Flensburg : Der Neue am Alten Gym

Sein Knie verhinderte die Handball-Karriere: Jetzt ist Christoph Kindl Chef des Alten Gymnasiums.
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Sein Knie verhinderte die Handball-Karriere: Jetzt ist Christoph Kindl Chef des Alten Gymnasiums.

Der Niedersachse Christoph Kindl hat sich im Urlaub ins Gymnasium auf dem Museumsberg verguckt – jetzt leitet er die Schule

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25. Juni 2014, 19:00 Uhr

Vor neun oder zehn Jahren standen Christoph Kindl und seine Frau schon einmal vor dem imposanten Alten Gymnasium. Da waren die beiden noch Hessen. Und verbrachten ihren Urlaub in Flensburg. Schon damals, vor neun oder zehn Jahren, schätzt Kindl, sei in ihm der Wunsch gekeimt, eines Tages an dieser Schule zu arbeiten. Einem Zufall schreibt der gebürtige Niedersachse aus Verden an der Aller zu, dass er die Ausschreibung für die Schulleiter-Position unlängst im Netz entdeckt habe.

Seine Recherchen im Internet haben sein Gefühl bestätigt: „Da habe ich mich irgendwie wiedergefunden“, sagt er über die Ausrichtung der Schule und nennt das Zentrum für Deutsch als Zweitsprache und die Kooperation mit der SG Flensburg-Handewitt als Beispiele. „Es hat meiner Ausbildungsschule mit altsprachlichem Profil entsprochen“, erklärt der Lehrer für Englisch sowie Wirtschaft und Politik seine Vorliebe. Kindl beschreibt sich als Menschen, der zwischen Moderne und Tradition viel Raum zur Gestaltung sieht. Und: „Ich bin ehemaliger Handball-Leistungssportler – dadurch sind mir Kiel und Flensburg ein Begriff“, sagt er. Die Entscheidung habe allerdings die gesamte Familie getroffen. Seine Kinder, Charlotte (9) und Niklas (5), habe insbesondere die Aussicht, ans Meer zu ziehen, sofort überzeugt.

Seit April leitet der 41-Jährige tatsächlich seine Wunsch-Schule. Er habe gehofft, dass alle Dinge, die er herausgefunden habe, mit der Wirklichkeit übereinstimmen – und siehe da, Kindl wirkt angekommen, fühlt sich „nett aufgenommen“. Das mag auch daran liegen, dass er auf Humor als Instrument setzt und alles andere als rechthaberisch wirkt, sondern seinerseits lernwillig. Jeder Tag ergänze ein Teil zum Puzzle, sagt Kindl.

Unumwunden gibt er zu: Er habe keinen schulrechtlichen Hintergrund. Auch die Sicherheit, dass er sich auf eine erfahrene Schulleitung – Stellvertreter ist wieder Bernd Henkel – verlassen kann, habe ihm die Bewerbung erleichtert. Eigene Erfahrungen dürfte Christoph Kindl indes zuletzt als stellvertretender Direktor an der Albert-Schweitzer-Schule, einem Oberstufengymnasium im hessischen Hofgeismar, gesammelt haben. Sein Ziel am Alten Gymnasium sei, dass sich ausdrücklich jeder hier wohl fühle und das Gefühl habe, an einer guten Schule zu unterrichten, zu arbeiten, zu lernen.

Schule ist ihm einfach in die Wiege gelegt: „Opa, Vater, Mutter, Bruder“ – seine Aufzählung von Lehrern in der Familie findet kein Ende. Seine Eltern zitiert er amüsiert mit dem Satz: „Das Einzige, was Du kannst, ist schnacken.“ So blieben Politiker oder Lehrer als berufliche Optionen. Studiert habe er in Göttingen, sein Referendariat in Kassel absolviert. Zehn Jahre sei er von Göttingen nach Hofgeismar gependelt, erinnert sich Kindl. Das passiert ihm nicht noch einmal. Gerade hat Kindl in der Nachbarschaft der Schule ein Haus für sich und seine Familie gefunden. Angekommen.

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