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Wachwechsel in Flensburg : Der neue Chef kam mit Verspätung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verhindert wegen Auslandseinsatz: Flottillenadmiral Kay-Achim Schönbach übernimmt Kommando an der Marineschule Mürwik

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 09:51 Uhr

Flensburg | Für diesen feierlichen Termin war eigentlich ein schöner Tag im August vorgesehen. Eigentlich sollte Kay-Achim Schönbach schon am 29.8. letzten Jahres Carsten Stawitzki als Kommandeur der Marineschule Mürwik ablösen. Aber zu diesem Zeitpunkt befand sich Schönbach an Bord seines Flaggschiffs „Karlsruhe“ als Kommandierender des ständigen Einsatzverbandes der Nato im Mittelmeer. Der Wechsel auf den attraktiven Landposten musste warten. Gestern nun konnte der Flottillenadmiral endlich das Ruder von seinem Stellvertreter, Kapitän Stephan Annighöfer übernehmen. Kalter Wind statt Augustsonne. Die angetretenen Soldaten und Zivilbediensteten mussten bibbern, die zahlreichen Ehrengäste konnten immerhin auf warme Decken zurückgreifen.

Sie dürften ihr Kommen trotzdem nicht bereut haben, denn sowohl der neue Kommandeur als auch Flottillenadmiral Rainer Endres vom Marinekommando in Rostock setzten in ihren Beiträgen Akzente. Angesichts „erschreckend unberechenbarer Zeiten“ (Endres) galten die der Sicherheitslage, mit Herz und Leidenschaft aber besonders der Gorch Fock. Die Entscheidung der Verteidigungsministerin, das deutsche Segelschulschiff Instand setzen zu lassen, hat bei der Marine für hörbares Aufatmen gesorgt. „Unsere Gorch Fock“, so der Rostocker Abteilungsleiter für Organisation, Personal und Ausbildung, „ist ein nationales Symbol.“ Aber mehr als das sei das Segelschulschiff für die Ausbildung des Offiziersnachwuchses unverzichtbarer denn je. „Sie ist“, so Endres, „ganz aktueller, rational begründeter Bedarf.“ Wer glaubt, die Dreimast-Bark passe nicht in Zeiten hochgradig komplexer computergesteuerter Waffensysteme, erliegt einem Irrglauben, führte Endres aus. Die wesentliche Aufgabe eines Marineoffiziers sei es nicht in abgedunkelten Operationszentralen Computerspiele mit anderen Mitteln zu betreiben, die größte Herausforderung für den Seeoffizier seit jeher und immer noch sei die Führung seiner Besatzung unter den rauen, potenziell lebensgefährlichen Bedingungen auf See. Für diese Erfahrung gebe es kein geeigneteres Mittel.

Für die Marine war von der Leyens Zusage nach monatelanger emotionaler Achterbahnfahrt Anlass zu großer Erleichterung. Dem dürfte die Abordnung des Großseglers zugestimmt haben, die unter ihrem Kapitän Nils Brandt nach Flensburg gekommen war. Obwohl die Gorch Fock in Kiel stationiert ist, ist sie der Marineschule Mürwik unterstellt.

Ihrem neuen Chef dürfte das den Wechsel an die Alma Mater der deutschen Seeoffiziere zusätzlich versüßt haben. „Eine deutsche Marine ohne einen Großsegler mit dem Namen Gorch Fock“, bekannte Schönbach, „kann ich mir nicht vorstellen.“ Für den 51-Jährigen erfüllt sich mit dem Wechsel vom Geschwaderführer auf die „Brücke“ der Marineschule ein Traum. Immer wieder habe er die Marineschule als Verwendungswunsch angegeben – „aber man hat mich schlichtweg nicht gelassen!“

Der neue Kommandeur übernimmt einen wachsenden Dienstposten. Die im Sommer antretende Crew 2017 werde 300 Männer und Frauen groß sein, kündigte Endres an. 20 Prozent mehr als in den Jahren zuvor und angesichts der neuen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen und Trendwenden keine Eintagsfliege. Für diese Dauerlast sei die Schule aber strukturell nicht ausgelegt. Auf Schönbach kommt die Quadratur des Kreises zu.

Er tritt seinen Dienst mit einer klaren soldatischen Ansage an. Er habe seine Dienstzeit als Kommandant, später als Kommandeur eines Kampfschiffgeschwaders unter das Motto „Tradition, Strenge, Kampf“ gestellt. Das korrespondiert mit Schönbachs Überzeugung, dass es nicht möglich sei, bei aller

Modernität und allem Technikvertrauen alles, was an Ausbildung und Übung nötig ist, in immer kürzere, arbeitnehmerfreundliche Zeiterfassungen zu packen. „Letztlich müssen wir eingestehen: die See und nicht auszuschließende Konflikte in der Zukunft verzeihen nicht.“

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