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Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 15:15 Uhr

Der Marine-Chef und sein Freundeskreis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Förderverein lädt Vizeadmiral Andreas Krause nach Flensburg / Der Inspekteur über Verteidigung, Krisenbewältigung und Schutz von Seewegen

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2015 | 18:00 Uhr

Bisher wirkten sie vor allem im Stillen. Oder wie es der Vorsitzende des Freundeskreises Marineschule Mürwik, Michael Epkenhans, sagte: „Bisher waren wir ein im verborgen wirkender Verein.“ Ein Verein dem das Wohl und die Erhaltung der Marineschule am Herzen liegt. Das sogenannte Wehrgeschichtliche Ausbildungszentrum, ein Museum mit zahlreichen Exponaten, Bildern und Quellentexten aus den vergangenen 150 Jahren in der ehemaligen Kommandeursvilla will der Verein erhalten und ausbauen. Neue Stühle für die Kapelle in der Marineschule wurden organisiert. Am Montagabend schlug der 55 Personen umfassende Freundeskreis einen neuen Kurs ein – raus aus dem Verborgenen. Und so luden die zumeist ehemaligen Marinemänner und der Kommandeur der Marineschule, Carsten Stawitzki, zu einer Veranstaltung, die es zukünftig in dieser Form einmal im Jahr geben soll. Zum Auftakt kam kein geringer als Vizeadmiral Andreas Krause, der Inspekteur und somit oberster Mann der Marine nach Flensburg. Er sprach über das Thema „60 Jahre Bundeswehr – Marine im Wandel der Zeit“.

Es ging um die vergangenen Jahrzehnte, aber Krause blickte auch nach vorn. Passend dazu hörten nicht nur die ehemaligen Marine-Männer dem Inspekteur zu, auch die aktuellen Offizieranwärter konnten ihren Chef erleben. Ein leichtes Raunen war im Saal zu hören als Krause über das Material sprach, das der Bundesmarine Mitte der 80er Jahre zur Verfügung stand. Unter anderem 40 Flugkörper-Schnellboote, 24 U-Boote und 112 Jagdbomber Tornado. Das Einsatzgebiet war vor allem die Ostsee, zusammen mit der dänischen Marine sollten Landungen abgewehrt und die Ostseeausgänge für sowjetische Kriegsschiffe gesperrt werden. Heute ist die Marine weltweit im Einsatz, bei viel geringer Ausstattung. Personell und materiell. Beispielsweise mit fünf U-Booten. „Wir müssen uns nicht wieder zur Großmarine entwickeln“, beteuerte Krause.

Der Inspekteur hatte einen weiteren Unterschied zu den vergangenen Jahrzehnten ausgemacht: „Früher hieß es, man muss kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen. Heute sage ich nur: Wir müssen kämpfen können.“ Die Krisenkonflikte weltweit nehmen zu. In Richtung Russland sagte der Marine-Chef: „Russland ist ein ,game changer’. Sie machen deutlich, dass sie politisches Interesse mit Streitkräften umsetzen.“

Dass die Marine mittlerweile weltweit aktiv ist, ist nur durch multinationale Zusammenarbeit möglich. „Small and many“, nennt Krause die Stichwörter. Kleine Streitkräfte, dafür viele beteiligte Nationen. Die Bündnisverteidigung ist eines der Ziele der Marine. „Die Nato bleibt der bestimmende Pfeiler der Verteidigungspolitik.“ Ein zweites Ziel sei die Krisenbewältigung. Der Flüchtlingseinsatz im Mittelmeer habe der deutschen Marine viel Anerkennung eingebracht. „Ich bin stolz, auf das, was die Männer und Frauen dort geleistet haben. Das war 1A“, sagte Krause, der davon ausgeht, dass der Einsatz für die Operation Sophia (benannt nach dem somalischen Baby, dass auf der Fregatte Schleswig-Holstein geboren wurde) die Marine noch „mindestens bis Mitte des nächsten Jahres beschäftigt“. Ein drittes Ziel sei der Schutz der Handelswege, die Krause als „Achillesferse der Prosperität“ bezeichnete. Der Kampf gegen Piraterie verlaufe erfolgreich, allerdings würden nur Symptome bekämpft werden, nicht die Ursachen. Die wiederum lägen an Land.

Der weltweite Einsatz geht nicht spurlos an der Marine vorbei. „Ich habe den Soldaten mehr Planbarkeit und eine geringe Abwesenheit versprochen“, erklärte Krause. „Bisher konnte ich mein Versprechen nicht halten.“ Die Marine sei am Rande dessen, was leistbar ist. Das kann selbst der Freundeskreis nicht ändern.

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