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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 18:57 Uhr

Steinberg : Der Pferdezüchter von Steinberg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Heliodoro Ramos-Arzate ist von den Anglo-Arabern begeistert. Sein Hengst „Haskar de Chapulin“ lebt in Frankreich.

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2017 | 12:47 Uhr

Steinberg | Mit seiner Anglo-Araberzucht ist für Heliodoro Ramos-Arzate so etwas wie ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Seit 1994 züchtet der gebürtige Mexikaner die Tiere und kann viele Erfolge verbuchen. Sein ganzer Stolz, der Hengst „Haskar del Chapulin“, ist seit Kurzem in Frankreich, wo er zur Zucht, aber auch als Vielseitigkeitspferd eingesetzt wird.

„Das ist eine Premiere. Er ist der erste deutsche Anglo-Araber, der von Deutschland aus exportiert wurde“, freut sich der 66-Jährige. Normalerweise hätten deutsche Pferde dieser Art einen schlechten Ruf. „Es ist eigentlich umgekehrt. Die guten Tiere kommen aus Frankreich und England nach Deutschland. Ich wollte zeigen, dass es auch anders geht.“ Mit „Haskar“ habe er erreicht, was er sich immer vorgenommen habe. „Ich wollte sehr edle leistungsbezogene Pferde züchten – und habe sie mit allen Eigenschaften bekommen“, sagt er stolz. Seine Anglo-Araber zeichneten sich durch „Härte, Ausdauer, Schönheit und Intelligenz“ aus. „Haskar“ habe schon viele Auszeichnungen eingeheimst. In Frankreich stehen bald die nächsten Prüfungen an. „Er ist ein tolles Pferd fürs Vielseitigkeitsreiten. Mit Sandra Simons hat er dort eine internationale Reiterin gefunden, die perfekt zu ihm passt.“

Das nötige Know-How zum Züchten hat Ramos-Arzate quasi mit der Muttermilch aufgesogen. „Schon meine Familie hat Rennpferde gezüchtet“, erinnert er sich an seine Kindheit in den mexikanischen Bergen. „Mexikaner und Pferde, das gehört zusammen. Ich habe das im Blut“, sagt der 66-Jährige. Sehr gut erinnert er sich noch heute an seine Araberstute „Chispa“. „Die hat mich für mein späteres Vorhaben geprägt.“

Dass sein Leben aber zunächst ganz andere Wege einschlug, liegt an der Neugierde des Mexikaners. „Ich bin quasi direkt nach dem Abitur nach Deutschland gekommen. Ich wollte immer ins Ausland.“ Ein Brieffreundschaft zu einem Gleichaltrigen im Allgäu habe letztendlich den Ausschlag gegeben. „Wir haben uns so gut verstanden, dass seine Familie mich als Austauschschüler aufgenommen hat.“ Da war er 18 Jahre alt. Weil sein mexikanisches Abitur in Deutschland nicht anerkannt wurde, holte er es nach und absolvierte anschließend in den 70er-Jahren ein Physikstudium in Freiburg. „Eigentlich wollte ich Informatik studieren, aber das war damals noch nicht so verbreitet.“

In Deutschland hatte er sich inzwischen so gut eingelebt, dass er beschlossen hatte, für immer zu bleiben. Doch nach dem Ende seines Studiums machte ihm die Bürokratie einen Strich durch die Rechnung. „Ich wurde aufgefordert, das Land wieder zu verlassen.“ Schweren Herzens ging es für ihn erst einmal nach Mexiko-Stadt. Doch so richtig lange hielt es ihn nicht in seinem Heimatland. Inzwischen hatte er dort seine heutige Frau geheiratet. „Eine echte Angeliterin“, sagt er und lacht. Da es ihr in Mexiko nicht wirklich gefiel, zog das Paar nach München, wo Ramos-Arzate als Informatiker anfing. Zunächst für Philipps, später aber auch für Motorola und Siemens.

„Ich habe mich auf Software und Programmiersprachen spezialisiert. Programmieren war für mich immer eine Kunst“, erzählt der 66-Jährige. Schnell habe er sich in den Unternehmen hochgearbeitet und leitende Positionen innegehabt. „Ich war eigentlich mehr in der Weltgeschichte unterwegs als zu Hause, und Arbeitstage mit 14 Stunden waren Normalität.“ Irgendwann sei es dann einfach an der Zeit gewesen, sich Gedanken über persönliche Ziele zu machen. „Meine Familie war inzwischen ins Elternhaus meiner Frau in Steinberg gezogen, und ich dachte, dass man diesen Hof irgendwie in die Moderne führen muss.“

Schnell war die Idee eines Gestüts geboren. „Die ersten Zuchtstuten habe ich gefunden, als ich ein Projekt in Spanien und Frankreich betreute.“ Nach Feierabend habe er sie sich in Barcelona angeschaut und schließlich auf den Weg nach Steinberg geschickt.

Das war 1994 und Heliodoro Ramos-Azate war aufgrund seines Berufes immer noch nur am Wochenende zu Hause. „Es gab dann nichts Schöneres für mich, als die Allee zum Hof hinunterzufahren und in den Stall zu gehen“, erinnert sich der 66-Jährige. Seit 2014 ist er in Rente und kann sich nun komplett seinen Pferden widmen. Dass er das Züchten nie zu seinem Beruf gemacht hat, bereut er nicht. „Es dauert 20 Jahre, bis man ein gutes Ergebnis erzielt. Wahrscheinlich hätte ich bis dahin von der Zucht nicht leben können.“ Solange er kann, will er sich jetzt auf seine Hengste konzentrieren. Und eines lässt er sich nicht nehmen: „Ich reite so oft wie möglich auf meinen Pferden – wie damals auf Chispa.“

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