Flensburg : Der letzte Tag - die Bundesbank geht

Immobilie zu verkaufen:  Seit 1987 residiert die Bundesbank an der Waitzstraße.  Jetzt wird ein neuer Besitzer für das Gebäude gesucht.  Foto: Dewanger
Immobilie zu verkaufen: Seit 1987 residiert die Bundesbank an der Waitzstraße. Jetzt wird ein neuer Besitzer für das Gebäude gesucht. Foto: Dewanger

Aus und vorbei: Seit Freitag um 11 Uhr ist Schluss. Für 30 Mitarbeiter der Bundesbank-Filiale war es der letzte Arbeitstag an der Waitzstraße - und für Flensburg enden 150 Jahre Notenbank-Geschichte.

shz.de von
29. September 2012, 04:26 Uhr

Flensburg | Die Filiale wird geschlossen - wie die meisten in der Bundesrepublik. Für die Flensburger wird sich nichts ändern - aber die Politiker, die Behörden, die Kammern, die mit Bekanntwerden der Pläne Sturm gelaufen waren für das Institut, bewerten den Abzug des Instituts als weitere Abstufung der nördlichsten Region.
Das war - zwischen den Zeilen - deutlich wahrzunehmen beim Abschiedsempfang für den Filialleiter Hans-Werner Imig. Marinestützpunkt weg, Flottenkommando weg, Landgerichtsstandort zwischenzeitlich in Gefahr - und jetzt die Bundesbank. Die durfte ihr örtlicher Statthalter selbst auflösen. Und dafür wurde er gelobt. Adelheid Sailer-Schuster war aus der Hamburger Hauptverwaltung gekommen. Allerdings nicht, um die Dinge schön zu reden. Als 2009 die Schließung der Filiale Flensburg beschlossen war, sei auch die Hamburger Hauptverwaltung kurzzeitig in Schockstarre gefallen, bekannte die Juristin.
"Niemand musste betriebsbedingt gekündigt werden"
Allerdings - und das war das Lob an die Adresse des in die passive Phase der Altersteilzeit wechselnden Bank-Chefs - sei es danach gemeinsam darum gegangen, die Folgen für die Beschäftigten weich abzufedern. Und dies sei gelungen, weil Imig nicht, was viele an seiner Stelle getan hätten, trotzig abwartete, sondern das Ruder in die Hand nahm und gezielt auf die Schließung hinarbeitete. "So wurde es nicht so schlimm wie befürchtet", sagte Sailer-Schuster. "Niemand musste betriebsbedingt gekündigt werden." Für Imig schloss sich an diesem Abend ein Kreis - auf denkwürdige Art. Seine Karriere bei der Bundesbank begann er in der Zweigstelle Aachen. Sie endete in der Filiale Flensburg - beide machen an diesem Freitag für immer dicht.
In der Öffentlichkeit wird das kaum jemand wahrnehmen. Das Geld kommt ja schließlich aus dem Automaten. Kaum jemand hat auf der Rechnung, dass seit dem Umzug der damaligen Hauptstelle Flensburg der Deutschen Bundesbank am 9. Oktober 1987 vom Nordergraben an die Waitzstraße von hier aus Milliarden DM und Euro in den regionalen Geldumlauf eingespeist wurden. Die herausgehobene Stellung der diskreten Bundes-Bankiers unterstrichen regelmäßig die Werttransporte mit frischem Geld aus der Notenpresse. Schwere Transporter, eskortiert von gepanzerten Polizei-Limousinen im XXL-Format ließen die Bedeutung des unauffälligen Hauses an der Waitzstraße kurz aufblitzen.
"Wie Onkel Dagoberts Geldspeicher, nur viel aufgeräumter"
Wie viel Geld in den Tresoren lag, ist Bankgeheimnis. "Aus Sicherheitsgründen", sagt Jörn Eckhoff vom Stab der Hamburger Hauptverwaltung, "gibt es auf diese Frage keine Antwort." Immerhin: Eckhoff gibt einen kleinen Eindruck, indem er umschreibt, was während der Euro-Einführung los gewesen ist. "Zwischen 1. Januar und 30. Juni 2002 wurden 2,2 Milliarden DM in Noten und Münzen ein- und 900 Millionen Euro in Noten und Münzen ausgezahlt." Und immer noch kommen die Menschen mit Geld aus der D-Mark Zeit. 1200 in diesem Jahr. 482.000 D-Mark wurden gewechselt. Insofern scheint die Beschreibung eines Mitarbeiters nachvollziehbar. "Wie Onkel Dagoberts Geldspeicher, nur viel aufgeräumter."
Für die Beschäftigten geht die Sache glimpflich aus. Fünf Filial-Angehörige kamen bei kommunalen Verwaltungen in der Region unter, 20 bei anderen Bundesbank-Standorten - überwiegend in Kiel und Hamburg -, sechs weitere gehen in Rente oder Vorruhestand. Und das gerade 25 Jahre alte Gebäude? Wird verkauft, sagt Eckhoff. Mit Schließtüren und Tresoren. Wann der letzte Geld(ab)transport gefahren ist, sagt er nicht. "Gehen Sie davon aus, dass der Tresor bei Verkauf des Gebäudes leer sein wird. Mehr können wir nicht dazu sagen."

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