zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

19. November 2017 | 06:13 Uhr

Eggebek : Der Kleinbus wird zur Kirche

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Pastorin Susanne Schildt besucht mit ihrem Auto regelmäßig die Dörfer, die zu ihrer Kirchengemeinde gehören.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 14:05 Uhr

Den Altar sucht man in Susanne Schildts „mobiler Kirche“ vergebens. Dafür finden die Besucher dort eine rote Thermoskanne, gefüllt mit heißem, duftendem Kaffee und in der Eggebeker Pastorin eine aufmerksame Zuhörerin. Seit Frühjahr 2016 ist die 55-Jährige regelmäßig mit ihrem silbernen VW-Bus in der 5000 Mitglieder großen Kirchengemeinde unterwegs, um mit den Menschen auf dem Land ins Gespräch zu kommen.

„Ich hatte schon lange überlegt, wie man das Angebot der Kirche gerade in den kleinen Dörfern verbessern kann“, erzählt die Eggebeker Pastorin, während sie die Einrichtung ihres Busses zeigt. Schließlich sei ihr die Idee gekommen, „die Kirche ins Dorf zu bringen“. Ihre Erfahrung zeigt, dass die regelmäßigen Gottesdienstbesucher meist aus dem Ort kommen, in dem auch die Kirche steht, so die Pastorin. „Die anderen bleiben zu Hause, haben aber vielleicht trotzdem Gesprächsbedarf, also fahre ich einfach zu ihnen.“

Auch für die Zukunft sieht sie in der „mobilen Kirche“ ein Modell, das noch ausbaufähig ist. „Es ist zu beobachten, dass es immer weniger Pastoren auf dem Land gibt. Wenn dann Gemeinden zusammengelegt werden müssen, braucht man ein Modell, mit dem man die Menschen in den kleinen Dörfern erreichen kann.“

Hinter den Schiebetüren des Kleinbusses verbirgt sich genügend Platz für mindestens fünf Menschen. „Es können aber auch mehr kommen, dann setze ich mich nach vorne“, sagt Schildt. Mindestens einmal im Monat besucht sie so die Dörfer, die zu ihrer Kirchengemeinde gehören – und das sind so einige: „Zum Beispiel Bollingstedt, Langstedt, Jerrishoe und auch der Tarper Ortsteil Keelbek“, zählt sie auf.

Jeweils zu einer festen Uhrzeit macht sie an öffentlichen Plätzen Halt. „Manchmal kommen viele, manchmal aber ist auch niemand da“, erzählt die 55-Jährige. Dabei muss es bei einem Besuch der „mobilen Kirche“ nicht nur um den Glauben oder um kirchliche Themen gehen. „Mir ist es wichtig, direkt zu den Menschen zu gehen. Ich bin einfach nur da. Über was gesprochen wird, das bestimmen meine Besucher.“ Vom Klönschnack über das Wetter, Dorftratsch und ernste seelsorgerische Gespräche sei schon alles dabei gewesen. Besonders in Keelbek habe sie eine ganze Reihe von Stammbesuchern, die immer wieder zum Schnacken vorbeikommen. „Das ist ein wirklich schönes Gefühl, wenn man merkt, dass man dort schon erwartet wird.“

In anderen Orten sei die Resonanz eher schwankend. „Ich weiß noch nicht genau, ob ich vielleicht die falsche Zeit oder den falschen Halteort wähle. Ich würde mich da über eine Rückmeldung sehr freuen“, sagt die Pastorin und ruft die Gemeindemitglieder dazu auf, ihr Änderungs- oder Haltewünsche mitzuteilen. Außerdem möchte sie auch mehr Angebote für die Jüngeren schaffen. „Ich habe es mit einer Gute-Nacht-Geschichte versucht, aber leider war das Interesse nicht so groß“, erzählt die Eggebeker Pastorin. Frustriert sie das? „Nein, ich werde es auch weiterhin versuchen. Ich finde, dass gerade heutzutage niederschwellige Angebote wichtig sind, damit auch junge Menschen an den Glauben herangeführt werden“, beschreibt Susanne Schildt einen Teil ihrer Motivation.

Daher habe sie die „mobile Kirche“ auch ganz ohne weitere Unterstützung ins Leben gerufen. „Der Kleinbus gehört mir, den habe ich selber gekauft.“ Nur die Anbringung des Schriftzugs „Die Kirche kommt ins Dorf. Klönschnack über Gott und die Welt“ habe die Kirchengemeinde bezahlt. Oft werde sie sogar auf ihr Angebot angesprochen. Daher will sie weiter fahren. „Nur im Winter, da mach’ ich jetzt erst mal Pause, weil der Wagen keine Standheizung hat.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen