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Flensburger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 02:39 Uhr

Extremsport : Der radelnde Apostel aus Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stan Malina hat auf den Spuren des Apostel Paulus’ etliche biblische Stätten in mehreren Ländern des Orients bereist – mit dem Fahrrad

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2013 | 08:00 Uhr

„Es ist ein tolles Fahrzeug für Körper, Geist und Seele“, sagt Stan Malina. In seinem Fall ist es ein nicht mehr ganz junges silbergraues Trekkingrad mit Siebengang-Schaltung und herunter gezogenem Oberrohr, das von bunten Länderwappen geschmückt ist. „Da ist das Fahrrad überall schon gewesen“, sagt er mit bescheidenem Stolz. Deutschland und Dänemark – okay, das kann jeder. Aber Syrien und Libanon, Israel und die Türkei? Mit dem Rad?

Malina beginnt zu erzählen. „2000, 2001 fing es an, da hatte ich eine Lebenskrise, hatte alles verloren.“ Irgendwie musste er zu seinem Arbeitsplatz kommen, der zehn Kilometer von seiner Wohnung entfernt lag. Er kam auf die Idee, ein Fahrrad zu kaufen. Malina fand schnell Geschmack am Tourenradeln mit Gepäck. „Es ist wichtig, ein Ziel zu haben.“ Das liegt bei ihm schon mal mehr als 1000 Kilometer vom Startpunkt entfernt. Seine jüngste Tour führte ihn der Länge nach durch Deutschland: von Garmisch nach Flensburg, 1240 Kilometer. Schlappe zehn Tage brauchte er dafür, die längste Etappe war fast 170 Kilometer lang. Unterstützt und aufgenommen wurde er während der Tour von Menschen der Freikirchlichen Pfingstgemeinde.

Einige Jahre zuvor, „als ich mich mit dem Fahrrad-Virus infiziert hatte“, verknüpfte er seine neue mit der schon vorhandenen Leidenschaft: Gott. Der Spätaussiedler aus Polen ist gläubiger Christ. „Auf dem Fahrrad bete ich zu Gott und rede mit ihm. Das funktioniert gut.“ Bei einem Urlaub in der Türkei kam ihm dann die entscheidende Idee: Er wollte die sieben Gemeinden aus der Offenbarung des Johannes besuchen – mit dem Rad. Sie liegen in der West-Türkei und lassen sich im Rahmen einer Rundtour Smyrna – Smyrna bereisen. Smyrna ist das heutige Izmir. Radwege gab es nicht, aber breite Seitenspuren an den Straßen, erinnert er sich. Das war die Geburt einer verwegenen Idee: Radtouren zu den Stätten der Heiligen Schrift.

„Dann dachte ich an den Apostel Paulus.“ Der war sein halbes Leben im Vorderen Orient und in Südeuropa unterwegs, seine Reisen kann man im Neuen Testament gut nachvollziehen. Damit war für Malina, der auch Theologe ist, das Ziel klar: Mit dem Fahrrad auf den Spuren Paulus’ zu den bekannten Stätten fahren. Ein kühnes Vorhaben, das 2010 zu seiner bisher längsten Reise führte: 1700 Kilometer in der südwestlichen Türkei und auf griechischen Inseln auf den Spuren der dritten apostolischen Reise Paulus’.

„Ein einzigartiges Erlebnis“, sagt Malina rückblickend. Während der Apostel zu Fuß oder mit Esel und Pferd unterwegs war, dürfte er der erste sein, der diese Reisen mit dem Rad nachgefahren ist. Die erste Reise führte vom Geburtsort des Apostels in Tarsus in der heutigen Türkei zum Ort seiner geistigen Geburt – in Damaskus! Mit dem Fahrrad in die Hauptstadt Syriens – was heute nicht möglich ist, war auch vor ein paar Jahren schon „eine absolut wahnsinnige Idee“, erinnert sich Malina. „Ich war schlecht vorbereitet, es war total heiß, und ich bin völlig verbrannt.“ Er hatte keine Kopfbedeckung dabei, „erst im Libanon konnte ich eine Kappe kaufen, die habe ich heute noch.“ Beim Fahren bildete sich eine seltsame weiße Schicht auf seiner Haut: trockenes Salz, nachdem der flüssige Anteil des Schweißes verdunstet war.

Insgesamt hat er sieben Reisen zu biblischen Stätten gemacht und dabei 8000 Kilometer auf seinem Trekkingrad zurücklegt. Davon fuhr er 400 Kilometer auf griechischen Autobahnen – „legal“, wie er betont, „sehr sicher, aber auch sehr langweilig.“ Und – kaum zu glauben – auf all seinen Touren hatte er nur drei Plattfüße! Ganz klar: Er hatte Gott an seiner Seite.

Seit diesen Touren entwickelt er für sich und sein Umfeld ein neues Programm: „The cycling apostolate“, der Fahrrad-Apostel. Stan Malina, dem man seine 65 Jahre nicht ansieht, ist mit dem Fahrrad aus der Krise zurück ins Leben gefahren. Und er fährt immer weiter. Erst vor ein paar Tagen zu einem neuen Rekord: Über 200 Kilometer am Stück, von Puttgarden zurück nach Flensburg. Chapeau!

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