"Felix" Kroll : Der Mann fürs Grüne nimmt den Hut

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Hans-Friedrich Kroll, seit 1984 zentrale Figur in der Flensburger Umweltverwaltung, geht nach 27 Jahren in den Ruhestand

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31. Mai 2011, 06:51 Uhr

Flensburg | "Wenn der Ausspruch ,Niemand ist unersetzlich auch nur für einen Menschen nicht zutrifft, dann für Sie, Herr Kroll." So sprach der Vorsitzende des Umwelt- und Planungsausschuss, Frank Markus Döring, zu einem Mann, der Flensburg wie kein anderer kennt und so etwas wie das personifizierte Umwelt-Kataster der Stadt ist. Lange konnte es vermieden werden, jetzt ist es soweit, und Hans-Friedrich Kroll, den alle in Anlehnung an Thomas Manns berühmte Romanfigur nur Felix nennen, wird ersetzt. Heute ist sein letzter Arbeitstag im Technischen Rathaus.

Wenn man mit Kroll durch den Christiansenpark, den Kockeschünegang oder das Twedter Feld streift, dann hat man wirklich das Gefühl, dass er jeden Baum persönlich kennt. Dabei ist er noch gar nicht so lange in Flensburg: Er kam "erst" 1984 an die Förde, just zu einem Zeitpunkt, als der Umweltgedanke in Rathäusern und Kommunalparlamenten richtig Fahrt aufnahm. Die Grünen waren im Kommen, Umweltpolitik wurde wichtiger; in Flensburg wurde ein Umweltausschuss etabliert, das Umwelt- und Grünamt aufgestockt: "Da saßen irgendwann 150 Leute!", erinnert er sich.

Doch was gab es denn eigentlich an Umwelt in Flensburg? "Das war nirgendwo festgehalten", so Kroll. Mit anderen Worten: "Eine Kartierung war notwendig." Das war Krolls Job. "Zwei Jahre lang bin ich überall in Flensburg rumgestiefelt und habe mir jeden Quadratmeter angeguckt und alles unter die Lupe genommen." Kroll kam dabei sein großes Interesse für Geschichte zu Gute; er schaute nicht nur nach dem, was ist, sondern auch nach dem was war und wie es zu dem geworden ist, was es heute ist.

Als erstes wichtiges Planungsinstrument entstand 1988 die Flensburger Umwelterhebung, initiiert von Prof. Riedl, damals an der Pädagogischen Hochschule. Aus der Erhebung resultierte später der Landschaftsplan, gefolgt von Pflege- und Entwicklungskonzepten für Volkspark und Ostseebad, Osbektal und Scherrebektal. "Und immer waren Anlieger und Bürger in die Planungen eingebunden", erinnert sich Kroll. Es wurden Wanderwege und Streuobstwiesen angelegt; die Landschaftsachsen und Grünringe im Stadtgebiet wurden etabliert. In den 90er Jahren galt es, die frei werdenden Bundeswehr-Liegenschaften einer neuen Nutzung zuzuführen. Aus dem Truppenübungsplatz Mürwik wurde das Naturschutzgebiet Twedter Feld, aus dem Übungsplatz Weiche das Stiftungsland Schäferhaus. "Hier kann man heute beispielhaft sehen, wie Schleswig-Holstein vor der Verkoppelung ausgesehen hat", freut sich Kroll, der eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert und später Agrarwissenschaften studiert hat.

Irgendwann wurde Umweltschutz zum integrativen Bestandteil der Stadtplanung; das bedeutete für Kroll 1994 den Wechsel vom Umwelt- und Grünamt in die Stadtplanung, wo er seitdem nicht mehr nur fürs Grüne, sondern auch für viele andere Fragen der Stadtplanung zuständig ist. Krolls Credo war dabei stets sowohl Bürger- als auch Politikernähe. Er musste einerseits mit den "Laien" aus der politischen Vertretung zusammenarbeiten, andererseits die städtischen Planungen dem Bürger erläutern. "Aus dienstlichen Begegnungen sind viele Freundschaften gewachsen", freut sich Kroll.

Die doppelte Begeisterung für Geschichte und Grünflächen trägt bei Kroll bis in die Freizeit. Er gehört zu den Gründern des Freundeskreises Christiansenpark, verbringt viel Zeit im Kutscherhaus, räumt auf, gießt die Blumen. Die Idee, den Park von einer Bürgerinitiative betreuen zu lassen, kam auf einer Busfahrt zum Landschaftspark Worlitz bei Dessau an der Elbe. Natürlich war Kroll auch bei der Erforschung der Historie des Englischen Landschaftsgartens auf der Westlichen Höhe beteiligt.

Niemand ist so eng mit der Entwicklung der Flensburger Umweltpolitik und den Stationen der ökologischen Stadtplanung verknüpft wie Hans-Friedrich Kroll. Vermutlich würde Flensburg ohne Kroll heute an der einen oder anderen Stelle anders aussehen. Das liegt gewiss auch daran, dass er seinen Job stets mit Herzblut gemacht hat. Und so fallen Worte wie "dankbar" und "begeistert", wenn er auf die 27 Jahre in Flensburg zurückblickt. Langweilen wird er sich ab 1. Juni sicher nicht, plant unter anderem interaktive stadtgeschichtliche Führungen. Mit Sicherheit wird der Landschaftsplaner im Ruhestand sich nicht im eigenen Garten verkriechen: "Ich bin kein Gärtner, das sage ich ganz deutlich!"

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