zur Navigation springen

Kandidat Mensch des Jahres 2104 : Der Retter des Bücherbusses

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einen von drei Kandidatenplätzen „Mensch des Jahres 2014“ belegt Hans Carsten Jacobsen.

Es sind vier von vielen „Helden des Alltags“ im allerbesten Wortsinne. Jahr für Jahr engagieren sich Bürger aus Flensburg und der Region ehrenamtlich für unser Gemeinwesen. Und gäbe es nicht Initiativen wie diese, das Engagement bliebe verborgen und vielfach ungewürdigt. Seit 2002 zeichnet der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag das herausragende Engagement besonders aktiver und mutiger Menschen aus unserem Land aus. Wer 2014 „Mensch des Jahres“ wird, entscheiden die Leser unserer Zeitung.

„Ein Leben ohne Bücher und ohne Lesen ist für mich unvorstellbar“, sagt Hans Carsten Jacobsen. „Das wäre eine Katastrophe für mich.“ Schon als Kind war er eine Leseratte, im Studium begleiteten ihn vor allem Mathematik- und Physikbücher. Seit der passionierte Pädagoge im Ruhestand ist, kümmert er sich intensiv um Leseförderung und um das Büchereiwesen. Er ist seit 2006 Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbibliothek und rief im April 2013 den Runden Tisch Bücherbus ins Leben.

Dieser Kreis von 16 bis 18 engagierten Menschen hatte sich ein großes Ziel gesetzt: die Rettung der Flensburger Fahrbibliothek. Die stand nach einem Gutachten der Wirtschaftsprüfer Rödl & Partner vom Herbst 2012 zur Disposition. Das Gutachten empfahl, den alten, maroden Bücherbus stillzulegen und das Angebot zu streichen, um auf diese Weise den städtischen Haushalt zu entlasten.

Für Jacobsen ein Unding: „Der Bücherbus versorgt jene Menschen mit Lesestoff, die aus eigener Kraft die Stadtbibliothek nicht erreichen können. Ältere, Schwächere, Menschen mit Behinderungen und vor allem Grundschulkinder.“ Für ihn war klar: Der Bücherbus muss bleiben bzw. ein neuer muss her. Um der Stadt den Entschluss eines Kaufs zu erleichtern, versprach der Runde Tisch, die Neuanschaffung mit 50 000 Euro zu unterstützen. Mit zahlreichen Ideen und kreativen Aktionen trugen Jacobsen und seine Mitstreiter ihr Anliegen in die Öffentlichkeit, erreichten Tausende und sammelten viele Tausender ein. Am Ende waren es nicht 50, sondern 80 000 Euro für den neuen Bücherbus, der im Mai seine erste Tour hatte.

„Ein Beispiel für vorbildliche kommunale Mitgestaltung“ – so nannte Bürgermeister Henning Brüggemann die erfolgreiche Aktion des Runden Tisches. Hans Carsten Jacobsen lobt vor allem den Einsatz seiner Mitstreiter, die mit ihren Ideen ganz wesentlich zum Erfolg beigetragen haben.

Ein ganz anderes und dennoch verwandtes Feld beackert Jacobsen mit seinem Projekt Lesepaten. In fast allen Grundschulen der Stadt und einigen im Umland sind mittlerweile 102 Paten täglich im Einsatz, um Grundschülern beim Lesenlernen zur Seite zu stehen. Für mindestens zwei Stunden gehen diese Ehrenamtler in die Schulen und betreuen Kleingruppen von ein bis drei Schülern. „Genauso wichtig wie die Unterstützung beim Lesen ist die Zuwendung, die diese Kinder auf diese Weise erfahren“, hat Jacobsen festgestellt. Im Gegenzug freuen sich die Paten über die Zuneigung der Kinder. Im nächsten Jahr soll ein weiteres Vorbereitungsseminar für Lesepaten stattfinden, „denn der Bedarf ist noch viel größer“.

Jacobsen, der in den 70er-Jahren die Oberstufe der Kooperativen Gesamtschule Adelby aufbaute und später dort Leiter des Gymnasiums war, hat lange 21 Jahre im Auslandsschuldienst verbracht. In Ecuador, Venezuela und Brasilien war er als Pädagoge aktiv. Und ganz nebenbei engagiert er sich heute auch noch im Seeadlerschutz: Für eine Woche im Jahr tauscht er sein Haus in Mürwik mit einem Wohnwagen in Ratjensdorf bei Plön, um einen Seeadlerhorst zu bewachen und Besucher zu informieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen