Der Retter des Kollunder Waldes

Ernst Maria Großheim
Ernst Maria Großheim

Serie Flensburger Köpfe, Teil 4: Ernst Maria Großheim

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02. September 2011, 04:50 Uhr

FLENSBURG | Wer durch den Kollunder Wald an der deutsch-dänischen Grenze wandert, trifft dort auf einen schlichten Granitstein mit der Aufschrift "Zum Andenken an Dr. E. Großheim. 1883". Dieses Denkmal erinnert an den Mediziner und Naturfreund Dr. med. Ernst Maria Großheim, dem es zu verdanken ist, dass die prächtige Hölzung an der Förde nicht - wie vor rund 140 Jahren geplant - von ihren damals privaten Besitzern abgeholzt wurde. Er gründete die wohl erste Bürger initiative Flensburgs, das "Comité zum Ankauf des zur Abholzung bestimmten bewaldeten Terrains in Collund". Die Bürger brachten durch Spenden insgesamt 2000 Taler zum Kauf und damit zur Rettung des Waldes auf; dieselbe Summe steuerten die städtischen Gremien bei. Damit ging ein großer Teil des Kollunder Waldes im Jahre 1879 in das Eigentum der Stadt Flensburg über.

Auf Umwegen gelangte Großheim von der Elbe an die Förde. Er wurde am 19. September 1832 in Torgau als Sohn eines Militärrichters geboren. Sein Medizinstudium schloss er 1859 in Berlin mit der Promotion ab. Militärhandbücher registrieren ihn 1861 als Assistenzarzt beim Rheinischen Kürassier-Regiment. Er nahm auf preußischer Seite als Militärarzt an dem zweiten deutsch-dänischen Krieg 1864 teil und wurde für seinen Einsatz mit der Kriegs-Gedenkmünze ausgezeichnet. 1867 wurde er als Stabs- und Garnisonsarzt nach Sonderburg versetzt.

In Sonderburg erwarb er für seine Familie ein Haus und war damit wahlberechtigter Bürger der Stadt. Er setzte sich für Verbesserung des städtischen Armenwesens ein. 1872 wurde Ernst Maria Großheim nach Flensburg zum Schleswig-Holsteinischen Dragoner-Regiment Nr. 13 versetzt und gleichzeitig zum Oberstabs- und Regimentsarzt befördert. In Flensburg engagierte er sich in besonderer Weise für städtische und bürgerschaftliche Belange. Herausragende Verdienste erwarb er sich mit seinem unermüdlichen Einsatz für den Erhalt des Kollunder Waldes. Als bedeutenden Mitstreiter gewann er den Bürgermeister und späteren Oberbürgermeister Wilhelm Toosbüy, der sich dem Komitee anschloss und sich dessen Ziele zu eigen machte. "Wenn die Erwerbung des Collunder Gehölzes gelingt, so wird dasselbe der Stadt Flensburg zum ewigen Eigenthum mit parkähnlicher Bewirthschaftung übergeben werden und mehr wie seither einen anziehenden Vergnügungsort der Flensburger bilden", heißt es in einem Aufruf des Komitees. Bürger und Stadt trugen zusammen 4000 Taler zusammen, mit denen der Erwerb finanziert wurde. Die Stadt Flensburg blieb auch nach der neuen Grenzziehung 1920 Eigentümerin. Im Jahre 2006 verkaufte sie den Wald unter der Bedingung, dass er weiterhin erhalten und öffentlich zugänglich bleibt, an einen dänischen Forstwirt.

Ernst Maria Großheim gehört auch zu den Gründungsmitgliedern des Flensburger Verschönerungsvereins. Der 1878 gegründete Flensburger Schachclub erlebte unter der Präsidentschaft von Großheim eine erste Blütezeit. Ein Jahr später wurde der Oberstabsarzt außer Dienst vom Kriegerverein zum Ehrenmitglied ernannt.

Nachdem er seinen Militärdienst aus Altersgründen quittiert hatte, praktizierte er als Privatier weiter. Ihm wurde eine besondere Gabe nachgesagt: "Vertrauen zu erwecken und zu erhalten; er konnte seine Patienten gesund sprechen. Deshalb verschrieb er auch wenig Medizin." Er wurde von seinen dankbaren Patienten hoch verehrt; sie nannten ihn "Unser Großheim".

Er starb am 14. Juni 1880 nach langem Leiden in Flensburg und wurde auf dem Mühlenfriedhof bestattet. Seit 1883 erinnert der Gedenkstein im Kollunder Wald an diesen "Mann von Wort und Tat, der uns diese schöne Hölzung erhalten hat", wie die Flensburger Nachrichten einst hervorhoben.

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