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Der Pirat der Lüfte lernte sein Handwerk in Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1917 kaperten Soldaten vom fliegenden Zeppelin aus ein norwegisches Frachtschiff / Der Anführer wurde an der Marineschule ausgebildet

shz.de von
erstellt am 29.Apr.2017 | 18:48 Uhr

Es war ein ungeheuerlicher Vorgang 1917 in der Elbmündung – im Geschehen des Ersten Weltkrieges. Ein riesiger Zeppelin entdeckt ein Segelschiff mit Kurs West auf dem Meer. Die fliegende Zigarre geht auf 300 Meter Höhe über der Wasseroberfläche, nimmt Kurs über den Dreimaster. Über dem Schiff wird aus der Zeppelingondel die Mannschaft des Seglers per Flüstertüte gefragt, zu welcher Nation das Schiff gehört. Es kommt keine Antwort. Stattdessen die merkwürdige Reaktion: Besatzungsmitglieder lassen die Beiboote zu Wasser und rudern panisch davon. Nach ein paar Manövern eine unfassbare Situation: Über eine Strickleiter klettern Soldaten zum Beiboot herunter und lassen sich zum Schiff rudern. Von da an war der Dreimaster in deutscher Hand – gekapert. An der Spitze dieser Aktion Obersteuermann Ernst Fegert. Seine Enklin Birgit Elisabeth Bliesener hat seine Geschichte aufgeschrieben.

Ernst Fegert wurde 1889 in Heilbronn geboren. Nach dem Besuch der Seefahrtschule in Elsfleth fuhr er als Steuermann bei der Hansa-Linie Bremen zur See. Im Mai 1915 wurde er Infanteriesoldat. Ein gutes Jahr später meldete er sich freiwillig zu den Luftschiffern. An der Marineschule Mürwik wurde das Fundament für seine Ausbildung gelegt.


Hugo Eckener bildete den Marine-Luftschiffer aus


Und bei der Ausbildung auf den Luftschiffen traf Fegert auf den legendären Flensburger Hugo Eckener. 1917 übernahm Kapitänleutnnt Bockholt das Kommando über das Marineluftschiff L 23, Ernst Fegert, den er aus Mürwiker Zeiten kannte, nahm er in die Mannschaft auf. Stationiert wurde L 23 auf der Luftschiffbasis Tondern.


Von Tondern aus zur Patrouille über See


Am 23. April 1917, früh morgens hieß es Leinen los für das Marine-Luftschiff L 23, es wurde Fernaufklärung befohlen. Die 4 Seitenmotoren mit je 240 PS surrten los. Man fuhr an Nordseeküste entlang in einer sicheren Höhe von 3000 Metern. In dieser Höhe konnten feindliche Flugabwehrkanonen keinen Schaden anrichten. Schließlich wurde der Dreimaster gesichtet, Luftschiff L23 ging in den Sinkflug.

Inzwischen war auf dem Luftschiff eine Diskussion entbrannt, auf dem Schiff könnten Waffen geschmuggelt werden. Da könnte man eine Prise machen – also das Schiff kapern – und der Steuermann Fegert bot sich an, das Prisenkommando zu übernehmen und die Bark sicher nach Cuxhaven zu bringen.

Aber der Kommandant Bockholt war noch unentschlossen. Jeder an Bord wollte dabei sein, das Abenteuer wollte sich keiner entgehen lassen.

Der Einsatz von Fegert war klar, weitere Kameraden kamen dazu, dann war Kaleu Bockholt auch einverstanden. Und dann folgte ein Befehl, den die Kaiserliche Marine nie wieder hören sollte: „Steuermann Fegert, übernehmen sie die Prise!"


An der Strickleiter über der Meeresoberfläche


Beim Anflug kam es zur Flucht der Beiboote, doch vor dem riesigen Zeppelin gab es kein Entkommen. An der Strickleiter stieg Ernst Fegert hinunter ins Beiboot, bewaffnet mit einer Signalpistole. An die Soldaten in den beiden Booten erging der Befehl, zurück zur Bark zu rudern und wieder an Bord zu gehen. Die Seeleute wurden unter Deck eingesperrt, um Befreiungsversuchen vorzubeugen. Neuer Kurs: in deutsche Gewässer.

In Cuxhaven wurden die Zeppelin-Soldaten vom Führer der Luftschiffe, Peter Strasser, höchstpersönlich abgeholt.

Natürlich war man stolz auf den Mut und die Leistung, aber Strasser verbot es, weitere Prisen von einem Luftschiff aus zu unternehmen. Er wollte seine Luftschiffe nicht in Gefahr bringen.

Die Soldaten freuten sich aber über eine Beförderung.

 

>In diesem Jahr findet eröffnet am 5. Juni eine Ausstellung zum Einsatz der Zeppeline im Ersten Weltkrieg im Sea War-Museum in Thyborön, Nordjüdland.

http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de/

fegert_einleitung.htm


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