Der letzte Bauernhof im Westen der Stadt

-
1 von 3
-

Einige der letzten Milchkühe Flensburgs - man findet sie zwischen Marienhölzung und Industriegebiet West. Dort liegt der Magdalenenhof. Und dort betreiben Andreas und Monika Fogt Landwirtschaft aus Leidenschaft - mit einer gehörigen Portion Idealismus. Mit dem sechsten und letzten Stadtteil-Spezial zur Altstadt, Neustadt und zur Westlichen Höhe ist morgen unser Luftbild-Puzzle komplett.

shz.de von
16. Oktober 2009, 05:50 Uhr

Flensburg | Rückblende: Ein kleiner blonder Junge spielt ausgelassen im Heu, versteckt sich in der Scheune, streift über Wiesen und Felder entlang der Westerallee. Andreas ist bald fünf Jahre alt und seine Welt ist grün. Draußen grasen friedlich die Kühe - auf einer Koppel, wo heute die Hochhäuser des Timm-Kröger-Wegs stehen.

Die Idylle, sie liegt 40 Jahre zurück.

Andreas Vogt ist jetzt 44, betreibt mit seiner Frau Monika seit 1986 Landwirtschaft am Magdalenenhof, der sich zwischen Tierheim und Citti-Park an die südlichen Ausläufer der Marienhölzung schmiegt. Sein Vater Christian hatte 1970 den landwirtschaftlichen Betrieb an der Westerallee 108 aufgegeben und die Stallgebäude am Magdalenenhof von der Stadt gepachtet. Bevor sein Sohn das 1876 errichtete Gebäude erwarb, genoss dort eine Wohngemeinschaft stadtnahes Wohnen in der Natur.

Es ist vier Uhr morgens, manchmal früher, wenn das Krähen des Hahns durch die Hölzung dringt. Träge öffnen Bruno und Spike die Augen - die Deutschen Doggen sorgen dafür, dass niemand den Frieden auf dem Bauernhof stört. Das kann schon mal passieren, wenn der eine oder andere Spaziergänger sich zu weit vorwagt. "Einige meinen, sie müssen gleich überall reinrennen", weiß Andreas Fogt. Doch wenn plötzlich ein Fremder im Stall steht, finden Bruno und Spike das überhaupt nicht gut…

Der eigentliche Wachtmeister ist Martin. Ein prächtiger Gänserich, der Weihnachten schon zwölf Mal erlebt hat - und ungeschoren davongekommen ist. Martin dankt es seinen Besitzern mit schärfster Kontrolle an der Einfahrt. "Und wenns sein muss", warnt Monika Fogt, "kann er böse zubeißen."

Das Ehepaar liebt das Leben auf dem Magdalenenhof - auch wenn es hart ist. "Wir leben bescheiden", stellt Monika Fogt klar. Finanziell kann man sich keine größeren Sprünge erlauben, der Abtrag für das Haus, die Pacht für 25 Hektar Land… und an einen Urlaub kann Andreas Fogt sich nicht erinnern. Er arbeitet sieben Tage die Woche, zwölf Stunden Minimum. "Aber ich möchte das alles nicht missen", sagt er, lehnt sich an den mächtigen Ahorn und blickt über das U-förmig angelegte Anwesen, auf dem ungezählte Hühner und Katzen herumlaufen.

Alle zwei Tage holt die Meierei die von knapp 30 Kühen produzierte Milch ab - 300 Liter darf Fogt laut Quote täglich liefern. 21 Cent gibts pro Liter: die Haupteinnahmequelle des Bauern. Zum Leben zu wenig. Und so hat Monika einen 400-Euro-Job angenommen, der kleine Hofladen wirft durch den Verkauf von Eiern, Kartoffeln, Fliederbeersaft und -gelee auch ein wenig ab. Und, natürlich, Milch gibt es hier, vier Prozent Fett, wohlschmeckend. "Echte Milch aus Flensburg, viel besser als aus dem Supermarkt", schwärmt Andreas Fogt. Kein Wunder, die Kühe sind offenbar glücklich auf dem Magdalenenhof, wie Fogt mit ihnen: "Wir haben sie alle aufgezogen, sie sind zahm, ohne sie könnte ich nicht."

Wohl auch deshalb gönnt Fogt sich keine Ferien, geht höchstens mal Billard spielen. Er weiß, dass zu seinem Job eine Menge Idealismus gehört. Womöglich wird es eines Tages leichter. "In 18 Jahren ist das Haus bezahlt", sagt Andreas Fogt. "Ich hoffe, ich schaff das noch."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen