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Schleswig/Flensburg : Der lange Weg zum besten Fahrplan

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswig-Flensburg, Nordfriesland und Flensburg arbeiten an einem gemeinsamen Nahverkehrskonzept.

von
erstellt am 10.Mai.2017 | 16:18 Uhr

Schleswig/Flensburg | Selbst für logisch denkende Menschen ist es eine echte Herausforderung, für eine ambitionierte Modelleisenbahn mit einer Handvoll Haltestellen, Gegenverkehr und drei Abstellgleisen einen funktionierenden Fahrplan zu erstellen. Was zurzeit in den Kreisen Schleswig-Flensburg und Nordfriesland sowie in der Stadt Flensburg unter dem Namen „Regionaler Nahverkehrsplan“ erarbeitet wird, ist dagegen eine ganz andere Hausnummer. Es geht eigentlich nur darum „eine ausreichende Grundmobilität aller Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten“ und die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) so zu steigern, dass eine „sinnvolle Alternative zum motorisierten Individualverkehr angeboten werden kann“. Das alles natürlich barrierefrei (bis 2022 sollen alle Haltestellen für jedermann erreichbar sein), ökologisch korrekt, unter Einbeziehung des Schülerverkehrs, der Interessen aller betroffenen Gemeinden und der eigenen „wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Kreises“.

Zwar gibt es bereits Verkehrspläne in den einzelnen Kreisen und in Flensburg, auf die man aufbauen könnte, die allerdings sind in diesem Fall nur bedingt hilfreich, denn durch die geplante Verzahnung mit Nordfriesland und Flensburg werden viele der bisherigen Regelungen verändert.

Im Prinzip soll der Busverkehr in drei Kategorien aufgeteilt werden: Die am höchsten frequentierten und wichtigsten Linien zwischen den Städten bilden das Grundgerüst. Dabei handelt es sich unter anderem um die Verbindungen zwischen Flensburg und Niebüll, Husum, Handewitt, Kappeln und Schleswig, aber auch eine Linie zwischen Eggebek und Tarp nach Glücksburg. Es folgt ein Geflecht von Nebenstrecken, das alle größeren Orte im Kreisgebiet abdeckt. Ergänzt wird das Angebot auf der sogenannten dritten Ebene unter anderem durch Sammeltaxis und Rufbusse.

Nach Monaten zäher Arbeit gibt es inzwischen ein Konzept. Gestern Abend kamen die zuständigen Ausschüsse der beiden Kreise und der Stadt zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt: Die Diskussion und die Genehmigung des 500 Seiten starken Konzepts. Als Grundlage dienen auch 160 weitere Seiten, auf denen Gemeinden, Ämter, Verbände und Parteien ihre Kritik und ihre Anregungen auflisten. Dass es noch jede Menge Gesprächsbedarf gibt, lässt sich aus den Antworten der Iges Gmbh ablesen, das mit der Aufgabe betraute Unternehmen. Wenn es um Details geht, wird darauf verwiesen, dass der Regionale Nahverkehrsplan lediglich „Mindestbedienvorgaben definiert, die als untere Grenze anzusehen und Ergebnis der Berücksichtigung unterschiedlicher Kriterien sind“.

Diese Formulierung wird mantraartig wiederholt. So etwa, wenn Langballigs Bürgermeister für seine Gemeinde einen halbstündigen Takt und außerdem mehr Verbindungen von und nach Langballig und Langballigau fordert. Dazu gibt es den Hinweis, dass es möglich ist, zusätzliche Angebote selbst zu realisieren – entweder durch die Mitfinanzierung der Gemeinde oder durch eigenwirtschaftliche Überlegungen der Verkehrsunternehmen. Will heißen: Geld vom Kreis oder vom Land gibt es dafür nicht.

Für das Amt Eggebek merkt der Leitende Verwaltungsbeamte Klaus-Dieter Rauhut an, dass seit vielen Jahren eine Ost-West-Querverbindung südlich von Flensburg von Mittelangeln, üner über Tarp, Wanderup und Großenwiehe nach Schafflund fehlt. Diese Linie könnte in Wanderup auch verknüpft werden mit der Schnellbusverbindung Flensburg-Husum und damit auch die Vernetzung im Planungsraum verbessern. Antwort: Diese Anregung könnte zwar nach den eigenen Kriterien nicht dargestellt werden, wegen der häufigen Nachfragen aber sollen eine Potenzialanalyse sowie konkrete Machbarkeits- und Finanzierungsoptionen erarbeitet werden.

Ehe der Plan in die Realität umgesetzt werden kann, gibt es noch viel zu tun. Eines der Hauptprobleme ist dabei die Schülerbeförderung. Die Schließung von kleinen Schulen, Veränderungen in den Schülerzahlen und zunehmender Nachmittagsunterricht erschweren eine zuverlässige und langfristige Planung.

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