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Flensburg und das Schwarzbuch : Der Skandal ums Uni-Dach hatte auch etwas Gutes

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach Kritik des Steuerzahlerbunds: Der Umwelt-Studiengang in Flensburg will mit einem neuem Solardach künftig Geld sparen.

Flensburg | Es war der erste Tag des Wintersemesters – und der Schock traf hunderte neue Studierende buchstäblich aus heiterem Himmel. Es war kurz vor 15 Uhr, als Teile des Aluminiumdachs vom Südflügel des Uni-Hauptgebäudes den Raucherpavillon vor dem Haupteingang unter sich begruben – welch großes Glück und ein Zufall, dass niemand gerade Raucherpause machte.

Seit Dienstag ist die Geschichte des verpfuschten Uni-Dach-Baus und der fahrlässig verschleppten Dachreparatur im Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds nachzulesen: „Erst erkannte man die Baumängel am Dach des Universitätsgebäudes in Flensburg nicht, dann ließ man sich mit ihrer Behebung zu viel Zeit: Am Ende riss ein Orkan Professoren und Studenten das gesamte Dach überm Kopf weg. Schaden: 2,5 Millionen Euro. Zusammen mit zwei vorangegangenen Teilsanierungen wurden für die verpfuschte Dacheindeckung mehr als 2,8 Millionen Euro verschleudert“, so fasst Steuerzahlerpräsident Aloys Altmann in dem Bericht den Flensburger Fall zusammen. Denn das Land ist gegen Sturmschäden nicht versichert. Nacharbeiten acht Jahre nach dem Neubau brachten zu Tage: Die Dachhaut war völlig unzureichend mit der Unterkonstruktion verbunden.

Nun verlangt der Steuerzahlerbund vom Land eine „qualifizierte und engmaschige Bauaufsicht während der Ausführung“. Der Flensburger Landtagsabgeordnete Rasmus Andresen (Grüne) gibt dem Steuerzahlerbund in punkto Controlling und Nachhaltigkeit Recht: „Noch ein wegfliegendes Dach wie an der Universität Flensburg muss verhindert werden“, findet er.

Immerhin haben Mitarbeiter des Studiengangs Energie- und Umweltmanagement das Dachdesaster genutzt, um ressourcenschonende Technologie auf dem Dach zu installieren. Gemeinsam mit Kanzler Frank Kupfer gaben sie den Anstoß zum Einbau einer dachintegrierten Solarstromanlage und einer dickeren Dämmung von 18 Zentimetern: „Nach unseren Berechnungen ist das selbst unter vorsichtigen Annahmen in den nächsten 20 Jahren wirtschaftlich“, sagt Simon Laros, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Klimaforschers Olav Hohmeyer.

Stimmen die Herstellerangaben, dann rechnet Laros in den kommenden 25 Jahren sogar mit 140.000 Euro Kosteneinsparung durch den selbst auf dem neuen Dach erzeugten Strom. Damit würden jährlich 19 Tonnen Kohlendioxid eingespart – eine Menge, die einem Volumen von mehr als 160.000 Umzugskartons entspricht. Die Solaranlage sei gerade installiert und solle dieser Tage ans Netz gehen.
 

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erstellt am 08.Okt.2014 | 08:00 Uhr

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