Stadtteilforen in Flensburg : Der Oldtimer unter den Bürgerforen

Forum Engelsby vor der Jugendhütte: (v.l.n.r.) Jost Petersen, Björn Schwitzkowski, Sebastian Hauck, Karin Schnittke.
Forum Engelsby vor der Jugendhütte: (v.l.n.r.) Jost Petersen, Björn Schwitzkowski, Sebastian Hauck, Karin Schnittke.

In Engelsby engagieren sich Bürger schon seit fast 50 Jahren für ihren Stadtteil. Derzeit gibt es keine drängenden Probleme im Viertel.

shz.de von
27. Mai 2015, 14:30 Uhr

Flensburg | In fast allen Stadtteilen gibt es mittlerweile Bürgerforen, die sich um die Belange des Viertels kümmern. Sie müssen von der Stadtverwaltung bei Planungen, die den Stadtteil betreffen, gehört werden. Doch wer ist in den Foren aktiv? Wir stellen die elf Foren in einer Serie vor. Heute: das Bürgerforum Engelsby.

Nein, drängende Probleme stehen im Stadtteil derzeit nicht auf der Tagesordnung. Das liegt wohl auch daran, dass sich das Bürgerforum Engelsby über Jahrzehnte erfolgreich engagiert hat. Es ist mit Gründungsdatum 1970 der Oldtimer unter den Stadtteil-Foren, lieferte durch seine erfolgreiche Arbeit ein Vorbild für engagierte Bürger aus anderen Stadtteilen.

Friedrich Schreiber war Mitbegründer, ist seit Jahrzehnten Engelsbyer und dem Forum nach wie vor eng verbunden. Sein Engagement hat er inzwischen auf die ganze Stadt ausgedehnt, durch seine Arbeit im Flensburger Verschönerungsverein. Schreiber hat die ganze Entwicklung des Stadtteils Engelsby im Blick, wenn er zusammen mit dem heutigen Vorsitzenden des Forums, Jost Petersen, erklärt: Heute ist es ruhig im Viertel. Das bedeutet, die Probleme sind abgearbeitet.

Es begann mit der Gestaltung des Stadtteils in den 1960-er Jahren. Die Wohnungsbau-Gesellschaften stellten Block nach Block auf die früheren Felder. Eine angenehme Ausgestaltung stand nicht auf der Tagesordnung. So begann das Bürgerforum, Spenden zu sammeln und davon Büsche und Bäume zu kaufen. Die Wohnungsbaufirmen fühlten sich angestoßen, in diese Begrünung mit einzusteigen.

Eines war Prinzip in der Stadtteil-Arbeit, betont Friedrich Schreiber: Das Forum sei immer parteipolitisch neutral geblieben. Allerdings hätten auch Ratsmitglieder mitgearbeitet. Ein Zustand, den sich der Vorsitzende Jost Petersen auch heute noch wünscht. Denn der direkte Draht hinein in Planung und Geschehen der Stadt sei wünschenswert, heute aber kaum noch möglich, da die Parteien nur schwierig Direktkandidaten für die Wahlbezirke fänden, schon gar nicht mit Wohnsitz im Viertel. Zweites Prinzip sei der respektvolle Umgang mit Gesprächspartnern. So sei immer ein guter Umgang miteinander gepflegt worden. Und so kam auch einer der größten Erfolge zustande: Als hinter der Schule Engelsby eine der letzten freien Flächen bebaut werden sollte, appellierte das Bürgerforum an die Kommunalpolitik, auf diesen Plan zu verzichten, um die bereits vorhandene, dichte Bebauung nicht noch weiter zu massieren. Die Mitglieder des Finanzausschusses berieten und kam zur Entscheidung, die Fläche zurück zu kaufen, um eine Bebauung zu verhindern. Die Fläche ist heute noch frei.

Engelsby heute? Petersen und Schreiber sind sich einig, dass ein guter Zustand erreicht ist. Engelsby ist ein abgerundeter Stadtteil, seit der Freigabe der Osttangente sei es spürbar ruhiger geworden, die Linie 5 habe die Busanbindung ausgezeichnet verbessert und die Gesellschaften sorgten für einen befriedigenden Zustand der Häuser. Mit deutlichem sozialen Engagement seien die Auseinandersetzungen der Jugendlichen verschiedener Herkunft ausgeräumt worden.

Ohne große akute Probleme konnte sich das Bürgerforum einem anderen Bereich zuwenden, auf die der Vorstand stolz ist: der sozialen Arbeit. Mittelpunkt: die beiden Jugendhütten hinter der Schule Engelsby sowie schräg gegenüber der Kurt-Tucholsky-Schule. Die zweite sei zwar vor kurzem abgebrannt, aber das spreche nicht gegen den Sinn der Arbeit, an dem sich auch der Sozial- und Jugendbereich der Stadt mit Angeboten für Kinder und Jugendlichen beteilige.

Was wünscht sich ein Bürgerforum mit weitgehend geordneten Verhältnissen in seinem Bereich? Jost Petersen hat zwei Wünsche: einen festen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung, der die engagierten Bürger zügig über Planungen und Veränderungen informiere. Dieser Wunsch wurde inzwischen erfüllt. Die Ansprechpartnerin im Rathaus heißt Berit Erichsen. Zweiter Wunsch ist eine bescheidene Summe, mit der das Forum unterstützt werde. Petersen spricht von 1000 bis 2000 Euro pro Jahr.

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