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Flensburger Speditionen : Der Kampf ums Logistikzentrum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswiger Richter bestätigen: Steckhan & Peters soll die größte Gewerbeimmobilie der Region räumen.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 07:24 Uhr

Flensburg | Ein Urteil des Oberlandesgerichts macht der insolventen Firma Steckhan & Peters finanziell wieder Hoffnung. Es bestätigt aber grundsätzlich, dass die Traditionsspedition aus Flensburgs größter Gewerbeimmobilie ausziehen muss: Im komplizierten Rechtsstreit um die eingestellten Mietzahlungen von Steckhan als Mieter im Logistikkomplex an der Husumer Straße 200 hat das OLG sehr viel milder geurteilt als das Flensburger Landgericht: Dies hatte Steckhan im Dezember 2013 nicht nur zur Räumung der wichtigsten Logistik-Immobilie der gesamten Region, sondern auch zur Zahlung von rund 6,5 Millionen Euro ausstehender Mieten verurteilt. Die Schleswiger Richter entschieden nun zwar ebenfalls, dass das Unternehmen das Logistikzentrum freigeben muss. Die Mietnachzahlung indes wurden in zweiter Instanz auf 1,945 Millionen Euro festgesetzt – nur rund 30 Prozent der Summe aus dem Flensburger Urteil (AZ: 2 O 332/07). Zudem habe das OLG die Revision nicht zugelassen, erklärte die Gerichtssprecherin Christine von Milczewski.

Nach Auffassung des Klägers, der Vermieter-Firma „Aptus 108. GmbH“, hat Steckhan & Peters seit 2006 teilweise und seit 2008 die Mietzahlungen vollständig „wegen behaupteter Mängel an dem Gebäude“ eingestellt. „Bis heute belaufen sich die Rückstände auf brutto über 17 Millionen Euro“, erklärte Aptus-Insolvenzverwalter Michael Bremen. Aptus habe Steckhan mehrfach außerordentlich gekündigt und selbst vor vier Jahren Insolvenz angemeldet – „wegen der vollständig ausbleibenden Mieteinnahmen“. Die Steckhan & Peters Logistik GmbH (45 Mitarbeiter), die Ende September Insolvenzantrag gestellt hat, beklagt ihrerseits seit langem, dass die Düsseldorfer Vermieter-Gesellschaft Aptus seit 2006 notwendige Sanierungen und Reparaturen inbesondere an den Hallendächern des 63.000 Quadratmeter großen Komplexes eingestellt habe – mit großen finanziellen Schäden für die Hallen-Nutzer. Deshalb hatte Steckhan die Mietzahlungen eingstellt.

Der vor zwei Wochen eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter Peter A. Borchardt hofft nach dem Schleswiger Urteil auf eine Lösung, bei der die Steckhan-Gruppe insgesamt erhalten werden kann. Dazu zählen die nicht von der Insolvenz betroffenen Tochterunternehmen Nordland und Logistikzentrum Flensburg, bei denen gut 120 der 170 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dass mittelfristig nun wohl ein neuer Standort gefunden werden müsse, hält Borchardt für ein lösbares Problem. Die Vergleichsverhandlungen, die derzeit zwischen Steckhan & Peters, dem Vermieter Aptus 108. GmbH und dem Käufer der Immobilie laufen, würden auf fruchtbarem Boden geführt.

Bei dem potenziellen Käufer handelt es sich nach Tageblatt-Informationen um die dänische Spedition Frode Laursen. Die Gewerbehallen nördlich der Husumer Straße, fast doppelt so groß wie der frühere Motorola-Komplex auf der anderen Straßenseite, gelten als einer der größten Logistikkomplexe Schleswig-Holsteins, wenn nicht in Nordeuropa und sind der logistische Schlüssel für große Teile des deutsch-dänischen Grenzhandels. Zum Beispiel wickelt Carlsberg seinen gesamten Grenzhandel sowie den Deutschland-Vertrieb über die Husumer Straße ab, auch Würstchenhersteller Böklunder nutzt hier die komplette Lagerlogistik. Aber auch etliche kleinere Unternehmen sind hier engagiert.

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