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Marode Sportanlagen in Flensburg : Der Sport bleibt auf der Strecke

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Sportanlage an der Westerallee wird zunehmend zu einem Biotop. Auf der maroden Laufbahn findet kein Schul- und Vereinssport mehr statt.

Flensburg | Der Fußballplatz erstrahlt in einem satten Grün. Doch wer einen genauen Blick auf die Sportanlage an der Westerallee wirft, wendet sich mit Grausen. Die Laufbahn hat ihren Namen nicht verdient. Grasbüschel wachsen aus der aufgerissenen Oberfläche, großflächige Löcher werden zu tückischen Stolperfallen, die Tartanbahn – ein einziger Flickenteppich. Nicht viel besser steht die Hochsprunganlage da. Dicht bewachsen und vermoost, ähnelt sie eher einem Biotop, einem Paradies für Insekten, denn einem Areal für Leichtathleten.

„Ein untragbarer Zustand“, befindet Klaus Lobsien, Vorsitzender des Polizei-Sportvereins (PSV), der die Anlage gepachtet hat. Einst, sagt er, habe die Stadt als Eigentümer das Versprechen gegeben, sich trotz klammer Kassen darum zu kümmern. „Doch als vor drei Jahren klar wurde, dass die Oberschicht völlig ausgedünnt war“, so Lobsien, „hieß es, weitere Reparaturen würden sich nicht mehr lohnen.“

Im Frühjahr letzten Jahres gab es dafür die Quittung. Die Vereinsführung ließ den Platz wegen unkalkulierbarer Risiken sperren. Das betraf nicht nur Teile der 1400 Vereinsmitglieder, die sich auf 26 Sparten verteilen, sondern auch viele Schulen, die hier ein und aus gingen: Die benachbarte Falkenbergschule etwa, die dort nun keine Bundesjugendspiele mehr abhalten kann, Schüler des Alten Gymnasiums, der AVS und HLA, die hier ihre Runden drehten und sich auf das Sportabitur vorbereit haben. „Bestimmt 1000 Schüler sind Jahr für Jahr zu uns gekommen“, sagt der 2. Vorsitzende Kurt-Erich Gieseler. „Das können wir nun nicht länger verantworten, es wäre grob fahrlässig.“

Damit nicht genug: Auch die Handballer der SG Flensburg-Handewitt und des DHK, die dort phasenweise ihr Lauf- und Konditionstraining absolvieren und viele Freizeitläufer, die sich zum Teil schon frühmorgens einfinden, sind betroffen. Nicht zuletzt ist nun die Austragung des jährlichen Sportfests des Holländerhofes, zu dem Werkstätten für behinderte Menschen und betreute Einrichtungen aus ganz Schleswig-Holstein anreisen, gefährdet.

Das Trauerspiel erstreckt sich schon über zehn Jahre, jetzt macht sich so etwas wie Resignation bei den PSV-Verantwortlichen breit. Zumal ein Gutachter festgestellt hat, dass nicht nur der Belag, sondern auch der Untergrund erneuert werden müsste. In diesem Zuge, so empfiehlt die Analyse, sollte auch das gesamte Drainage-System ausgetauscht werden, um die Anlage langfristig fit zu machen. Summa summarum könnte eine derart aufwändige Maßnahme mit einer knappen Million Euro zu Buche schlagen. Diese erschreckend hohe Summe ist offenbar auch Ausgangspunkt städtischer Argumente. Man wolle, bevor man eine solche Investition tätige, zunächst die Ergebnisse des Sportentwicklungsplans abwarten, sagte Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf auf Anfrage. Vereine und Verbände müssten zu einer gemeinsamen tragfähigen Zukunftslösung kommen. Es gehe, betont Teschendorf, nicht um eine individuelle Lösung, sondern um „die bestmögliche Versorgung in der Fläche“.

Klaus Lobsien indes ist skeptisch. Er befürchtet, dass man möglicherweise zu dem Ergebnis kommen werde, eine Sportarena reiche aus, um allen Erfordernissen gerecht zu werden. Ihm sei von der zuständigen Behörde bereits beschieden worden, die betroffenen Schüler könnten doch auf das Stadion in Mürwik ausweichen. Das bringt den ehemaligen Schulleiter auf die Palme: „Wie kann man nur“, schimpft er, „mit einer solchen Naivität über Unterricht sprechen!“ Es müssten für Schulen aus dem Nordwesten zwei zusätzliche Stunden für Hin- und Rückfahrt geopfert werden. „Und wer will das alles bezahlen?“ Lobsien macht seinem Ärger auch in der Vereinsheft „Lautsprecher“ Luft: „Hier diskutieren Menschen, die vom Thema Schule überhaupt keine Ahnung haben.“ Eine Stadt dieser Größenordnung, stellt er klar, brauche zwei funktionierende Sportanlagen.

Kurt-Erich Gieseler weist darauf hin, dass der Verein, der als Pächter laut Vetrag nur für die Pflege verantwortlich sei, darüber hinaus viel geleistet habe. Aktuell 50  000 Euro seien in eine Flutlichtanlage, 20  000 Euro in die Errichtung eines Jugendplatzes investiert worden. „Im Schnitt geben wir jährlich 10  000 Euro her“, ergänzt der Vorsitzende. Das sei nicht nur Vermögenszuwachs für die Stadt, sondern zeige auch, wie sehr der Verein sich hier zu Hause fühle.

„Das hier ist Heimat für viele Sportler. Und wir arbeiten ehrenamtlich mit viel Herzblut.“ Man sei bemüht, die Jugendlichen von der Straße und weg vom Bildschirm zu holen – bemüht, Ältere vor Vereinsamung zu bewahren – bemüht, Flüchtlinge zu integrieren. Nun müsse man feststellen, dass jede Unterstützung fehle. Lobsien: „Dann frage ich mich: Wofür machen wir das hier eigentlich?“

 

 

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erstellt am 19.Sep.2015 | 08:30 Uhr

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