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Neue Ausstellung : Der Meister des maritimen Grau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lars Möller zeigt bei Messerschmidt neue Bilder „Vom Wasser“ – Küsten, Wellen, Steine, Nebel in großen und kleinen Formaten.

shz.de von
erstellt am 01.Mai.2016 | 13:00 Uhr

Flensburg | Man riecht das Meer, man hört es rauschen, fast spürt man die Gischt auf der Haut, wenn man vor dem großen Bild steht. Es dominiert den Raum stark, dabei ist es extrem reduziert: Es zeigt einen winzigen Ausschnitt des Meeres, und sonst nichts: keine Küste, kein Schiff, kein Lebewesen. Nur Wasser. Und doch entfaltet es eine intensive Wirkung, weil es das Meer und die Wellen so zeigt, wie sie wirklich sind.

„Vom Wasser“ hat Lars Möller seine Auswahl an Bildern genannt, die er noch bis zum 14. Mai in der Kunsthandlung Messerschmidt zeigt, die passenderweise direkt am Hafen liegt. Es sind fast ausschließlich Bilder in Öl, und der Hamburger Künstler war damit sehr großzügig. Er hat im wahrsten Sinne des Wortes dick aufgetragen. So dick, dass das Öl teilweise über den Rahmen hinaus reicht. Da quillt ein Rapsfeld knallgelb aus dem Bild heraus, und bei einem anderen Gemälde ragt eine Haiflosse aus Öl in den Raum hinein.

Möller gehört zu der Künstlergruppe der Norddeutschen Realisten, ist regelmäßig im Norden unterwegs und hat schön häufiger bei Messerschmidt ausgestellt. Diesmal hat er sich ganz auf das Thema Wasser konzentriert, fast alle Bilder sind aus dem letzten oder sogar aus diesem Jahr. Möller schafft es hier immer wieder, die Atmosphäre an einem ganz normalen Tag an der Küste so einzufangen, wie er wirklich ist. Nämlich oft grau und verhangen, vielleicht mit einem kleinen hellblauen Loch in der Wolkendecke und einem schmalen, leichtrosa Streifen im vielfach durchwirkten Grau. Die Gruppe der Wattwanderer verschwindet in der Tiefe des Raumes immer mehr im Nebel. Das Grau fasziniert und gibt ihm ein ganzes Bündel an Ausdrucksmitteln. „Grau ist zurückhaltend. Gleichzeitig entdecke ich im Grau alle Farben. Grau ist unglaublich vielseitig und ausdrucksstark. Ich kann es kalt oder warm werden lassen“, sagt Möller im Interview, das in dem großformatigen, sehr aufwendigen Katalog abgedruckt ist.

„Es gibt keinen Liebreiz in den Bildern“, sagt Messerschmidt, „sie sind nicht so brav.“ Möller geht sehr sparsam mit leuchtenden Farben um, weil es sie an vielen Tagen an der Küste nicht gibt. Dafür beherrscht er meisterhaft die verschiedenen Abstufungen und Schattierungen des Grau, das schon mal leicht ins Grünliche changiert und in das die Gischt und ein einzelner Sonnenstrahl einen weißen Fleck zaubert.

In einigen Bildern sind Küstenabschnitte zu erkennen, zwei Gemälde zeigen typischen Ansichten des Flensburger Hafens. Menschen sind kaum zu sehen und wenn, sind sie Teil der Landschaft, eingepasst in die Natur. Ein Bild zeigt ein Lebewesen im Vordergrund – einen Hund am Strand.

Und dann sind da die Bilder der Steine am Ufersaum, die man so noch nie gesehen hat. Steine unter Wasser, Schatten von Steinen, kleinste Details, Braun, Grau, Schwarz, dazu das Glitzern der Wasseroberfläche, das Ganze im Großformat. „Und das Pleinair!“, staunt Messerschmidt – also mit der Staffelei am Strand und den Füßen im Wasser.

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