Der Polizist, den die Wale liebten

Dank des Dienstherrn: Lutz Carstensen (li.)  überreichte   Günter Hermann die Entlassungsurkunde.
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Dank des Dienstherrn: Lutz Carstensen (li.) überreichte Günter Hermann die Entlassungsurkunde.

47 Jahre Dienst für die Wasserschutzpolizei: Günter Hermann wurde gestern in den Ruhestand verabschiedet

shz.de von
31. August 2013, 10:49 Uhr

Die Wale liebten ihn. Wann immer sich in den vergangenen Jahren ein größerer Meeressäuger in die Flensburger Förde verirrte – Polizeioberkommissar Günter Hermann hatte zufällig gerade Dienst und Informationen aus erster Hand. Die Wale mögen ihm weiter folgen, aber die Medien, deren Ansprechpartner Günter Hermann über Jahrzehnte war, müssen sich neue Augenzeugen suchen. Die Flensburger Wasserschutzpolizei verabschiedete Günter Hermann gestern in den Ruhestand. Um 16 Uhr endete nach 43 Dienstjahren für den Harrisleer der letzte Arbeitstag.

Natürlich war Freitag, der 30. August, für den 60-Jährigen kein Arbeitstag wie alle anderen. Zum Dienst wurde Hermann von Kollegen in der blau-weißen „Polente“ der Polizei chauffiert. Und Dienst tat er gestern nicht auf einem der Revierboote oder auf der Wache an der Schiffbrücke, sondern unter besonderen Umständen in Wassersleben. Begleitet von einem erheblichen Polizeiaufgebot wurde Günter Hermann im Vereinsheim des Segelsport Flensburg-Harrislee (SSFH) von vielen maritimen Wegbegleitern in den nächsten Lebensabschnitt verabschiedet.

Vom Flensburger Revierführungsbeamten Lutz Carstensen. Natürlich. Der hatte den Dank des Dienstherrn und die Entlassungsurkunde dabei. Oder vom langjährigen Kollegen bei der Bundespolizei, Klaus-Peter Held. Der hat Hermann die Ruhestandserfahrungen voraus. Auch die schmerzliche, plötzlich privat zu sein. Die blaue Uniform. „Du hängst sie heute Abend an die Wand und weißt, Du kannst sie nicht mehr anziehen. Ein Scheißgefühl.“ Oder ganz kurz, die zivile Seite. Jürgen F. Jensen. Die Stimme der maritimen Wirtschaft. „Der Hafen sagt Danke!“ Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, vertreten durch Ortsvertreter Axel Willy Bohn. „Sogar die Zentrale in Bremen“, griente der, „hat an den Sheriff aus Flensburg gedacht!“ Die Lebensretter schickten das Buch ihrer Legende „140 Jahre – 140 Gedanken“. Bemerkenswert. „Die hängen sich mit Präsenten sonst nicht so weit aus dem Fenster.“

Der Auftritt der Kinderschar der Kita Adelby 1 verdeutlicht, dass Günter Hermann ein nicht ganz alltäglicher Polizeibeamter war. Das gesungene Danke und drei Lieder mehr lohnen Hermann den alljährlichen Weihnachtseinsatz beim Einstudieren der christlichen Lieder. Und sagte da nicht jemand (in Abwesenheit der Kleinen) Stöckelschuhe? Jawohl! Günter Hermann ist (und bleibt) Schauspieler der Niederdeutschen Bühne. Das Erfolgsstück „barfoot...“ , das wird an diesem Vormittag deutlich, haben mehr als zwei Kollegen nebst wohlwollenden Ehefrauen gesehen. Die täglichen Kraftübungen auf der Terrasse blieben nicht unbemerkt. Bleibt noch das maritime Engagement. Das Skipper-Sicherheitstraining, die Ausbildung für den Polizei-Nachwuchs, den der passionierte Segler seit 16 Jahren organisiert. Zu guter letzt, das ehrenamtliche Engagement auf der Brücke der Alexandra – das wird bleiben, ja. „Dafür habe ich jetzt mehr Zeit.“ Wie auch seine amtliche Lieblingsgewohnheit. Mittags einmal um den Hafen und zurück. Da wird man ihn treffen. Nur nicht mehr in Uniform. Aber daran gewöhnt sich der Mensch. Dieser letzte Dienst-Tag, er ist an Günter Hermann nicht unbemerkt vorbei gegangen. Die blauen Augen schwimmen ein wenig. Es gibt schlimmere Gründe dafür, als ein emotionaler Blick zurück. „Ich bin einfach gerne zur Arbeit gegangen“, sagt Günter Hermann. „Jeden Tag.“

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