Diskussion um Lidl : Der lange Weg zum Tarup-Markt

Ein Lidl für Tarup: Die Kirchengemeinde Adelby (im Bild oben li. der Friedhof) stellt ihr Grundstück (grüne Fläche in der Bildmitte) östlich der Schule (links) zur Verfügung.
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Ein Lidl für Tarup: Die Kirchengemeinde Adelby (im Bild oben li. der Friedhof) stellt ihr Grundstück (grüne Fläche in der Bildmitte) östlich der Schule (links) zur Verfügung.

Große Mehrheit im Planungsausschuss für Bebauungsplan / Nicht alle wollen einen Lidl-Discounter um jeden Preis

shz.de von
04. Mai 2018, 05:30 Uhr

Am Ende war es nur Hubert Ambrosius (WiF), der mit Nein stimmte. Ihm ging der Beschluss offenbar nicht weit genug. Er wollte, dass sich der Umwelt- und Planungsausschuss auf Lidl und eine Größe von 1300 Quadratmetern festlegt. So weit wollten die anderen Politiker aber nicht gehen. Trotzdem gibt es jetzt gute Chancen auf einen Einkaufsmarkt auf dem Kirchengrundstück südlich der Taruper Hauptstraße.

Der kann aber nicht ab morgen gebaut werden. Die Abteilung Stadtplanung hat jetzt den Auftrag, bis Ende Mai einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan vorzulegen. Der kann im Juni vom Rat verabschiedet werden, und dann kann losgeplant werden.

Gegen einen Lidl-Markt, den viele Taruper wünschen und den der Discounter dort gern bauen würde, spricht ein Papier, das erst 2015 mit Blick auf Tarup aktualisiert worden war: das Einzelhandelskonzept der Stadt. Das sieht für Tarup höchstens einen kleinen Markt bis zu 800 Quadratmeter vor. In acht Jahren war es aber nicht gelungen, einen Betreiber für so einen Markt zu finden.

Vielleicht gibt es aber jetzt einen, der das auf diesem Grundstück realisieren würde, überlegte der Chef der Stadtplanung, Peter Schroeders, im Ausschuss und regte eine erneute Ausschreibung an. Axel Kohrt, SPD, Vorsitzender des Ausschusses, warnte davor, das Einzelhandelskonzept einfach zu ignorieren; das würde Anbietern, die sich in anderen Stadtteilen ansiedeln oder vergrößern wollten, Ansätze für Klagen geben. Im Rahmen des Verfahrens zum Bebauungsplans wird dann wohl ein neues Gutachten untersuchen müssen, welche Auswirkungen der gewünschte Lidl-Markt auf den übrigen Einzelhandel im Stadtteil hätte – zum Beispiel auf den neuen Supermarkt südlich des Bahndamms, der aber für die meisten Taruper zu Fuß kaum erreichbar ist.

Zu bedenken sei weiterhin, dass es im Bereich des Kirchengrundstücks Probleme mit Hochwasser bei starkem Regen gebe, so Schroeders. Man könne überlegen, Vorrichtungen für die Regenrückhaltung direkt am Gebäude anzubringen. Auch sei zu erwägen, zweigeschossig zu bauen, um die Fläche besser auszunutzen. Nicht zu vergessen seien eventuelle Pläne der Schule Adelby, sich wegen des zu erwartenden großen Schülerzuwachses zu erweitern.

„1300 Quadratmeter sind plausibel“, sagte CDU-Vertreter Arne Rüstemeier. „Ich will keine Verzögerung, Lidl ist okay“, bekräftige Frank Hamann (Die Linke). Stefan Thomsen (Grüne): „Wir wollen Baurecht – am besten ohne Getöse.“ Allerdings dürfe es keine „Lex Lidl“ geben, ergänzte sein Fraktionskollege Pelle Hansen. Daniel Dürkop warf Schroeders vor, bei diesem Thema „immer die Nein-Brille aufzusetzen“ – was dieser mit Kopfschütteln zurückwies.

Hubert Ambrosius sprach sich klar und eindeutig für einen Lidl in der gewünschten Größe aus: „Die Taruper wollen einen großen Markt in Tarup haben“ – und zwar möglichst schnell. Er befürchte, „dass die Verwaltung wieder ganz viel Verzögerung einbauen will“. Am Ende stimmten alle dem Kompromiss der SPD zu – außer Ambrosius.

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