Ausbildungsplätze : Der Kampf um die letzten Lehrstellen

Azubi Jean-Luc Sonn: Vor dem Studium, das er weiter im Auge hat, macht er eine Elektroniker-Ausbildung im Handwerk.
Azubi Jean-Luc Sonn: Vor dem Studium, das er weiter im Auge hat, macht er eine Elektroniker-Ausbildung im Handwerk.

Mindestens 238 Ausbildungsplätze sind in Flensburg unmittelbar vor dem Start am Montag noch zu vergeben.

shz.de von
31. Juli 2015, 10:00 Uhr

Es könnte für beide ein Glücksfall werden: Für Jean-Luc Sonn (20), der sich kurzfristig mit Fachhochschulreife entschloss, eine Ausbildung im Handwerk zu machen – und für seine neue Chefin Sabine Jürgensen, der fast ebenso kurzfristig der Azubi bei Elektro Paulsen im Gewerbegebiet Peelwatt abgesprungen ist. Da war sie froh, dass die Abteilung „Passgenaue Vermittlung“ der Handwerkskammer kurzfristig noch zwei Kandidaten schicken konnte – sogar mit hochwertigem Schulabschluss. Jean-Luc hat zwar weiter das Ziel, einmal zu studieren. Zunächst lernt er bei Elektro Paulsen nun „Elektroniker, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik“. Gestern wurde er bei Elektro Paulsen eingekleidet. Gerade haben das Flensburger Handwerk und die Fachhochschule ein Kooperationsabkommen unterzeichnet, um mehr junge Leute nach Ausbildung und Studium in Führungspositionen im Handwerk zu hieven.

Vor allem das Handwerk sucht wenige Tage vor Ausbildungsstart immer noch händeringend Azubis. 336 Bewerber waren im Juli noch unversorgt und 238 Ausbildungsstellen noch unbesetzt, berichtet Christian Groborsch von der Arbeitsagentur. Mögliche Gründe, warum einzelne Ausbildungsberufe noch nicht besetzt sind? Groborsch nennt die eingeschränkte Mobilität mancher Jugendlicher, da sie an Bahn- oder Buslinien gebunden sind – oder dass Arbeitgeber befürchten, dass die Jugendlichen den Anforderungen in der Berufsschule nicht gerecht werden können. Dagegen hält er, dass sie Unterstützung in Form der ausbildungsbegleitenden Hilfe bekommen könnten.

Dirk Belau von der Handwerkskammer weist daraufhin, dass längst nicht alle Handwerksbetriebe ihre freien Stellen der Arbeitsagentur melden. Wie hoch die Zahl der freien Stellen wirklich ist? Belau kann keine Zahl nennen: „Auf jeden Fall viel höher.“ Sein Tipp an Jugendliche: Nicht nur auf Lehrstellen wie Tischler und Kfz-Mechatroniker setzen, sondern auch Berufe im Metallbau oder als Landmaschinenmechaniker: „Dort wird man den Fachkräftemangel bald deutlich spüren.“

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