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Flensburger Stadtpark : Der mysteriöse Spielplatz-Kontrolleur

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Tagesmutter Jasmin Hermanns wurde auf einem Spielplatz gefragt, ob sie den Ort gewerblich nutze - von einem Mann in Ordnungsamt-Kleidung.

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erstellt am 19.Jul.2013 | 12:32 Uhr

Flensburg | Es war einer jener seltenen, flirrend heißen Sommertage - doch die kalte Dusche ließ nicht lange auf sich warten. Ganz anders allerdings, als es sich Jasmin Hermanns vorgestellt hatte.
Die im Auftrag der Stadt tätige Tagesmutter hat es sich am Montag vor einer Woche mit ihren fünf Schützlingen auf dem Spielplatz am Stadtpark gemütlich eingerichtet. Ein Picknick als zweites Frühstück, die Kinder plantschen munter an der Wassersäule. Wie sooft schon. "Bei gutem Wetter verbringen wir manchmal den ganzen Tag hier", sagt die 25-Jährige. Es ist morgens kurz nach 8.30 Uhr, als sie von einem Unbekannten angesprochen wird. Eine Begegnung, die Rätsel aufgibt.

"Ich war völlig perplex"

Jasmin Hermanns fühlt sich beobachtet. Der etwa 45-Jährige inspiziert mit einer Kollegin ganz offensichtlich den Park. Beide tragen das gleiche, hellblaue Hemd. Er mit Gürteltasche und einem mobilen Drucker ausgestattet. Hüter des ruhenden Verkehrs? Ein Auto parkt auf dem Gehweg. Ein Ticket ist die Quittung. Schließlich geht der mutmaßliche Ordnungsamt-Mitarbeiter auf die junge Frau zu. Ob sie denn hier gewerblich oder privat unterwegs sei, lautet die erste Frage. Ob das alles ihre eigenen Kinder seien, oder ob sie eine berufliche Tätigkeit damit verbinde? Ob das hier eine Veranstaltung sei?
Jasmin Hermanns glaubt nicht richtig gehört zu haben. "Ich war völlig perplex." Dennoch gibt sie bereitwillig Auskunft. Zunächst. Ja, sie sei bei der Stadt als Tagesmutter registriert, antwortet sie dem Mann, der sich im Verlauf des gesamten Gesprächs nicht einmal vorstellt. "Knuths Bärenhöhle", so der Name ihrer Kindertagespflegestelle.

Man achte darauf, dass sich größere Gruppen fern hielten

Worauf er denn hinauswolle, möchte sie wissen. Man achte darauf, so die Antwort, dass sich größere Gruppen, Schulklassen etwa, von Spielplätzen fern hielten. Dreck, Lärm, und so weiter... Eltern hätten sich bereits beschwert. Seine Kollegin, rote Haare, kurz geschnitten, hält sich derweil im Hintergrund.
Jasmin Hermanns versteht nicht, was dieser Auftritt zu bedeuten, was das alles mit ihr zu tun hat. Die ihr anvertrauten Kinder sind im besten Spielplatz-Alter, zwischen eins und vier. "Und ein Spielplatz ist zum Spielen da", findet die sozialpädagogische Assistentin - für Kinder bis zu 14 Jahren, wie es die Verordnung vorsieht.
Sie geht auf Distanz. "Ich fühlte mich irgendwie überrumpelt", sagt sie. Der Mann habe ihr das Gefühl gegeben, sie sei hier nicht erwünscht. "Aber ich lasse mir die Anwesenheit auf einem öffentlichen Platz doch nicht verbieten."

Stadtsprecher: "Wir haben dafür keine Erklärung"

Die Version der jungen Flensburgerin kann von der Stadt nicht nachvollzogen werden. "Wir haben dafür keine Erklärung", wundert sich Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. Ob jemand sich privat oder beruflich auf einem Spielplatz aufhalte, gehe niemanden etwas an. Im Übrigen werde die Tätigkeit als Tagesmutter nicht als gewerbliche Tätigkeit angesehen. Die Überwachung des ruhenden Verkehrs erstrecke sich mitnichten auf Spielplätze. Es gebe zudem keine Anweisung für derartige Kontrollen. Allerdings: "Sollten größere Jugendgruppen sich so gebärden, dass der Platz Schaden anzunehmen droht", sagt Teschendorf, "greifen wir natürlich ein."
Ergo: Besagten Mann gibt es nicht. Zumindest nicht beim Ordnungsamt. War es ein gut getarnter Kontroll-Freak? Ein überdrehter Ordnungshüter? Fragen, auf die niemand eine Antwort weiß - bis jetzt.

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