Der Mann, der AVS und Burghof erfand

Bunter Durchblick an der AVS.
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Bunter Durchblick an der AVS.

AVS und Goethe-Schule, Burghof und Deutsches Haus: Paul Ziegler, Flensburger Magistratsbaurat von 1905 bis 1939, hat wie kein anderer das Stadtbild geprägt. Ein Relief am Deutschen Haus soll bald an den Stadtplaner und Architekten erinnern.

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07. August 2009, 06:12 Uhr

Flensburg | Er war ein Zugereister, kam aus dem "Ländle"- und hat wie kein anderer das Bild Flensburgs geprägt. "Paul Ziegler hat als Stadtbaurat die städtebaulich und architektonisch bedeutendsten Spuren hinterlassen", sagt Eiko Wenzel. Eins der prominentesten Beispiele für das Wirken des Architekten - der seit 1905 die Baupolizei, ab 1910 als Magistratsbaurat das Hochbauamt der Stadt Flensburg leitete - ist die Auguste-Viktoria-Schule (AVS).

"Ziegler hat bei der Planung als Städtebauer gedacht und sich außerdem um die kleinsten architektonischen Details gekümmert", sagt Wenzel. Wie etwa die künstlerisch gestalteten Fliesen, die jedem Flur des Gymnasiums eine andere Farbe verleihen, das - einstmals - prächtige Gestühl der Aula oder die von einem Bremer Glaskünstler angefertigten bunten Fensterscheiben. "Gleichzeitig prägt das imposante Backsteingebäude mit Walmdach und Turm als Teil der Stadtkrone die westliche Silhouette der Stadt."

Der Neubau des Lyceums, wie die AVS damals hieß, habe dann auch 1912 als Vorzeigeprojekt der Flensburger Bauausstellung geglänzt. Das Detail ebenso wie das gesamte Stadtbild zu gestalten, weiterzuentwickeln und dabei - den Idealen der "Heimatschutzarchitektur" verpflichtet - an die örtlichen Bautraditionen anzuknüpfen, seien die Leitlinien von Zieglers Arbeit gewesen.

Ein Anspruch, der heute leider kaum noch umgesetzt werde, wie der Leiter des städtischen Denkmalschutzes bedauert. "Verwaltungsgebäude und Einkaufspassagen zeigen, dass die Integration neuer Bauaufgaben ins historische Umfeld selten glückt."

Dass sie Paul Ziegler dagegen einst "hervorragend" geglückt ist, sei jedoch auch seinem Kollegen Theodor Rieve zu verdanken. Wenzel: "Das war ein Pärchen, das fast immer gemeinsam gewirkt hat."

Und seine Spuren - Glücksfälle für das Stadtbild - an vielen prominenten Plätzen hinterlassen hat: Die Goethe-Schule (1914-19) ist gewissermaßen der östliche Zacken in der "Stadtkrone", zum "Stadtschloss" geadelt durch ihre mächtige Kuppel aus Eisenbeton. Und mit dem schmucken backsteinernen Burghof hatte Ziegler schon 1909 einen programmatischen Gegenpart zu den verputzten Mietskasernen der Toosbüystraße mit ihren tristen Hinterhöfen gesetzt.

Hohe Walm- oder Satteldächer, Türme und Aufsätze, die die "Silhouette akzentuieren" und - "passend zu seinem Namen" - Fassaden, die sich alle Möglichkeiten des Materials Ziegel zunutze machten, seien typische Merkmale der Ziegler-Architektur.

Neben der Handelslehranstalt (1928-29) ist das 1928 bis 1930 erbaute Deutsche Haus das letzte große Werk des Magistratsbaurats. Dort soll bald ein Bronzerelief des Flensburger Bildhauers Heinrich Oetinger die Erinnerung an Paul Ziegler wachhalten, das der Verein Flensburger Baukultur und der Verschönerungsvereins gemeinsam initiiert haben. Feierlich enthüllt werden soll es am 13. September, dem Tag des Offenen Denkmals. Zeitgleich erscheint ein Faltblatt, das einen Überblick über Zieglers Leben gibt und 14 seiner Bauwerke in vorstellt.
Paul Ziegler
Paul Ziegler wurde 1874 in Heidenheim an der Brenz (Baden-Württemberg) geboren. Er studierte Architektur in Stuttgart. 1904/05 war Ziegler im Marinebauamt Kiel bei Marinebaurat Kelm beschäftigt; Planungen für die Marineschule Mürwik waren die erste Verbindung zu seiner späteren Wirkungsstätte Flensburg. 1905 wurde er Leiter der Baupolizei und des Hochbaus bei der Stadt Flensburg.

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