Der SBV gönnt sich etwas Süßes

Die drei mit dem Geschäftsbericht: (von links) Jürgen Möller, Raimund Dankowski und Peer Oberg.
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Die drei mit dem Geschäftsbericht: (von links) Jürgen Möller, Raimund Dankowski und Peer Oberg.

Flensburgs große Wohnungsbau-Genossenschaft wächst weiter - und kauft eine frühere Schokoladenfabrik am Munketoft

shz.de von
25. Mai 2012, 07:03 Uhr

Flensburg | Der Flensburger Selbsthilfe-Bauverein (SBV) baut und wächst - und zwar nicht nur in seiner Kinderstube in Fruerlund, wo bis Ende kommenden Jahres die Neuerfindung des kompletten Quartiers abgeschlossen sein soll. Jüngste Neuerwerbung des größten Flensburger Wohnungsbau-Unternehmens - 6963 eigene Wohnungen (plus 47), 922 verwaltete fremde (plus 110) - ist eine Immobilie aus dem vorletzten Jahrhundert: die ehemalige Schokoladenfabrik, Munketoft 7, schräg gegenüber der Feuerwache, die derzeit noch einen Catering-Service beherbergt. "Wir denken hier über neue Konzepte innerstädtischen Wohnens nach", sagt SBV-Chef Raimund Dankowski. Auch ein behindertengerechtes oder studentisches Bauprojekt sei hier denkbar. Zu dem Komplex gehört noch das Nebengebäude Richtung Bahnhofstraße sowie der große Hof dahinter.

Dass hier am Munketoft einst Süßes produziert wurde, ist heute kaum mehr bekannt. In der Flensburger Denkmal-Topografie ist zu lesen, dass der Maurermeister H. Höft hier 1895 das Gebäude der Dampf-Chocoladen- und Zuckerwarenfabrik Törsleff und Elley errichtete. Auch die Kosmos-Schokoladenwerke GmbH firmierten einst an diesem Standort. In den 30er Jahren war das Haus Arbeitsamt, nach dem Krieg Frauenfachschule. Eines der hier heute noch tätigen Unternehmen zieht im Herbst nach Fruerlund ins Gambrinus-Nachfolgehaus "360 Grad", womit sich für Flensburgs größte Wohnungsbaugenossenschaft SBV ein Kreis schließt.

Im neuen "360 Grad" an der Mürwiker Straße 28 - 30, das Generationen-Treffpunkt werden soll, hat der SBV gestern seinen 65 Genossenschaftsvertretern und Gästen den Geschäftsbericht vorgestellt. Es war die erste Veranstaltung in dem Haus, das neben Bäckerei und Arztpraxis zwei Unternehmen und weitere Gemeinschaftsräume beherbergen soll.

Und die Zahlen, die Dankowski, sein Vorstandskollege Jürgen Möller und Aufsichtsratschef Peer Oberg dort erläuterten, machten den Genossen Freude: Wachstum auf nahezu allen Feldern. "Wir streben nach sicherem, bezahlbarem Wohnraum", erklärte Aufsichtsratschef Oberg. Dass die Zahl der Wohnungen in den vergangenen vier Jahren von 7180 auf 6963 schrumpfte, liege nicht etwa daran, dass die einzelnen Wohnungen immer größer würden. Alleiniger Grund sei der Komplettumbau des Fruerlunder Quartiers: "Das wird dieses Jahr mit dem Abriss der letzten Häuser an der Ostlandstraße abgeschlossen", berichtete Dankowski. Eigentlich sei der Wohnungsbestand konstant. Im neuen Servicehaus Mathildenstraße sei die Zahl der Wohnungen sogar von vorher 50 auf jetzt 80 gestiegen. Überhaupt - die Servicehäuser sind stak nachgefragt: Für die drei Servicehäuser mit zusammen 250 Plätzen stünden fast 1000 Interessierte auf den Wartelisten.

Stark wachstumsträchtig ist indes auch die Mitgliederzahl: 6964 Genossen zählte der SBV zum Jahreswechsel - 5363 davon wohnen auch bei ihrer Genossenschaft. Keine fünf Monate später hat der SBV bereits 7410 Mitglieder, fast 450 mehr. "200 davon sind ausschließlich gekommen, um zu sparen", sagt Dankowski. Die Zielmarke von sieben Millionen Euro zu diesem Zeitpunkt habe der SBV um mehr als 100 Prozent übertroffen. 14,2 Millionen Euro sei der aktuelle Stand der Spareinrichtung. "Wir bekommen jede Woche 200 000 Euro mehr."

Jürgen Möller berichtete aus einer Mitgliederbefragung, die das Hauptthema der Mieter zu Tage brachte: "Wann saniert Ihr bei uns energetisch? Wann können auch wir Energie sparen?" Ende 2013 soll das Neubauprojekt in Fruerlund abgeschlossen sein. Wo genau es danach weitergeht, stehe noch nicht fest. Zwei bis drei Prozent des Bestandes sollen es aber jedes Jahr sein: Tempelhof im Norden, die Rude im Süden, die SBV-Häuser an der Bismarckstraße, Fruerlundholz mit Eider- und Travestraße oder die Mürwiker Straße weiter nördlich. Das könnten Kandidaten für der nächsten Sanierungsschritte in zwei Jahren sein.

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