Hafen Flensburg : Der perfekte Fischkutter

Äußerlich unverändert: Der 1960 gebaute Kutter darf an Deck nicht verändert werden – unter Deck hat Eigner Jens Fischer Schlafplätze eingerichtet.
Äußerlich unverändert: Der 1960 gebaute Kutter darf an Deck nicht verändert werden – unter Deck hat Eigner Jens Fischer Schlafplätze eingerichtet.

Wie die „Jægerpris“ von Seeland nach Flensburg kam – und was hier aus ihr wurde

shz.de von
11. August 2018, 07:32 Uhr

Der Historische Hafen beherbergt einen Fischkutter, der seine Wurzeln im dänischen Seeland trägt. Wie die „Jægerpris“ ihren Platz an der Förde fand, berichten wir in unserer Sommerserie.

Benannt wurde das Schiff nach Jægerspris, einem Ort nahe Kopenhagen. Lange Zeit wurde der Kutter zum Fischen in Dänemark genutzt – bis 2011: „Ich war auf der Suche nach einem alten Einzylinder-Motor aus einem Fischkutter“, erklärt Jens Fischer, „dann bin ich durch Zufall auf die Jægerpris gestoßen.“ Ein paar Telefonate später war nicht nur ein Motor, sondern ein ganzer Kutter in Besitz eines studierten Schiffsbauers.

In Auftrag gegeben wurde der Bau des Holzschiffs 1960 von einem Vater und Sohn in Jægerspris. Nach Fertigstellung waren sie im Zweigespann im Skagerrak und Kattegat als Schleppnetzfischer unterwegs – ab 1965 mit einem weiteren Sohn. 1972 fand die Jægerpris fast ihr frühes Ende: „Ein Frachter hat den Kutter überfahren“, wurde Jens Fischer überliefert. Zum Glück mussten lediglich Mast und Aufbauten erneuert werden.

Bis 2003 fischten die beiden Brüder mit der Jægerpris. Danach stand die Frage im Raum: verschrotten oder erhalten? Zum Verschrotten lockte damals eine attraktive Abwrackprämie für dänische Kutter. In Frage kam für die Brüder allerdings nur eine Alternative: Die Jægerpris wurde erhalten, die Prämie kassiert – im Gegenzug fuhr das Schiff fortan unter dem Titel „bewahrenswert“. Die Folge: Es durfte ab sofort nicht mehr gewerblich genutzt und äußerlich nicht umgestaltet werden.

Ein Umstand, der Jens Fischer nicht stört: „Ich wollte das Aussehen der Jægerpris sowieso nie verändern. Es ist alles perfekt, so wie es ist.“ Während die Aufbauten bis heute folglich unversehrt geblieben sind, hat Fischer sich über das Innere hergemacht – dort, wo früher die gefangenen Fische gelagert wurden. „Auf dem unteren Deck habe ich sechs feste Schlafplätze eingebaut“, erklärt der 43-Jährige mit dem für das Schiff perfekten Nachnamen.

Neben seiner Tätigkeit als Kapitän des Rundfahrtschiffs „Viking“ investiert er viel Zeit in den Fischkutter. Aktuell saniert er etwa die Aufbauten, setzt neue Holzplatten ein und streicht den Kutter neu an. Und warum kein modernes und schnelles Boot? Fischer meint: „Das Historische hat doch seinen Charme – und zum Abschalten ist es viel entspannter, langsam über das Wasser zu schippern.“ Die Reisegeschwindigkeit beträgt sechs Knoten.

Wenn die Jægerpris mal nicht neben der Viking in Flensburg liegt, ist Fischer gerne mal in Richtung Dänemark unterwegs. In manchen Häfen ist der Kutter noch aus Fischerei-Zeiten bekannt. „Einmal habe ich auf dem Weg nach Göteborg einen Stopp in Skagen gemacht“, erzählt Fischer. Ein anderer Fischer habe ihm zugerufen: „Hey, den Kutter kenne ich doch!“

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