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Verabschiedung : Der Schulleiter, der Unternehmer wurde

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bernd Börensen steht seit 20 Jahren an der Spitze der Handelslehranstalt – am Donnerstag geht er in den Ruhestand

Er ist ein Flensburger Urgestein und ein ebensolches der hiesigen Schullandschaft. Bernd Börensen wuchs im Sandberg-Viertel und an der Eckenerstraße auf. Am Donnerstag geht er als einer der dienstältesten Schulleiter in den Ruhestand. In den 20 Jahren seit seinem Amtsantritt an der Handelslehranstalt (HLA – Die Wirtschaftsschule) entwickelte sich die Berufsschule mit wirtschaftlichem Schwerpunkt zu einem Regionalen Berufsbildungszentrum mit einer gewissen Eigenständigkeit, mit vielfältigen internationalen Beziehungen und mit 2250 Schülern. Börensens Nachfolger wird Achim Trautmann von den Beruflichen Schulen des Kreises Nordfriesland.

Als er 1994 die Schulleitung übernahm, kannte er die HLA schon – aus der Schülerperspektive. Von 1966 bis 1969 war er im Stammsitz am Schlosswall Berufsschüler; damals lernte er Verlagskaufmann beim Flensburger Tageblatt. Es folgten zwei Jahre beim Bundesgrenzschutz und ein Jahr bei der Westbank in Schleswig. Nach zwei weiteren Jahren der Ausbildung an der Wirtschaftsakademie in Kiel zog es Bernd Börensen auf See. Im Auftrag der Fördereederei-Seetouristik baute er in Ostfriesland eine neue Linie der damals noch lukrativen Butterschifffahrt als Zahlmeister mit auf. Dann wollte der Mittzwanziger gern studieren, doch es fehlte nach wie vor das Abi: Also ging es erstmal an die FH Kiel zum BWL-Studium: „Mit dem Vordiplom hatte ich dann endlich die allgemeine Hochschulreife“, erinnert er sich. Mit dem Diplom-Betriebswirt in der Tasche zog er weiter nach Berlin, um an der Freien Universität Wirtschaftspädagogik, Psychologie und Politik zu studieren.

Als er damit fertig war, war er 32 und hatte eine kleine Tochter, die er lieber im Norden als in Berlin aufwachsen sehen wollte. Also zurück nach Schleswig-Holstein, an die Berufsschule in Husum, wo er zwölf Jahre blieb. „Zwischendurch studierte ich noch an drei Tagen pro Woche in Hamburg Gehörlosen- und Schwerhörigen-Pädagogik“, so Börensen. Hierfür hatte er sehr persönliche Gründe: Börensen hat ein behindertes Kind und hat sich jahrelang als Vater engagiert, zum Beispiel in der Lebenshilfe.

1994 kehrte Börensen dann an die HLA zurück, diesmal als Chef. Da musste er zunächst einmal ein gespaltenes Kollegium einen; es gab damals einen lange währenden Streit zwischen zwei Lehrer-Organisationen. „Das haben wir überwunden, heute haben wir ein sehr gutes Arbeitsklima.“ Börensens Credo: „Wenn die Lehrer sich an der Schule wohl fühlen, wirkt das in die Klasse hinein.“

Vor zehn Jahren wurde die HLA eine Europa-Schule. „Die Zusammenarbeit mit dänischen Schulen begann schon Ende der 90er. Wir haben das Netzwerk der berufsbildenden Schulen in Sønderjylland-Schleswig mit aufgebaut.“ Kontakte hat die HLA heute zu zwölf Schulen europaweit. Nächste Woche startet der neue Ausbildungsgang Europa-Kaufmann. Schüler der HLA haben die Möglichkeit, Praktika im Ausland zu absolvieren; umgekehrt kommen Schüler aus Schweden, Finnland, Slowenien, Holland und England nach Flensburg. Nicht zu vergessen der Austausch mit chinesischen Schulen: Jedes Jahr kommen 25 bis 30 junge Chinesen nach Flensburg.

Ein wichtiger Schritt war die Entwicklung der HLA hin zum Regionalen Berufsbildungszentrum als teilweise selbstständige Anstalt öffentlichen Rechts. „Den Antrag stellte ich schon 2002/2003. Da erlebte ich aber hier im Kollegium mein Waterloo. Nur 16 von 90 Kollegen waren dafür.“ Nach einigen Jahren der Überzeugungsarbeit gab es 2010 dann noch eine Enthaltung, der Rest waren Ja-Stimmen. Heute unterrichten Kollegen der HLA fünf Klassen der Bundeswehr in Fremdsprachen und Informationstechnologie. „Da machen wir Verträge auf eigene Rechnung und lassen uns das bezahlen. Im Gegenzug bezahlen wir dem Land die entsprechenden Lehrerstunden.“ Was übrig bleibt, kommt der Schule zu Gute – zum Beispiel für Fortbildungen, die die Lehrer sonst selbst bezahlen müssten. So wurde der Schulleiter zum Unternehmer.

Börensen, der seit Jahren in Drelsdorf (Nordfriesland) lebt, möchte im Ruhestand mehr Zeit seiner Familie widmen, reisen und weiterhin Bildungspolitik machen: „Ich bin im Vorstand des SPD-Ortsvereins Breklum aktiv“, sagt er mit einem Schmunzeln. Und nicht zuletzt möchte er als Handballer die Mannschaft DHK 5 weiterhin tatkräftig unterstützen.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 07:50 Uhr

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