Der „Öko-Panzer“ von der Förde

Schneller Schleicher: Der „Genesis“-Radpanzer bewegt sich lautlos und ist 100 Stundenkilometer schnell.
Schneller Schleicher: Der „Genesis“-Radpanzer bewegt sich lautlos und ist 100 Stundenkilometer schnell.

Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft präsentiert innovatives Hybrid-Fahrzeug auf acht Rädern

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01. Oktober 2020, 17:05 Uhr

Nordstadt | Hybrid heißt das Zauberwort. Bislang erstreckt sich diese Technologie vorrangig auf den zivilen Kraftfahrzeugmarkt. Doch nun hält sie Einzug auf einem völlig neuen Terrain: Der erste Elektro-Panzer der Welt kommt aus Flensburg.

Die in futuristischem Design anrollende Neuentwicklung der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) lässt die Branche aufhorchen. Der erste Radpanzer mit Vollhybrid-Antrieb hört auf den Namen „Genesis“ und wurde jetzt nicht-öffentlich anlässlich eines Symposiums des Förderkreises Deutsches Heer vor hochrangigen Militärs und Politikern als Prototyp auf dem Firmengelände an der Werftstraße präsentiert.

„Die Endversion könnte sich von dem jetzt vorgestellten Modell optisch und technisch noch etwas unterscheiden“, erläutert Projektleiter Christoph Jehn. Eigentlich hätte der „Technologiedemonstrator“ schon im Juni auf der weltgrößten Rüstungsmesse „Eurosatory“ in Paris enthüllt werden sollen. Die aber fiel corona-bedingt ins Wasser.

Die Fachwelt spricht von einem Coup, der dem mittelständischen Unternehmen damit gelungen sei. In etwa zwei Jahren könnte es zu ersten Einsätzen kommen.

Das mit Diesel-elektrischer Energieversorgung ausgestattete Schwergewicht von 40 Tonnen bringt es auf eine Spitzengeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. Lautlos gleitet es auf seinen acht Rädern dahin. Bis zu 13 Mann Besatzung kann der Panzer aufnehmen. Zwei von ihnen sitzen im hochmodernen Cockpit mit Touchscreen-Bildschirmen.

Selbst größere Tauchfahrten sollen – einem U-Boot gleich – möglich sein.

Christoph Jehn berichtet von Anfragen aus der ganzen Welt – aus Italien, Polen oder den USA etwa. Es habe jedoch im Vorfeld weder einen Auftraggeber noch Fördermittel gegeben. Die FFG baut darauf, dass „Genesis“ die Nachfolge bestehender Bundeswehr-Panzer antreten könne. Interessenten finden sich darüber hinaus schon jetzt bei Nato-Partnern wie Norwegen. Künftige Aufträge sollen die enorm hohen Entwicklungskosten in zweistelliger Millionenhöhe kompensieren. 2018 sei man konkret in die Planung eingestiegen, sagt Jehn, es habe einen hohen Abstimmungsaufwand mit Zulieferern gegeben.

Lenken ohne Lenkung – das ist neben dem alternativen Antrieb der Clou der Innovation. Alles wird über die Drehzahl geregelt; jedes einzelne der (starren) Räder kann so individuell gesteuert werden. Das Einsatzgebiet kennt im Prinzip keine Grenzen. Ob Eis oder Wüste – der über acht Meter lange und 3,50 Meter hohe Koloss soll jeder Lage und Temperatur (von minus 44 bis zu 48 Grad Hitze) gewachsen sein. Die FFG, da ist sich Christoph Jehn sicher, hat ein zukunftssicheres Produkt aussichtsreich auf dem Markt platziert. „Dahin geht der weltweite Trend, dafür gibt es millionenschwere Forschungsaufträge“, sagt er. „Und viele sind verblüfft, dass sich ein kleines gallisches Dorf wie Flensburg an so ein Projekt herangetraut hat!“

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