zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 19:44 Uhr

Bürgerbüro Flensburg : Der Mann ohne Namen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bürokratie-Opfer oder nicht? Owais Tokhi hat seit Donnerstag die deutsche Staatsbürgerschaft – ohne Nachnamen und Geburtstag im Ausweis

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 05:35 Uhr

Owais Tokhi (33) hat in Flensburg bislang erst einmal Schlagzeilen gemacht – im Frühjahr 2016 als Frontmann der „Refugee Campus Engel“, die Flüchtlingen den Weg auf den Hochschulcampus erleichtern sollen. Der 33-jährige Masterstudent in European Studies, der selbst vor sieben Jahren als afghanischer Flüchtling nach Deutschland gekommen war, hat schon einiges von der Welt gesehen. Unter anderem hat er in Indien für die US-amerikanische Botschaft gearbeitet. Tokhi spricht nach eigenen Angaben Dari und Paschtunisch, seine Vater- und Muttersprache aus Afghanistan, dazu Hindi, Russisch, Englisch, Deutsch – und auch noch ein bisschen Arabisch.

Seit vergangenen Donnerstag nun hat der junge Wissenschaftler, der gerade seine Masterarbeit schreibt, die deutsche Staatsangehörigkeit. Er sagt aber: „Ich bin traurig.“ Der Grund: In seinem Ausweis fehlen der Nachname und das genaue Geburtsdatum. Nur das Geburtsjahr 1984 steht dort – und seine beiden Vornamen Mohammad und Owais – mit dem Zusatz „Eigennamen“ in Klammern.

Owais Tokhi ist 1984 in Herat geboren. Mitten im afghanischen Krieg gegen die Sowjetunion sei eine Hausgeburt üblich gewesen, berichtet der Mann mit dem „Moin“-T-Shirt. In Afghanistan ist es im Ausweis offenbar normal, dass nur Vorname und Geburtsjahr eingetragen sind. Zweifellos identifizierbar wird der Passinhaber dort über die folgenden Angaben des Vaters und des Großvaters.

Owais Tokhi hat bereits etliche amtliche Dokumente mit allen Angaben – zum Beispiel einen Pass, der in der Ukraine ausgestellt ist, ein Dokument der afghanischen Botschaft aus Neu-Delhi in Indien oder sein Bachelor-Zeugnis. Überall ist sein Geburtstag eingetragen – 26. März 1984. In seinem neuen deutschen Ausweis war dies über das Flensburger Bürgerbüro nicht möglich. Das bringt Tokhi viele Probleme. „Versuchen Sie mal, online ein Visum zu beantragen. Ohne komplettes Geburtsdatum kommen Sie da gar nicht weiter.“ Und ohne seinen vollen Namen fürchtet der Mann, der vor seinem Flensburger Masterstudium bereits Internationale Beziehungen mit dem Bachelor abgeschlossen hat, um die Chance auf eine künftige wissenschaftliche Laufbahn.

Das Bürgerbüro im Flensburger Rathaus hatte nach Angaben von Stadtsprecherin Asta Simon aber keine andere Möglichkeit: „Für die Ausstellung der deutschen Papiere müssen urkundliche Nachweise vorliegen, die als offizielle Dokumente anerkannt sind. Bei Herrn Mohammad Owais ist weder in der Tazkira (Auszug aus dem Standesregister in Afghanistan) noch in dem Pass des Herkunftslandes der Name Tokhi als Familienname aufgeführt. In weiteren Dokumenten ist der Name des Vaters ersichtlich, der jedoch nicht mit dem Namen Tokhi identisch ist.“ So habe man nur die Namen „Mohammad Owais als verifiziert“ übernehmen können. Im Einbürgerungsverfahren habe Owais angegeben, dass in seiner Heimat Familienclans einen eigenen Namen tragen. Tokhi sei der Familienname seines Clans. Den habe er in seiner Heimat auch getragen. Im Bürgerbüro sei bekannt, dass es in Afghanistan es üblich ist, Clan-Namen zu tragen. Simon: „Leider ist dieser Hinweis und das Wissen darum nicht ausreichend.“ Dem Afghanen sei gesagt worden, dass die Möglichkeit bestehe, beim Standesamt eine Namensänderung zu beantragen und Tokhi als Familiennamen eintragen zu lassen. „Bis zur Einbürgerung hatte er keinen Antrag gestellt.“Dies könne er noch nachholen.

Für den Geburtstag besteht diese Möglichkeit offenbar nicht.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen