel.

Und jetzt, 107 Jahre nach ihrer Indienststellung, wird der Kessel des Museumsschiffes alt. Doch es sieht danach aus, als ob mit der professionell aufgestellten Unterstützung auch dieses Problem erfolgreich gelöst werden kann.

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