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Finanzierung : Der Klimapakt braucht frisches Geld

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Finanzierung für das Klimateam läuft Mitte 2016 aus. Die Akteure ziehen eine positive Bilanz ihrer bisherigen Arbeit.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2015 | 08:30 Uhr

Flensburg | Noch ist Flensburg die Stadt des Bieres, der Punkte und des Handballs. Aber immer mehr wird es auch die Stadt des Klimapakts, wird Flensburg zur Klima-Stadt, eine von 19 Kommunen bundesweit, die beim „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ dabei sind. „Wir sind schon bundesweit ein Vorbild“, sagt Andreas Oeding, der mit seinem Büro die Öffentlichkeitsarbeit für den Klimapakt macht.

Doch jetzt wird am Himmel über dem Technischen Rathaus, wo das Klimateam sein Domizil hat, ein kleines Damoklesschwert namens Finanzen sichtbar. Das Bundesprogramm, aus dem die Arbeit des Teams finanziert wird, läuft Mitte 2016 aus und kann – wie es derzeit aussieht – auch nicht verlängert werden, weil es ausdrücklich eine Anschubfinanzierung ist. Deshalb hat das Rathaus jetzt angefangen, die Politik für dieses Thema zu sensibilisieren. Mit einer „Problemanzeige“, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt, machte jetzt der städtische Chefplaner Peter Schroeders den Umwelt- und Planungsausschuss darauf aufmerksam, dass man demnächst vielleicht über den Stellenplan reden müsse.

Da liegt – nicht nur für die Politik – die Frage nah, was der Klimapakt und das Klimateam denn bisher erreicht haben. Gemessen an dem großen Ziel „CO2- Emissionen auf 0 bis 2050“ sind Martin Beer und seine Kollegen die ersten kleine Schritte gegangen: Die CO2-Kurve zeigt seit 2009 nach unten, allerdings liegen bisher nur die Daten bis 2011 vor. Die Fortsetzung der Kurve mit ihren vier Hauptsektoren Haushalte, Industrie, Handel und Gewerbe sowie Verkehr geht steil nach unten. Den größten Handlungsbedarf gibt es demnächst bei den Haushalten, mithin beim Strom- und Wärmeverbrauch der Wohnhäuser.

Martin Beer nennt jüngste Erfolge wie die Einführung der Hybridbusse und das jetzt gestartete Projekt Car-Sharing. Doch warum steigen die Flensburger nicht in Massen auf das Fahrrad um, um auf diese Weise den CO2-Ausstoß der Kraftfahrzeuge drastisch zu reduzieren? Bürgermeister Henning Brüggemann, Vorsitzender des Klimapakt-Vereins und selbst regelmäßiger Radfahrer, erinnert an das Beispiel Kiel, das sich schon in den 80er Jahren auf den Weg zur Fahrradstadt gemacht hat. „Das ist ein langwieriger Prozess.“ Viele Flensburger Köpfe seien immer noch autozentriert. Immerhin – das Projekt „Radeln zur Arbeit“ sei kürzlich ausgezeichnet worden, berichtet Oeding.

Beer erinnert daran, dass es im Klimapakt vor allem um die Selbstverpflichtung der großen Mitglieder geht: Stadtwerke, Aktiv-Bus, Wohnungsbauunternehmen, Hochschulen, Krankenhäuser. Bei den Wohnhäusern sei der durchschnittliche Wärmeverbrauch von 130 auf 120 kwh pro Jahr und Quadratmeter zurückgegangen. Die Hochschulen seien dabei, ein Klimaschutzmanagement zu erstellen. Das Klimateam koordiniert die Aktivitäten der Mitglieder und bemüht sich um eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit.

Und hier ist noch viel Arbeit zu leisten. Das große Ziel ist letztlich nur erreichbar, wenn möglichst viele Bürger und Unternehmen – auch die kleinen – mitmachen. Um all die Firmen in Handel und Gewerbe zu erreichen, habe man zusammen mit den Wirtschaftsjunioren ein regionales Klimaschutzsiegel entwickelt, das solche Unternehmen bekommen, die aktiv bei der Senkung ihres Energieverbrauchs mitmachen. Brüggemann: „Wir müssen auch in Kindergärten und Schulen gehen.“

Das Klimateam sieht auch im privaten Verhalten der Flensburger ein großes Einsparpotenzial. Martin Beer: „Wir wollen auch über ein Abkoppeln von der digitalen Aufrüstung reden.“ Muss es immer noch ein Computer mehr sein? Doch auch die immer effizienter werdenden Elektrogeräte helfen beim Senken des Stromverbrauchs. Die Zahl der reinen Elektroautos ist in Flensburg allerdings noch deutlich ausbaufähig: 2013 waren es man gerade 17.

Noch ist es Zeit bis Juni 2016. Doch wenn es an den Stellenplan und damit an die knappen Finanzen der Stadt geht, sind die Politiker sofort alarmiert. Da müsse man genau hinschauen, sagte etwa Ratsherr Ron Jeromin (CDU). „Wollen wir Image finanzieren?“, fragte er mit warnendem Unterton im Umwelt- und Planungsausschuss.

 

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