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Flensburger Altstadt : Der lange Streit ums Flensburger Kopfsteinpflaster

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Planungsausschuss diskutiert erneut Natursteinpflaster – in den aktuell betroffenen Straßen auf dem Sandberg finden sich keine Fürsprecher.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 05:52 Uhr

Es ist eine typische Flensburger Grundsatzfrage und irgendwie auch ein Dilemma. Damit die Straßen der Altstadt und der Innenstadt historisch und attraktiv aussehen, haben oder bekommen sie Kopfsteinpflaster. Darüber freuen sich Touristen, Stadtbildpfleger und auch viele Flensburger, die durch die Rote Straße, die Pilkentafel oder die Süderfischerstraße spazieren. Die Bewohner freuen sich oft weniger darüber, vor allem, wenn viele Autos oder gar Busse über das Pflaster fahren. Dann wird es laut. Oder sie selbst mit dem Fahrrad unterwegs sind. Das ist in Straßen wie der Viktoriastraße oder der Johannisstraße fast unmöglich und in Straßen wie der Friesischen oder dem Nordergraben zumindest gefährlich.

Jetzt hat Die Linke das Fass der seit Jahren schwelenden Diskussion wieder aufgemacht. Die Ratsfraktion möchte die Leitlinie für Natursteinpflasterstraßen, die für jede Straße genau die angestrebte Pflasterung festlegt, aussetzen. Das begründet sie vor allem mit dem Widerstand von Anliegern solcher Straßen. Die Linke wollte die Leitlinien bis zur Verabschiedung des Masterplans Mobilität aussetzen und das Thema dann neu verhandeln. Doch im Umwelt- und Planungsausschuss fand sie dafür keine Mehrheit.

Das Thema ist jedoch wieder auf dem Tisch. Noch immer geht es dabei um den Sandberg. Die gleichnamige Straße wurde – wie berichtet – asphaltiert, nur die Parkbuchten sind mit Steinen gepflastert. „Die Neugestaltung wird von den Bürgern begrüßt, denn sie haben mehr von ihrer Straße und genießen das Balkonleben bei weniger Lärm“, so WiF-Ratsherr Marc Paysen. Radfahrer würden nicht mehr – wie vorher, als die Straße noch gepflastert war – auf dem Gehweg, sondern auf der Straße fahren.

Die Schreiberstraße um die Ecke soll hingegen komplett gepflastert werden; das hat der Ausschuss Anfang des Jahres so beschlossen, gemäß den Leitlinien. Doch es scheint, hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. WiF-Fraktionschefin Erika Vollmer will Signale aus der Verwaltung empfangen haben, wonach das Thema noch einmal diskutiert werde. Das Gleiche berichtet Gernot Nicolai, Sprecher des Bürgerforums Jürgensby/Sandberg. Hingegen bekräftigten Axel Kohrt (SPD), Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses, sowie sein Stellvertreter Arne Rüstemeier (CDU), dass hier die Entscheidung gefallen sei.

Bei der Voigtstraße im selben Viertel beginnt die Diskussion hingegen erst. Auch sie steht in den Leitlinien auf der Liste der zu pflasternden Straßen. Doch anders als in der Schreiberstraße haben sich hier die Bewohner rechtzeitig und zahlreich zu Wort gemeldet. Einhelliges Votum: Kein Pflaster!

Oberbürgermeisterin Simone Lange hatte dem Ausschuss bereits vor der Sommerpause vorgeschlagen, eine gemeinsame Bürgeranhörung für Schreiber- und Voigtstraße zu machen und dann erst zu entscheiden. „Es macht Sinn, die beiden Straßen im Zusammenhang zu sehen“, so Lange. Und: Da in diesem Gebiet auch die Führung eines Fahrradweges eine Rolle spielt, Stichwort Radeln zum Campus, will sie die aktuelle Diskussion um Sicherheit im Radverkehr gleich einbeziehen und prüfen, ob auch hier Verbesserungen erreicht werden können. „Kurzum: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“, sagt Lange.

Der Leiter der Stadtplanung, Peter Schroeders, betonte im Ausschuss, dass alle kritischen Punkte wie Lautstärke, Radfahrer und Barrierefreiheit in den Leitlinien enthalten seien. Die Leitlinien dürften kein Dogma sein. Auch Kohrt argumentierte, die Leitlinien erlaubten immer eine Einzelfallentscheidung; deshalb sei es „dumm, sie auszusetzen“.

Schroeders erinnerte zudem daran, dass die Diskussion vor Jahren an der Marienstraße begann, wo Bürger aufbegehrten und Pflastersteine forderten. In allen Städten sei die Straßengestaltung Thema: „Da wo es brummt, wo es um Aufenthaltsqualität geht, ist Naturstein ein großes Thema“, betonte Schroeders. Jetzt erwägt der Planungsausschuss eine Exkursion nach Wismar, wo die meisten Innenstadtstraßen gepflastert sind – und die meisten Radfahrer auf dem Gehweg fahren.

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