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Barrierefreies Rathaus in Flensburg : Der mühsame Weg zur Sitzung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt will behinderten Menschen bessere Bedingungen zum Besuch öffentlicher Sitzungen ermöglichen

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2017 | 07:32 Uhr

Grundsätzlich herrscht Einigkeit unter den Fraktionen der Ratsversammlung: Die öffentlichen Sitzungen des Rates und seiner Ausschüsse sollen auch für Behinderte gut erreichbar sein. Dieses Ziel soll jetzt angepackt werden. Wertvolle Hinweise sind von Menschen eingegangen, die einen geschulten Blick für die Probleme haben. Jetzt sind noch einige Beratungen geplant, dann muss gehandelt und investiert werden.

Der SPD-Ratsherr Gerhard Schmitz ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Eine erste Lösung war die Installation von Lift und Rampe, womit Schmitz zumindest der Weg in den Ratssaal eröffnet war. Dort sitzt er oben in der hintersten Reihe. Eine Chance, die Kollegen an den Tischen des Ratssaales oder auch das Rednerpult über den abgestuften Fußboden zu erreichen, gibt es für Schmitz nicht. Der Ratssaal ist in einer Übersicht auch als Problembereich benannt.

Die generelle Einigkeit zu dem Thema hatte sich bereits in einer Sitzung des Hauptausschusses ergeben. In die jüngste Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses hatten die Grünen einen Antrag eingebracht, der wegen weiterer Beratungen noch einmal zurückgezogen wurde. Die weiteren Beratungen sollen jetzt schnell erfolgen.

Wo kann es im Rathaus schwierig werden für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit? Fachleute wurden gebeten, Räume und Zugänge unter die Lupe zu nehmen. So der städtische Behindertenbeauftragte Christian Eckert. So stellt er für den Eingang der Ratsmitglieder fest: Lift vorhanden, aber die Position lasse sich noch optimieren. Erhebliche Veränderungen müssen (nicht zuletzt durch den nachgerückten Ratsherrn Schmitz) im Ratssaal vorgenommen werden. Momentan sei die Situation für Rollstuhlfahrer „suboptimal“. Bauliche Veränderungen wären umfangreich und kompliziert.

Eine schlechte Bewertung erhält der Gäste-Eingang des Ratssaals: „Rollstuhlfahrer kommen hier absolut gar nicht hinein.“ Hinderliche Türkanten im Fußboden, zu schmale Türen und fehlende Handläufe füllen die Aufzählung des Behindertenbeauftragten. Auch automatische Türöffner könnten manchen Zugang erleichtern.

Nicht zuletzt Eckehard Kordts vom Seniorenbeirat beschäftigt sich mit der Zugänglichkeit der öffentlichen Räume im Rathaus. So gebe es als Zugang zur Bürgerhalle zwar eine Rampe. Aber es fehle ein Hinweis darauf, wo der Betroffene sie finden könne. Auch sei im Bereich Haupteingang kein Hinweis auf den Fahrstuhl im Südflügel des Rathauses zu finden. Sehr deutlich lenkt Kordts die Aufmerksamkeit auf mögliche Erleichterungen für Sehbehinderte: Am Eingang Neumarkt fehle außen ein deutlicheres Hinweisschild auf den Türöffner.

„Allgemein ist uns aufgefallen, dass die Hinweisschilder im Rathaus sehr klein ausfallen. Sie müssten wesentlich größer sein, um nicht nur Behinderten, sondern allen Besuchern das „Suchen“ im Haus zu erleichtern.

Die Grünen verweisen darauf, dass Beratungen in den Ausschüssen mit Ortsbesichtigungen verbunden sein können. Vorschlag: Über solche Ausnahmen, die nicht zum Regelfall werden dürften, entscheide der Ältestenrat unter Einbeziehung des Beauftragten für Menschen mit Behinderung. Und: Findet eine Sitzung ausnahmsweise an einem eingeschränkt erreichbaren Ort statt, solle darauf in der Einladung hingewiesen werden. 

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