Mit Video : Der „Schandfleck" von Glücksburg: Was wird aus dem Intermar-Hotel?

Nur noch die 50 Besitzer der Privatwohnungen gehen seit der Hotelschließung 2010 hier ein und aus. Die übrigen Räume liegen brach.
Nur noch die 50 Besitzer der Privatwohnungen gehen seit der Hotelschließung 2010 hier ein und aus. Die übrigen Räume liegen brach.

Das Gebäude zerbröselt. Eine Gruppe von Privateigentümern spricht sich für die touristische Nutzung aus – und hat damit die Stadt auf ihrer Seite.

shz.de von
22. Mai 2015, 19:52 Uhr

Flensburg | Der Haupteigentümer des Intermars in Glücksburg, Herman Densch, übernahm das ehemalige Hotel zum 1. Mai 2011, bekundete jedoch schon 2010, ein Hotel einrichten zu wollen. Seinen Plan hat der Glücksburger bisher nicht umgesetzt. Die schwierigen Eigentumsverhältnisse erschwerten die Verhandlungen, sagte sein Sohn Stefan Densch, der für das Objekt zuständig ist. Das aber sehen die Eigentümer der Appartements anders. Erstmals melden sich einige von ihnen zu Wort.

„Wir sind leicht zu erreichen“, sagt Olaf Plessow, früherer Professor der Fachhochschule Flensburg, und reagiert damit auf den Vorwurf einer schwierigen Kommunikation, den Stefan Densch in einem Interview mit dem Flensburger Tageblatt machte. Zu jeder Sitzung der Gemeinschaft reisten sogar die Eigentümer aus Paris und Stockholm an. „Es ist eher andersherum, Herman Densch hält sich oft im Ausland auf.“

Inzwischen halten das einige der 50 Appartementbesitzer für Teil einer Strategie, mit dem Ziel, die betreibende Intermar-Holding in den Sand zu setzen und das Objekt eines schönen Tages vielleicht sogar abreißen zu können. Eine Möglichkeit, die Stefan Densch, Mitgesellschafter der Holding, durchaus in Betracht zieht, wie er dem sh:z sagte. Das Hin und Her der von Herman Densch vorgestellten Pläne drängt die Eigentümer zu dem Schluss: „Es geht nur um Zeitgewinn“, wie Antje Krieg-Ahlborn es formuliert.

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Eine versuchte Auflistung:

Deutlich vor der offiziellen Übernahme des Objekts veröffentlichte Herman Densch 2010 seine Pläne für ein Hotel und den Verkauf von Wohnungen. Nach dem Kauf des Objekts im Mai 2011 dann führte der Glücksburger die teure Brandschutzsanierung plötzlich gegen die geäußerten Hotelpläne ins Feld (schon 2009 hatten Fachleute per Gutachten die Anpassung der Brandschutzanlagen mit deutlich mehr als 3 Millionen Euro beziffert). Die Stadt Glücksburg hatte 2009 bereits über eine Veränderungssperre entschieden und mehrfach verlängert. Der Bauausschuss wird am 27. Mai über ein weiteres Jahr beschließen.    

Im April 2014 spricht Herman Densch Wolfgang Schäfer zufolge gegenüber der Eigentümergemeinschaft vom Erhalt des Status Quo. Er wolle das Haus renovieren. Das erklärt Densch am 30. April auch so dem Bauausschuss. Am 17. Mai bestätigt Schäfer dem Bauausschuss die Densch-Pläne und die vorgesehene Hotelnutzung.

Im Juli 2014 dann habe Herman Densch die Pläne gegenüber den Miteigentümern über den Haufen geworfen und begründet, ein Hotel sei nicht darstellbar. Eine andere Nutzungsweise wäre nötig. Herman Densch spricht sich dennoch am 12. September mit allen anderen Eigentümern für die Sanierung des Objekts aus. Alles in allem wird die Sanierung mit 11 Millionen Euro veranschlagt. Den Privateigentümern kommen Zweifel: „Es gibt erhebliche Vorbehalte im Kreis der Eigentümer, ob man dieses zweistellige Millionen-Projekt durchführen kann“, sagt Schäfer. Der Gruppe zufolge müsse Densch als Haupteigner mindestens 75 Prozent des Betrags tragen.

Mehrfach kommt es nach Angaben der Privateigner 2014 zu Zahlungsverzögerungen seitens der Intermar-Holding. Die EG befürchtet, am Ende auf den Sanierungskosten sitzen zu bleiben. So sehr die Gruppe sich wünscht, dass nicht künftig von einer geplanten Insolvenz der Intermar-Holding die Rede sein muss, so wenig glaubt sie im Moment daran: „Das Vertrauen in den Vertragspartner ist weg“, sagt Armin Halle.

Die Versammlung am 15. Juni soll nun die endgültige Entscheidung bringen, wie die Gruppe hofft: „Grundsätzlich stehen wir Privateigentümer den Plänen der Holding  positiv gegenüber – wenn sie denn deckungsgleich mit denen Glücksburgs sind.“ Für die Stadt bekräftigt Bürgermeisterin Kristina Franke erst kürzlich: „Wir drängen auf eine Hotelnutzung, unter Wahrung der bestehenden Ferieneigentumswohnungen.“

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