zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 03:28 Uhr

Flensburg : Der Norden wird zur Kunstgalerie

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zahlreiche Künstler öffnen am Wochenende im Kreisgebiet, Flensburg und Eckernförde ihre Ateliers.

Die einen nennen es „Offene Ateliers“, für die anderen ist es viel mehr. Am 10. und 11. Juni zwischen 11 und 18 Uhr öffnen 22 Künstler des Zusammenschlusses „Kunst im Norden“ wieder ihre Ateliers. Oft arbeiten sie dort, wo sie leben. Deshalb geht es um mehr als nur Kunst: Man trifft Menschen in ihrem Lebensumfeld und kommt leicht ins Gespräch. Eine kleine Tour vorab.

Der Raps steht gelb und verbreitet seinen intensiven süßlichen Geruch. Ich habe den richtigen Abzweiger verpasst und kann nicht wenden, weil ein Pferdeanhänger die Gegenfahrbahn versperrt. Das Handy hat kein Netz. Willkommen in Angeln – die Keimzelle der 2009 gegründeten Künstlergemeinschaft. Dank guter Wegbeschreibung von der Homepage lande ich schließlich doch wohlbehalten bei Selma Goebel. Sie ist langjähriges Mitglied von „Kunst im Norden“. Ihr Lebenspartner betreibt im Hof eine Imkerei. Goebel schafft ruhige Bilder aus Sand und Erdpigmenten.

Als Mitinhaberin eines Designbüros in Schwäbisch Gmünd begann die gebürtige Eckernförderin, Kunst zu schaffen – als Ausgleich. Nach 20 Jahren stieg sie aus dem Erwerbsleben aus und lebt jetzt in ziemlicher Abgeschiedenheit in der Nähe des Örtchens Rügge. „Hier ist das Leben nicht so teuer und die Landschaft genial. Künstler haben einen Riecher dafür, wo es schön ist“, sagt sie und weist darauf hin, dass in Rügge vier weitere Künstler in einem Atelier anzutreffen sind: Uschi Bramke, Michael Schulte, Silke Gebauer-Jorzick und Horst Bielenberg. Einige Künstler inspiriert das Wasser, so zum Beispiel Susanne Cleemann, die auf der Halbinsel Holnis in Schausende wohnt. Das häufige Glitzern um sie herum regt sie zu Bildern mit Goldfarbe an.

Wolf Lützen, neu bei „Kunst im Norden“, bezieht von Bauern große Granitsteine. Aus ihnen meißelt der gelernte Kunstpädagoge, der in Berlin als Hörfunkredakteur gearbeitet hat, Köpfe. Das frühere Haus seines Großvaters in Mohrkirch sucht er gerne zum Arbeiten auf. Selbst angerührte Eitempera-Farben und eine Prise Realismus prägen seine Malerei.

Den Traum vom Leben auf dem Lande lebt Jutta Bollmann in Weesries. Im Februar wurde sie nach einem Vorstellungstermin in die Künstlergemeinschaft aufgenommen. Malen von Landschaften, Porträts und anderem Gegenständlichen ist für sie ein Hobby, das nach dem Berufsleben mehr zu werden verspricht. Im Nachbargebäude betreibt sie mit einer Kollegin ein Geschäft für Wolle und Kleidung.

Beim spontanen Besuch sind Bollmanns Hände nicht voll Farbe, sondern von Erde gefärbt. 3000 Quadratmeter groß ist ihr Garten mit vielen Blumen und Gemüse, weiter Blick. Manchmal spielt sie mit dem Gedanken, sich aus Gründen der Arbeitserleichterung „zu verkleinern“.

Für Andrea Gose aus Gulde ist das bereits beschlossene Sache. „Aus gesundheitlichen Gründen“ ist ihr 5000 Quadratmeter großes Grundstück mit charmant verwinkeltem Haus und großer Scheune zu verkaufen. An den Ateliertagen 2017 nimmt die Holzbildhauerin dennoch teil. Wegen des bevorstehenden Umzugs bietet sie ihre Werke zu Sonderpreisen an. Bei Gose fanden bisher die Tage der Künste statt – neben den offenen Ateliers der andere große Auftritt der Gruppe. Dieses Jahr werden die Tage der Künste im September im Haus der Kulturstiftung Schleswig-Flensburg in Schleswig veranstaltet. „Das Kind muss laufen lernen“, sagt Gose und freut sich, dass es das offensichtlich auch tut.

„Die freiwillige Feuerwehr und viele andere auf dem Land haben Nachwuchssorgen. Bei uns stellen sich genügend neue Teilnehmer vor.“ Eine eigene Broschüre wurde angefertigt, um die Neuen zu präsentieren. Unter ihnen ist der Aquarellmaler Jan Günter aus Flensburg. Er malt hauptberuflich und ist seit 35 Jahren im Geschäft. „Ich finde das Konzept, gemeinsam füreinander Werbung zu machen, schön“, sagt er über das Netzwerk. Das Atelier am Flensburger Holm, in dem er arbeitet, öffnet ebenfalls am 10. und 11. Juni. Weitere Aussteller in Flensburg sind Ute Schwambach und Inge von Krottnaurer. Neben Flensburg lohnt ein Besuch auf der Carlshöhe in Eckernförde. Auf dem ehemaligen Militärgelände befinden sich Künstlerateliers. Dort gibt es Fotografie von Sabine Stanjek sowie Malerei von Marina Birkert und Zaher Bille zu sehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen