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Flensburger Tageblatt

18. August 2017 | 00:03 Uhr

Der Medizinmann mit dem Champagnerbier

vom

Unternehmer Thomas Kipka will ein verfallenes Gewerbegrundstück am Brauereiweg beleben

Flensburg | Das schwarze eiserne Doppeltor flößt Respekt ein, der weiße Pfeiler mit dem kupfernen Spitzdach und der Lampe sieht gediegen aus. Es gibt sogar einen Wachhund, der hin und wieder heiser bellt. Hier am Brauereiweg, im alten Flensburger Gewerbegebiet am Hafen-Westufer, residiert zur Überraschung des arglosen Passanten die Westindien Compagnie Seehandelsgesellschaft.

Das klingt geschichtsträchtig und nach großer Flensburger Wirtschaftstradition. Dabei ist dieses Unternehmen, ebenso wie die nebenan siedelnde West African Ex tracts GmbH eine jüngere Gründung. Hausherr ist Thomas Kipka, der das Grundstück Nr. 19-21 vor ein paar Jahren erwarb. Hier stehen einige Flachbauten, eine Halle, ein Turm, eine Art Garage; dahinter erstreckt sich eine wild bewachsene Brachfläche, das ist das Grundstück Batteriestraße 10. Der latente Sanierungs- und Erneuerungsbedarf in diesem in die Jahre gekommenen Ensemble ist nicht zu übersehen.

Dabei wird hier schon seit einigen Jahren ein durchaus edles Produkt hergestellt: der Sylter Hopfen, eine Kreuzung aus Champagner und Bier, in 0,7-Liter-Flasche mit Sektverschluss und zum Preis eines guten Winzersektes, produziert für die zahlungskräftige Kundschaft auf der Nordseeinsel. Der hierfür verwendete Hopfen wächst auf Sylt, für den Gärprozess setzt Kipka, gelernter Brauer und Mälzer, echte Champagnerhefe ein. 15- bis 20 000 Flaschen produziert er pro Jahr am Brauereiweg.

Doch das ist nicht das einzige Produkt, das hier hergestellt wird. In einem kleinen Labor nebenan steht eine Plastikschale mit braunen Schnipseln, die wie gehackte Baumrinde aussehen. Das sind sie auch, auf einem Zettel steht mit der Hand geschrieben Cae salpina, eine Pflanze aus tropischen und subtropischen Regionen. Kipka, der als Geschäftsführer der West African Extracts GmbH fungiert, extrahiert hier in Flensburg die medizinischen Wirkstoffe aus pflanzlichen Rohstoffen, die er aus Ghana bezieht.

Dabei kommt es auf die Standardisierung an: "Die Wirkstoffe müssen immer in der gleichen Konzentration in dem Produkt vorkommen. Das bekommen wir mit unserer Methode hin." Heraus kommt eine dickflüssige braune Masse, die Kipka nach Ghana zurück schickt. "Dort werden daraus landestypische Medikamente hergestellt." Kipkas Partner und wissenschaftlicher Beirat bei dem Extraktgeschäft ist Erol Drevici.

Kipka will das Grundstück in naher Zukunft weiter entwickeln; die städtischen Gremien befassen sich bereits mit dem Projekt. Der Flachbau vorn an der Straße soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der riesige Tank im Gärturm wird gereinigt und soll für die Extraktion reaktiviert werden.

Doch der 43-jährige, aus Ostwestfalen stammende Unternehmer hat noch mehr vor. Neben dem teuren Champagnerbier will er ein Bier im normalen Preissegment entwickeln und dieses vor Ort in einem gastronomischen Betrieb ausschenken.

Auf der Wildwuchsfläche im Rückraum kann er sich einen Biergarten vorstellen. Relativ kurzfristig möchte er einen Werkverkauf des Sylter Hopfens, weiterer Spezialbiere und des ebenfalls hochpreisigen Überseerums realisieren. Den Rohstoff hierfür bezieht er aus Kuba.

Kipka hat bei der Flensburger Brauerei Brauer und Mälzer gelernt, später bei der Harboe-Brauerei in Dänemark leitend gearbeitet, aber auch im Deutschen Haus die Entwicklung und den Umbau des Bücherei-Flügels gesteuert.

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erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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