zur Navigation springen

Elternfrust : Der Kampf um die Kita Sophiesminde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weder ein Neubau noch ein Umbau sind in Sicht. Die Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig spart nicht mit Kritik an der Stadt Flensburg.

Es ist eine nervenaufreibende Hängepartie zwischen Kita-Eltern, Stadtverwaltung, Politik, Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig (ADS), Grenzverein und Heimaufsicht des Landes. Eine Zeit der Ungewissheit für über 40 Kinder und deren Eltern.

Vor anderthalb Jahren wurde von einem Statiker die Hiobsbotschaft überbracht, dass das Holzgebäude des Sportkindergartens Sophiesminde an der Apenrader Straße von Feuchtigkeit zerfressen, marode und nicht mehr sanierungsfähig ist. Die Einrichtung wurde geschlossen, die Kinder ausquartiert.

In der Petrischule fand man ein von der Heimaufsicht toleriertes Provisorium – explizit als Übergangslösung deklariert. Und geknüpft an die Bedingung, die ADS als Träger möge zusammen mit der Stadt Lösungswege erarbeiten. „Ende Januar haben Mitarbeiter der Behörde bei einem Ortstermin erfahren müssen, dass so gut wie nichts passiert ist. Die haben sich wohl ein wenig verschaukelt gefühlt“, sagt Elternsprecher Stephan Hansen-Oest. „Und nun macht sie Druck.“

Es zeichnet sich ab, dass die Tage an der Petrischule gezählt sind. Die Zustände dort sind tatsächlich alles andere als ideal. Fehlende sanitäre Anlagen, kein abgeschlossenes Außengelände, Küche, Büro und Mitarbeiterzimmer sind in einem einzigen Raum untergebracht.

Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf bestätigte auf Nachfrage, dass es eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung über den August hinaus wohl kaum geben werde und derzeit keine Lösung für die Kita-Kinder in Sicht sei. „Wir basteln daran“, sagt er. Es sei „in Aussicht gestellt“ worden, dass der Fachbereich bis zur nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses ein Konzept vorlegen werde, dass mögliche Szenarien durchspiele. „Ein Maßnahmenplan für einen neuen Standort muss erarbeitet werden.“

Doch darauf wollen die Eltern sich nicht verlassen. Sie haben Lokalpolitiker eingeschaltet, um auf die Misere aufmerksam zu machen und Bewegung in die Angelegenheit zu bringen. Hansen-Oest wurde auf der jüngsten Sitzung des Jugendhilfe-Ausschusses ein Rederecht eingeräumt. Auf seine Schilderung des Problems habe er positives Feedback bekommen. „Aber von Worten und Anteilnahme allein können wir nicht leben.“

„Die ADS als Träger bemüht sich ja“, sagt Kita-Leiter Christian Haack-Gutzeit. Es habe Gespräche mit der Stadt und anderen Trägern gegeben, Neubaupläne hätten sich jedoch leider ebenso zerschlagen wie Alternativ-Standorte. Stephan Hansen-Oest ergänzt: „Wir haben lange stillgehalten. Nun müssen wir jedoch befürchten, dass zum August die Schotten dicht gemacht werden.“

Diese Befürchtung teilt er mit Lothar Hay, dem Vorsitzenden des ADS-Grenzfriedensbundes. Ihm ist die Unzufriedenheit über mangelnde Bemühungen der Stadt deutlich anzumerken. Der ADS seien untaugliche Standorte wie der alte Bunker an der Steinstraße oder ein direkt an der Umgehung liegendes Gelände angeboten worden. „Wir brauchen nicht nur ein adäquates Domizil“, fordert Hay, „sondern auch die Perspektive, dass die Stadt an der Trägerschaft des ADS festhält. Sonst ist für uns hier Schluss.“

Hay verweist auf Neubaupläne südlich der Petrischule – ein Wunschprojekt, dass aufgrund der Baukosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro zu Grabe getragen wurde. Auch die Option, die Petrischule Kita-kompatibel zu machen, hat sich zerschlagen. Allein in Brandschutzmaßnahmen müsste hier eine knappe Million gesteckt werden. „Wir waren entsetzt. Ein Umbau würde summa summarum teurer werden als ein Neubau.“ Pläne auf dem alten Gelände hätten sich zudem wegen Auflagen der Stadt und Unstimmigkeiten mit dem Grenzverein (als Eigentümer des Grundstücks) als nicht umsetzbar erwiesen. Die Förderfrist des Landes, bedauert ADS-Geschäftsführer Peter Rodewald, ist inzwischen abgelaufen. 30 000 Euro habe die ADS allein für Planungskosten berappen müssen – ohne greifbares Ergebnis.

Eltern haben bei der Stadt bereits den Anspruch auf einen Kindergartenplatz geltend gemacht. „Und“, so Hansen-Oest kopfschüttelnd, „den Verweis auf Tagesmütter mit auf den Weg bekommen.“ Bislang sei es gelungen, das Schlimmste von den Kindern fernzuhalten, sagt er. Das sei nur auf die engagierte und einfühlsame Arbeit der Erzieherinnen zurückzuführen. „Und dafür wir sind wir als Eltern sehr dankbar.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 22.Feb.2014 | 07:54 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen