Flensburg : Der Mordprozess Mert Can verzögert sich erneut

Der Mordfall hat ganz Flensburg erschüttert: Der 20-Jährige Mert Can wurde am Ostersonntag nach einem Partyabend getötet. Offenbar ging dem Mord eine längere Fehde voraus. 
Großes Interesse beim Prozessauftakt im September 2017: Über 80 Menschen drängten ins Landgericht – plädiert wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit. /Archiv

Da die Gutachterin erkrankt ist, wird das Urteil erst am 28. März erwartet.

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23. Februar 2018, 08:17 Uhr

Flensburg | Der Mordprozess wegen des gewaltsamen Todes von Mert Can Altunbas kommt wegen der Erkrankung einer Sachverständigen langsamer voran als erwartet. Weil der ursprüngliche Zeitplan nicht mehr einzuhalten ist, hat die Große Jugendkammer die ursprünglich für Mittwoch, 21. März, vorgesehene Urteilsverkündung auf Mittwoch, 28. März, 9.15 Uhr verschoben, teilte das Landgericht am Donnerstag mit.

Der Mordfall hat ganz Flensburg erschüttert: Der 20-Jährige Mert Can wurde am Ostersonntag nach einem Partyabend getötet. Offenbar ging dem Mord eine längere Fehde voraus.

Wie berichtet wurde die Hauptverhandlung wegen schutzwürdiger Interessen der beiden Angeklagten I. und R. ab Erstellung der Gutachten unter Ausschluss der Öffentlichkeit weitergeführt. Die Nichtöffentlichkeit wird aus denselben Gründen auch während der sechs Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage aufrechterhalten.

Plädoyer der Anklage vertagt

Eigentlich sollte am Donnerstag Staatsanwalt Jochen Berns mit dem Plädoyer der Anklage beginnen. Wegen der Erkrankung einer Sachverständigen wurde dieser Termin aber aufgehoben. Am Mittwoch hatten die beiden Mitarbeiterinnen der Jugendgerichtshilfe, die das Verfahren seit Beginn am 25. September begleiten, ihre Stellungnahmen abgegeben. Beide sprachen sich dafür aus, dass für die Angeklagten das Jugendstrafrecht angewendet werden sollte. Nach Jugendstrafrecht käme für Mord eine Höchststrafe von zehn Jahren in Betracht, nach Erwachsenenstrafrecht wären es 15 Jahre. Die beiden Angeklagten waren zur Tatzeit am frühen Ostersonntag vergangenen Jahres ebenso wie das Opfer 20 Jahre alt.

Die Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig

Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage wegen Mordes aus niederen Beweggründen erhoben. Beide Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig, die mit einem Butterflymesser begangene Tat ausgeführt zu haben, detaillierte Einlassungen zum Tatgeschehen haben beide nicht gemacht, lediglich ihre Strafverteidiger haben kürzere Einlassungen verlesen.

Die Verteidiger des Hauptbeschuldigten I. hatten am Mittwoch zudem noch zwei Beweisanträge gestellt. Hintergrund dafür dürfte die stark belastende Aussage des Zeugen T. sein, der überraschend ausgesagt hatte, dass I. ihm gegenüber zwei Mal bestätigt habe, für die zwei tödlichen Messerstiche verantwortlich zu sein. Die Verteidigung will ein Glaubwürdigkeitsgutachten erreichen, außerdem dazu einen mit der Sache befassten Gerichtshelfer als Zeugen vernehmen.

Letzterem hat die Kammer bereits zugestimmt. Ob noch ein Gutachten erstellt werden soll, wird nach Angaben von Landgerichtssprecher Stefan Wolf wohl zu Beginn des nächsten Gerichtstages am Dienstag, 27. Februar, 8.45 Uhr, bekanntgegeben. Am Dienstag soll auch die Staatsanwaltschaft plädieren.

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